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Novavax-Alternative? Warum auf das Corona-Mittel Corbevax Milliarden Menschen hoffen

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Von: Christina Denk

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Corbevax scheint die große Hoffnung unter den neuen Impfstoffen gegen das Coronavirus zu sein. Doch was macht ihn zum „Impfstoff der Welt“?

Houston - Die Hersteller bezeichnen ihn als „Covid-19 Impfstoff der Welt“. Die Rede ist vom neuen Impfstoff Corbevax. Das in Texas entwickelte Vakzin hat laut den Entwicklern das Potenzial, die Weltbevölkerung zu impfen. Es wurde für die „globale Gesundheit entwickelt“, so der Hersteller. Indien hat dem Impfstoff im Dezember 2021 bereits eine Notfallzulassung erteilt. Doch was kann das Vakzin wirklich und was macht es besonders?

Corbevax: Wie funktioniert der neue Impfstoff?

Corbevax wurde von Forschern am Texas Children‘s Hospital und dem Baylor College of Medicine in Houston, Texas, entwickelt. Es ist anders als der Biontech- und Moderna-Impfstoff kein Vakzin, das auf mRNA-Techniken beruht. Stattdessen gleicht es im Aufbau eher dem ebenfalls neuen Impfstoff Novavax. Der sogenannte rekombinierte Proteinimpfstoff nutzt, vereinfacht dargestellt, als Antigen einen Teil des Spike-Proteins des Covid-Erregers. Dieser nachgebaute Teil hilft bei Impfung dem Körper eine Abwehr gegen das Virus zu entwickeln. Doch was unterscheidet den Impfstoff dann beispielsweise von Novavax?

Corbevax: Ein Impfstoff ohne Patentschutz - Hersteller erhoffen sich Vorteil für arme Länder

Als erster Corona-Impfstoff ist Cordevax nicht patentiert. Die Entwickler verzichteten bewusst auf eine Patentierung. Dadurch sinken die Kosten für den Impfstoff. In einem Gastbeitrag in der Zeitschrift Scientific American schreiben die Entwickler Drs. Maria Elena Bottazzi und Peter Hotez, dass der Impfstoff vor allem für die Anwendung in ressourcenarmen Ländern geeignet sei.

Der Impfstoff ist „sicher, effektiv und kann lokal in sehr großen Mengen hergestellt werden“, so die Forscher. Das sei möglich, da die Herstellungstechniken bereits bekannt wären. Sie wären ähnlich zum Hepatitis B Impfstoff, der in vielen der Länder verwendet wird. „Corbevax ist einfach zu lagern und nicht teuer“, schreiben die Entwickler darüber hinaus. Eine einfache Kühlung reiche zur Lagerung. „Wir hoffen, dass der Impfstoff in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Afrika, Asien und Lateinamerika verwendet wird, wo die Verfügbarkeit von Impfstoffen im Allgemeinen miserabel war.“ So soll Corbevax für eine gerechtere Aufteilung der Impfdosen sorgen. Lizenzen wurden bereits an Unternehmen in Indonesien, Bangladesch und Botswana vergeben.

Corbevax: Die Entwickler wollen bald mehr als eine Milliarde Impfdosen produzieren

Die Entwickler haben große Ziele mit ihrem Vakzin. Die indische Regierung habe bereits 300 Millionen Dosen gekauft. Zudem plane BioE, das Unternehmen, das in Indien die Lizenz zur Fertigung hat, ab Februar 100 Millionen Dosen oder sogar mehr pro Monat herzustellen. 150 Millionen Dosen wären bereits produziert und fertig zur Auslieferung. Da nicht alle in Indien produzierten Dosen auch dort gebraucht werden, plant BioE eine Milliarde Dosen an andere Länder zu liefern. Große Ziele. „Das bedeutet, dass Corbevax bald mehr Menschen impfen wird, als bis jetzt durch Spenden der USA oder jedes anderen G-7-Landes ermöglicht wurden“, so die Entwickler. International versorgt die Allianz namens Gavi vor allem ärmere Länder, die kein Geld haben, um die Impfstoffe selbst zu bestellen. Am 15. Januar versandte sie die einmilliardste Dosis Impfstoff, so die dpa.

In Indien wird bereits mit verschiedenen Impfstoffen geimpft. Nun wird dort auch der neue Impfstoff Corbevax hergestellt.
In Indien wird bereits mit verschiedenen Impfstoffen geimpft. Nun wird dort auch der neue Impfstoff Corbevax hergestellt. © Hindustan Times/Imago

Corbevax: Wie wirksam ist der neue Impfstoff?

Corbevax wurde in zwei klinischen Phase-III-Studien an mehr als 3000 Probanden getestet. Wie die Pharmazeutische Zeitung jedoch anmerkt, ist dies eine eher geringe Probandenzahl. Biontech verwendete beispielsweise 10.000 Probanden für die Phase-III-Studie zur Booster-Impfung, so das Unternehmen. Bei Novovax waren es über 29.000 Personen, die in der Testung mindestens eine Impfdosis bekamen.

Für Corbevax geben die Entwickler nach der dritten Phase eine gute Verträglichkeit an. Der Impfstoff wurde wohl im Vergleich zum Impfstoff Covishield getestet. Dieser ist unter anderem in Indien zugelassen und entspricht dem vektorbasierten, in der EU zugelassenen Vakzin von AstraZeneca.

Corbevax: Die Ergebnisse der Testphasen im Vergleich zu Covishield

Im Vergleich zeigte Corbevax eine bessere Immunantwort bezogen auf die Antikörperbildung. Untersucht wurde die Reaktion auf den Ursprungsstamm und die Delta-Variante. Die Forscher leiteten daraus eine Wirksamkeit zur Vorbeugung symptomatischer Infektionen von über 90 Prozent ab. Gegen Delta wird eine Wirksamkeit von über 80 Prozent angegeben. Im Zeitraum von sechs Monaten bis zur zweiten Impfung sank der Titer laut den Angaben nur um 30 Prozent. Bei keiner der Impfungen traten demnach außerdem keine schwerwiegenden, unerwünschten Ereignisse auf. Die Zahl der gemeldeten, unerwünschten Ereignisse war bei der Impfung mit Corbevax jedoch um 50 Prozent niedriger als mit Covishield.

Im Vergleich zu AstraZeneca sei eine höhere Antikörperbildung gemessen worden. Außerdem habe die Wirkung länger gehalten. Die Untersuchungen beziehen sich erneut auf Beta und Delta. Daten zur Omikron-Variante sind noch nicht verfügbar. Währenddessen ist der Novavax-Impfstoff die Neuheit in der EU. Karl Lauterbach nannte einen Starttermin zur Impfung. (chd)

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