Impf-Privilegien in Gefahr?

Sie wurden bereits vor Monaten geimpft: 14 Bewohner und Pfleger eines Altenheims positiv auf Corona getestet

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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In Nordrhein-Westfalen haben sich offenbar einige Mitarbeiter und Bewohner eines Altenheims mit Corona infiziert - trotz Impfung. Virologen sehen dringenden Aufklärungsbedarf.

Leichlingen - Corona-Ausbruch im Altenheim „Pilgerheims Weltersbach“: In Leichlingen hat sich eine Pflegerin trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infiziert. Das bestätigte ein PCR-Test. Auch bei 17 weiteren Bewohnern und Mitarbeitern des Heims schlugen Schnelltests an. Und auch hier bekräftigten erste PCR-Ergebnisse, die am Mittwochnachmittag eintrudelten, die Korrektheit der Tests, berichtet rp-online. Einige Testergebnisse fehlten noch. Das Bizarre: 14 der positiv getesteten Bewohner und Pfleger sind bereits seit Januar vollständig geimpft. Bisher war man davon ausgegangen, dass Geimpfte nach einer Infektion weitaus weniger ansteckend seien.

Also ein potenzieller Massen-Ausbruch trotz vorheriger Impfung? Weitere Details müssen nun mit dem Gesundheitsamt geklärt werden. „Das Positive ist, dass bislang niemand schwere Symptome zeigt“, teilte Joachim Noß, der Geschäftsführer des Heims, mit. „Es musste bisher niemand ins Krankenhaus, die Bewohner befinden sich auf ihren Zimmern. Das Gesundheitsamt hat uns zugesagt, dass wir prioritär ganz oben stehen. Wir warten auf das Ergebnis [Anmerkung: der noch fehlenden PCR-Tests]“, so Noß gegenüber Bild. Besuche sind derzeit ausgesetzt.

Corona-Infektion trotz vollständiger Impfung: Virologen sind alarmiert - Untersuchungen müssen folgen

Nun muss untersucht werden, wie das Virus in das Altenheim gelangen konnte, in dem aktuell 300 Menschen auf verschiedene Häuser verteilt leben. Von dem potenziellen Ausbruch ist nur ein Haus betroffen, so rp-online. Die aktuellen Regelungen in dem Altenheim sind weiterhin strikt: Besucher werden derzeit alle zwei, Mitarbeiter alle drei Tage getestet. Dazu herrscht Maskenpflicht. Ausnahmen gibt es für vollständig Geimpfte - die Masken dürfen hier bei Besuchen auf den Zimmern abgenommen werden.

Auch Virologen der Uni-Klinik Düsseldorf nehmen den Fall nun in Augenschein. Sollten die PCR-Tests die hohe Zahl an Infektionen bestätigen, „ist es ganz wichtig, dass man das aufarbeitet“, sagt Professor Ortwin Adams von der Uni-Klinik. Einzelne Impfdurchbrüche wären bekannt, denn der Schutz der Impfstoffe liegt nicht bei 100 Prozent. Ein größerer Ausbruch ist jedoch ungewöhnlich.

Das Alter der Patienten wäre ein entscheidender Faktor. Ältere Patienten zeigen häufig schlechtere Immunantworten auf die Impfung. Zudem gelte es zu überprüfen, „ob ein Nichtgeimpfter das Virus ins Haus getragen hat, ob es Geimpfte weitergegeben haben, ob es sich möglicherweise um eine Variante gehandelt hat“ oder ob der Impfstoff nicht gestimmt hat, so Professor Jörg Timm, ebenfalls von der Uniklinik.

In Leichlingen haben sich wohl Pfleger und Bewohner eines Altenheims trotz Impfung infiziert. (Symbolbild)

Corona-Infektion trotz vollständiger Impfung: Fall hat weitreichend Bedeutung - Privilegien für Geimpfte in Gefahr?

Der Fall hat große Bedeutung, da bisher davon ausgegangen wird, dass die Viruslast von Geimpften, sollten sie sich infizieren, gering ist, und dass sie damit in der Regel nicht als Überträger in Erscheinung treten, so Timm. Es gilt also die Ergebnisse der Untersuchungen des Altenheims abzuwarten. „Sollten sich diese Fälle bestätigen, müsste man hinterfragen, ob bestimmte Privilegien für Geimpfte, wie etwa nach einer Reise nicht in Quarantäne zu müssen, noch einmal diskutiert werden müssen.“

Ein Corona-Ausbruch in einem Altenheim? Das ist eine Meldung, die es vor allem vor Beginn der Impf-Kampagne häufig in die Medien schaffte. Denn Seniorenheime zählten lange zu den Infektionsherden. (chd)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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