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Innenansicht der Europol Zentrale in Den Haag.

Insgesamt 75 Festnahmen

Codename Pandora: Europol hebt Ring von Kunstschmugglern aus

Den Haag/Madrid - Ein illegaler Markt, der Konflikte und Terror mitfinanziert: Der weltweite Handel mit geplünderten Kunstwerken ist ein Milliardengeschäft. Jetzt hat Europol in ganz Europa Tausende gestohlene Kulturgüter sichergestellt.

Als „schönes Übel“ wird die Pandora in der griechischen Mythologie beschrieben. Bei Europol heißt so treffenderweise eine Operation gegen den weltweiten illegalen Handel mit geplünderten Kulturgütern, historischen Artefakten und Kunstwerken, mit der das europäische Polizeiamt nun Erfolge verzeichnen konnte.

Bei einem großen Schlag gegen den internationalen Kunstschmuggel haben Europol und Sicherheitskräfte aus zahlreichen Ländern mehr als 3500 gestohlene oder illegal erworbene Kulturgüter sichergestellt. Federführend bei der Operation mit dem Codenamen „Pandora“ waren die Polizei in Spanien und Zypern, wie die europäische Polizeibehörde Europol mit Sitz in Den Haag am Montag mitteilte. Insgesamt hätten sich 18 Länder beteiligt, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz, berichtet das spanische Innenministerium.

75 Festnahmen, 3500 beschlagnahmte Kunstwerke

75 Verdächtige wurden im Oktober und November 2016 im Rahmen der koordinierten Operation festgenommen, an der sich auch Interpol, die UN-Kulturorganisation Unesco und die Weltzollbehörde WCO beteiligt hatten. Insgesamt waren mehr als 48 000 Menschen und 29 000 Fahrzeuge überprüft worden.

Bei etwa der Hälfte der 3561 beschlagnahmten Kunstwerke habe es sich um archäologische Fundstücke gehandelt, hieß es. Allein in der spanischen Stadt Murcia wurden 500 solcher archäologischen Gegenstände entdeckt, 19 von ihren waren laut Europol 2014 aus dem dortigen Museum gestohlen worden.

Einige der sichergestellten Artefakte seien von großer archäologischer Bedeutung, wie etwa ein von der Polizei in Griechenland gefundener osmanischer Grabstein und eine post-byzantinische Ikone mit einer Darstellung des Heiligen Georg. Zudem stellte die spanische Polizei nach einer Recherche im Internet 400 illegal zum Verkauf angebotene Münzen aus verschiedenen Epochen sicher.

Kunstschmuggel: ein Milliardengeschäft

Nach Einschätzung der Unesco und anderer Organisationen ist der Handel mit geplündertem Kulturgut heute die drittgrößte illegale Erwerbsquelle - gleich nach Rauschgift- und Waffenhandel. Es handele sich um ein Milliardengeschäft, mit dem nicht nur blutige Konflikte, sondern auch Terrororganisationen finanziert werden.

Ziel von „Pandora“ sei es gewesen, in den Kulturdiebstahl verwickelte kriminelle Netzwerke ausfindig zu machen und deren Verbindungen zu anderen kriminellen Zweigen besser zu verstehen. Besonderes Augenmerk galt dem Schmuggel von Kulturgütern aus Konfliktzonen.

dpa

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