Corona-Krise in Deutschland: Wann kommt die Corona-App?
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Corona-Krise in Deutschland: Wann kommt die Corona-App?

Datensicherheit

Kritik an deutscher „Corona-App“ wächst: Renommierte Institutionen ziehen sich aus Entwicklung zurück

  • Alicia Lindhoff
    vonAlicia Lindhoff
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  • Sophie Vorgrimler
    Sophie Vorgrimler
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Die Zukunft einer Corona-App in Deutschland ist ungewiss. Wissenschaftler kritisieren das Projekt. Eine Grundsatzfrage ist ungeklärt.

  • In der Corona*-Krise hoffen viele auf eine „Corona-App“
  • Wann die Corona-App kommt, ist ungewiss
  • Wissenschaftler streiten über das App-Projekt

Die Zukunft der geplanten „Corona*-App“, die dabei helfen soll, per Bluetooth Ansteckungswege nachzuverfolgen, ist ungewisser denn je. Auf Anfrage der Linkspartei erklärte die Bundesregierung, sie „betrachte und bewerte“ mittlerweile nicht mehr nur das Konzept des Entwicklungsprojekts PEPP-PT (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing), sondern auch den rivalisierenden Ansatz D3PT (Decentralized Privacy Preserving Proximity Tracing) sowie die in Österreich eingesetzte Lösung der Accenture GmbH.

Bei einem ersten Test hatte die Bundesregierung noch allein auf das PEPP-PT-Konzept gesetzt, das von 130 europäischen Wissenschaftlern erarbeitet worden war. Doch nach wachsender Kritik steht es auf immer wackligeren Füßen. Mehrere renommierte Institutionen haben sich aus der gemeinsamen Entwicklung zurückgezogen, etwa das Helmholtz Center for Information Security sowie einer der Initiatoren, Marcel Salathé von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne.

Corona-App in Deutschland: Wissenschaftler sind skeptisch

Skepsis gegenüber dem Projekt „Corona-App“ drückten auch mehr als 300 Wissenschaftler in einem offenen Brief aus: Wenn die derzeit verfolgten Ansätze nicht richtig umgesetzt würden, könnten sie ein Einfallstor für Überwachung und Datensammelei bilden. Die internen und externen Kritiker von PEPP-PT monieren fehlende Kommunikation und Transparenz.

Vor allem aber dreht sich der Konflikt um eine technische wie politische Grundsatzfrage: Sollen die Daten auf zentralen Servern verarbeitet werden oder dezentral – also größtenteils auf den Smartphones der App-Nutzerinnen und -Nutzer? Während PEPP-PT auf einen zentralen Ansatz zuzusteuern scheint, wenden sich Anhänger einer dezentralen Variante verstärkt dem Konkurrenzprojekt D3PT zu.

Christian Thönnes von der Gesellschaft für Freiheitsrechte hält beide Lösungen - unter Umständen - für sicher. Beide Optionen böten Vor- und Nachteile, die gegeneinander abgewogen und politisch verhandelt werden müssten. Um eine App zu überprüfen, sei es essenziell, dass der Quellcode offengelegt werde. Generell ließe sich eine App dieser Art nicht ohne Mithilfe von Apple oder Google erstellen, diese böten bisher nur dezentralisierte Varianten an. Optimal sei es, die Nutzer könnten zwischen beiden Varianten auswählen. 

Corona-App des RKI: „Datenspende“

Unterdessen hat der Chaos Computer Club (CCC ) in dem Programm „Corona-Datenspende“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) Schwachstellen entdeckt, die es „auf Dauer nicht tragbar“ machten. Das Institut speichere Zugangsdaten mit hohem Schutzbedarf, heißt es beim CCC. Diese seien zum Teil nicht pseudonomysiert und enthielten mitunter sogar vollständige Namen der Spender.

Über die App stellen bislang rund 400.000 Menschen dem RKI freiwillig Gesundheitsdaten von Fitnesstrackern und Smartwatches zur Verfügung. Die Forscher erhoffen sich davon Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus. 

Von Alicia Lindhoff und Sophie Vorgrimler (mit dpa)


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