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Paar behauptet: Keine Antikörper trotz Corona-Vakzin - Münchner Klinik skeptisch

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Von: Franziska Schwarz

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Ein Paar hat nach seiner Corona-Impfung einen Antigentest gemacht – der kaum Antikörper anzeigte. Einen „Impfdurchbruch“ erlebten sie bislang nicht. Viel ist über das Thema noch nicht bekannt.

München - „Es ist so, als wäre ich gar nicht geimpft worden“: Das schilderte kürzlich eine 30-jährige Niederösterreicherin dem regionalen Portal heute.at. Sie und ihr Mann hätten sich gegen Covid-19 impfen lassen, ein zufällig absolvierter Antikörpertest bei ihnen habe aber ergeben: Es sind kaum Antikörper gegen Corona da. „Ich bin jetzt praktisch wie ein Ungeimpfter, komme aber mit meinem Impfpass überall hinein“, ordnete die Frau die unschöne Überraschung in dem Bericht ein.

RTL griff den Bericht auf und fragte beim Mediziner Dr. Christoph Specht nach. „Es gibt sogenannte Impfversager: Menschen, bei denen die Impfung nicht anschlägt“, antwortete der. Auch bei anderen Impfungen sei dies keine Seltenheit, so der Experte. Die Masernimpfung beispielsweise werde zweifach verabreicht, weil es bei etwa fünf Prozent der Patienten zu „keinerlei“ Reaktion komme. „Es wäre erstaunlich, wenn es bei Corona anders wäre“, so sein Fazit.

Einem so resoluten Fazit will man sich an der München Klinik nicht anschließen. Das Krankenhaus hat Erfahrungen mit Covid-19-Patienten. Den Begriff „Impfversager“ sieht ein Pressesprecher auf Anfrage von Merkur.de kritisch. „Falsch gewählt“ sei er. Dass jemand nach einer Corona-Impfung keinerlei Antikörper entwickle, halte man unwahrscheinlich. Allerdings werde in dem Institut auch nicht auf derartige Fälle gemessen, schränkte er ein.

Tatsächlich hält es auch Specht in dem RTL-Bericht für möglich, dass der Corona-Test bei dem jungen Ehepaar möglicherweise schlicht nicht anschlug. Grund dafür könnten „zelluläre Antikörper“ seien, die zwar den erwünschten Schutz darstellen, durch „reguläre“ Antikörpertests aber nicht nachweisbar seien.

Corona-Impfung: „Impfversager“ und „Impfdurchbrüche“ – Experten ordnen ein

Ebenso wie das umstrittene Wort „Impfversager“ (Dr. Specht relativiert es mit einem vorgestellten „sogenannt“) ist das Wort „Impfdurchbruch“ relativ neu. Gemeint sind damit Corona-Infektionen bei Durchgeimpften. „Durchbruchinfektionen ereignen sich bei Personen, deren Corona-Impfung länger als sechs Monate zurückliegt“, erläuterte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vergangenen Monat den Funke-Zeitungen. In der Regel sei die Erkrankung dann aber nicht so gefährlich wie bei Ungeimpften, führte der Mediziner aus.

Den Schutz gegen schwere Covid-Verläufe nach einer Impfung betont auch der Klinik-München-Sprecher – abgesehen von der Anzahl der gebildeten Antikörper. Keine Impfung biete „100 Prozent Schutz“. Zahlen (oder auch einzelne Fallberichte) zu Menschen, die wie in dem heute.at-Bericht vermeintlich gar nicht auf die Corona-Impfung ansprechen, sind dem Münchner Krankenhaus nicht bekannt.

Eine Statistik ist bei der Thematik also schwer zu erheben. Eine Aussage des Kölner Intensivmediziners Christian Karagiannidis vom August liefert zumindest einen Anhaltspunkt. „Aktuell haben wir in Nordrhein-Westfalen 12 bis 13 Prozent der Covid-Patienten in den Kliniken mit Impfschutz. Diese Quote dürfte auch der bundesweiten Quote entsprechen“, sagte er vergangenen Monat den Funke-Zeitungen.

Impfdurchbrüche nach Corona-Impfung: RKI will mit PCR-Tests Klarheit gewinnen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Thematik auf dem Radar. Ärztevertreter unterstützen die Behörde bei ihrer Forderung, infizierte Geimpfte auch dann per PCR-Verfahren zu testen, wenn sie nur leichte Symptome zeigen. „Mit steigenden Infektionszahlen wird es zeitversetzt zwangsläufig vermehrt Fälle geben, bei denen sich Geimpfte anstecken. Wir brauchen deshalb valide Informationen zu den Gründen. Wo kommen Impfdurchbrüche vor, bei welchen Impfstoffen treten sie vor allem auf und durch welche Vorerkrankungen werden sie eventuell begünstigt?“, sagte der Chef der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, vergangenen Monat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das könne helfen, die Wirksamkeit der Impfstoffe weiter zu steigern und sie an Virusvarianten anzupassen.

Dpa-Korrespondentin Alice Lanzke berichtet in dem Zusammenhang aktuell, dass bei den bis Mitte August registrierten Impfdurchbruchs-Fällen bei noch nicht allen Betroffenen zwei Wochen seit der Zweitimpfung vergangen seien. Dennoch: „Der einzelne Geimpfte ist gewiss deutlich besser geschützt als ein Nicht-Geimpfter, dieser wiederum kann sich aber nicht mehr darauf verlassen, geschützt zu sein, weil um ihn herum alle geimpft sind“, zitiert sie in ihrem Bericht Prof. Dr. Carsten Watzl, den Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. (frs mit Material der dpa)

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