Kein Zusammenhang bestätigt

Drei Soldaten tot: Italien nach Impf-Stopp mit AstraZeneca-Wende - aber neuer Stopp für Charge folgt

Auch Italien hatte Impfungen mit AstraZeneca gestoppt. Doch jetzt folgt die Kehrtwende und neue Details zu den Todesfällen. Der News-Ticker.

  • Dänemark hat am Donnerstag die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca gestoppt. (siehe Erstmeldung)
  • Mehrere EU-Länder zogen nach und stellten die AstraZeneca-Impfung ebenfalls ein. (siehe Updates vom 12. März, 10.10 Uhr und 14.25 Uhr)
  • Italien nimmt die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff wieder auf. (siehe Update vom 14. März, 11.25 Uhr)

Update vom 14. März, 18.26 Uhr: In der norditalienischen Region Piemont wurden die Corona-Impfungen mit AstraZeneca wieder aufgenommen. Allerdings wurde vorerst ein Impfstopp für die AstraZeneca Charge ABV5811 verhängt. Auslöser ist der Tod eines Lehrers in der Stadt Biella nach einer Impfung am Samstag, teilt die italienische Nachrichtenagentur Ansa.it mit. Es sei nach Angaben der Regionalverwaltung eine reine Vorsichtsmaßnahme. Es werde geprüft, ob der Tod etwas mit der Impfung zu tun habe. Im Moment gibt es auch in diesem Fall keinen Beweis für einen kausalen Zusammenhang mit der Impfung, betont der Präsident der italienischen Arzneimittelbehörde AIFA im Corriere della Sera. „Bei Impfstoffen gibt es zu viele Emotionen, kein Risiko mit AstraZeneca“, sagte der AIFA-Präsident Giorgio Palù.

Update vom 14. März, 11.25 Uhr: Am vergangenen Donnerstag hatte die italienische Arzneimittelbehörde AIFA die Impfung mit der AstraZeneca-Charge ABV2856 vorerst gestoppt. Auf Sizilien waren drei Soldaten nach der Corona-Impfung verstorben. Am Samstag teilte AIFA-Direktor Nicola Magrini nun mit, dass der Impfstoff von AstraZeneca in Italien weiterhin verabreicht werden soll. „Der Impfstoff von AstraZeneca ist sicher“, versicherte er gegenüber der Zeitung Corriere della Sera.

Für mindestens einen Fall könne der direkte Zusammenhang mit der Impfung von AstraZeneca bereits ausgeschlossen werden, erklärte Magrini weiter. Bei den weiteren Fällen stünden noch Untersuchungen an, um den Zusammenhang zwischen dem Tod und der AstraZeneca-Impfung vollständig auszuschließen.

Italien stoppte nach dem Tod dreier Militärs vorerst die Corona-Impfungen mit AstraZeneca - nun sollen sie wieder aufgenommen werden. (Archivbild)

Der aktuelle Bericht der AIFA zum Corona-Impfstoff von AstraZeneca sei insgesamt sehr beruhigend. „Millionen von Menschen wurden weltweit behandelt, mehr als 10 Millionen allein in Großbritannien, und hatten nur milde, kurzlebige, nicht gefährliche und bekannte Nebenwirkungen: Fieber, Migräne, Muskelschmerzen. Für einige schwerwiegendere Berichte, einschließlich einiger plötzlicher Todesfälle oder Herzinfarkte, wurde der kausale Zusammenhang mit dem Impfstoff nicht nachgewiesen und diese sind daher als Episoden anzusehen, die auf eine andere Ursache zurückzuführen sind“, so Magrini.

Corona-Impfung von AstraZeneca: Unternehmen weist Sorgen zurück

Update vom 12. März, 15.45 Uhr: Das Unternehmen AstraZeneca hat am Freitag Sorgen wegen schwerer Nebenwirkungen seines Corona-Impfstoffs zurückgewiesen. „Eine Analyse unserer Sicherheitsdaten von mehr als 10 Millionen Datensätzen hat keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen gezeigt“, versicherte ein Sprecher. Das gelte für alle Altersgruppen, Geschlechter, Länder oder Chargen des AstraZeneca-Impfstoffs. „Tatsächlich kommen diese Ereignisse unter Geimpften sogar seltener vor als in der Allgemeinbevölkerung“, hieß es weiter.

Corona-Impfstoff von AstraZeneca: WHO verweist auf EMA-Beurteilung

Update vom 12. März, 14.25 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfolgt die Diskussion um den Impfstoff von AstraZeneca aufmerksam. Eine Sprecherin verwies am Freitag auf die Beurteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die zu dem Schluss kam, dass die Nutzen der Impfung mit dem Mittel größer seien als die Risiken.

Die WHO lässt sich bei Beurteilungen von einem Impfausschuss unabhängiger Experten beraten. Die Experten tagten mindestens alle zwei Wochen und würden sämtliche Präparate und Studien laufend prüfen, erklärte die Sprecherin. Sie beschäftigten sich zur Zeit auch mit den Berichten über AstraZeneca. Wann der Ausschuss sich dazu äußern wird, konnte die Sprecherin nicht sagen.

Corona: Nächstes EU-Land stoppt AstraZeneca-Impfung

Trotz schnell steigender Corona-Zahlen ist auch in Bulgarien am Freitag ein vorübergehender Impfstopp für Dosen von AstraZeneca angeordnet worden. Der Chef der Arzneimittelagentur in Sofia, Bogdan Kirilow, verfügte, dass bereits gelieferten Mengen des Impfstoffs von AstraZeneca blockiert werden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Zuvor hatte Regierungschef Boiko Borissow die Einstellung der Impfungen mit AstraZeneca-Dosen angeordnet. Die Verimpfung werde wegen Bedenken bei Nebenwirkungen, die in anderen Staaten und auch in Bulgarien angemeldet wurden, bis zur Entscheidung der EMA ausgesetzt. Gesundheitsminister Kostadin Angelow sagte, er erwarte eine klare Stellungnahme zu AstraZeneca.

Corona-Impfung von AstraZeneca: Spahn mit Klartext - „Beobachten das sehr genau“

Update vom 12. März, 11.10 Uhr: Bei der Bundespressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland äußerte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu der Kritik am AstraZeneca-Impfstoff. „Wir nehmen diese Berichte sehr ernst“, stellte er klar.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seien jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass es - „Stand diesen Freitag“ - kein erhöhtes Thrombose-Risiko gebe. „Aber wir beobachten das sehr genau“. Spahn sagte, er bedauere, dass einige Länder die AstraZeneca-Impfungen nun gestoppt hätten - „aber die meisten nicht“, betonte er.

Anke Richter-Scheer, Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe und Leiterin des Impfzentrums im Kreis Minden-Lübbecke, erklärte bei der Pressekonferenz, alle zugelassenen Corona-Impfstoffe seien für sie „gleichwertig“.

Corona: Mehrere Länder stoppen Impfung mit AstraZeneca

Update vom 12. März, 10.10 Uhr: Dänemark hat die Impfungen mit dem britischen Vakzin AstraZeneca fürs Erste gestoppt. Der Grund für die vorübergehende Einstellung waren Fälle von Blutgerinnseln bei Geimpften. Ein Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Erkrankungen wurde bislang jedoch nicht bestätigt. Die Europäische Zulassungsbehörde EMA betonte gegenüber der Bild: „Die bisher verfügbaren Informationen zeigen, dass die Anzahl der thromboembolischen Ereignisse bei geimpften Personen nicht höher ist als in der Allgemeinbevölkerung.“

Dennoch unterbrechen auch andere Länder, wie Norwegen und Island vorübergehend die Impfung mit dem Vakzin. Auch die italienische Arzneibehörde AIFA hat am Donnerstag eine Fuhre des Wirkstoffes gestoppt, nachdem drei Militärs nach der Impfung auf Sizilien verstorben waren, berichtet oe24. Derzeit laufen Ermittlungen, um einen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Todesfällen zu untersuchen. Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza betonte indes auf Facebook, die Impfstoffe und deren Sicherheit seien „der wichtigste Schlüssel zur Bewältigung der Herausforderung gegen die Pandemie.“

Corona: Mehrere Länder stoppen Impfungen mit AstraZeneca-Vakzin - deutliche Gegenstimmen aus der Medizin

Während Norwegen, Island, Italien und Dänemark die Impfung mit dem AstraZeneca-Wirkstoff stoppen, gibt es Gegenstimmen aus Medizinerkreisen. „Die Entscheidung verursacht wahrscheinlich mehr Schaden, als dass sie potenzielle Impfkomplikationen verhindert, von denen wir derzeit nicht einmal wissen, ob es überhaupt Impfkomplikationen sind“, sagte Mathias Pletz, Mediziner an der Universität Jena.

Blutgerinnsel, die vereinzelt nach der Corona-Impfung registriert wurden, kämen bei schwerkranken Covid 19-Patienten sehr häufig vor. Das Aussetzen der Impfungen in den nächsten zwei Wochen in Dänemark würde sehr wahrscheinlich zu einer höheren Ansteckungsquote mit Covid-19 führen. Fünf Prozent davon wohl mit schweren Verläufen. So könnten folglich auch mehr Thrombosen entstehen, folgert der Mediziner. Die Absetzung des Impfstoffes sei eine unangemessene Nutzen-Risiko-Abwägung gewesen.

Auch Karl Lauterbach kritisiert auf Twitter die Strategie. Es sei wichtig die Thrombose-Fälle zu untersuchen. „Aber Impfstopp war falsch. Ausgesetzte Impfung ist für viele tödlich, die jetzt verzichten“, so der Politiker.

Corona: Dänemark stoppt nach Zwischenfällen zeitweise AstraZeneca-Impfungen

Erstmeldung vom 11. März: Kopenhagen - In Dänemark wird vorübergehend niemand mehr mit dem Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca geimpft. Grund dafür seien Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Personen, die mit dem Mittel gegen Covid-19 geimpft worden seien, teilte die dänische Gesundheitsverwaltung am Donnerstag mit.

Corona: Dänemark setzt Impfungen mit AstraZeneca-Impfstoff vorübergehend aus

Die europäischen Arzneimittelbehörden hätten vor dem Hintergrund eine Untersuchung des Impfstoffes eingeleitet. Ein Bericht beziehe sich auf einen Todesfall in Dänemark. Man könne jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschließend feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Blutgerinnseln bestehe.

Nach Behördenangaben wird der Stopp zunächst 14 Tage dauern, danach wird geschaut, wie es weitergeht. Laut dänischer Regierung sei es wichtig, zu unterstreichen, dass man den Astrazeneca-Impfstoff nicht ablehne, sondern die Verabreichung pausiere. Es sei gut dokumentiert, dass das Mittel sowohl sicher als auch effektiv sei. Man müsse jedoch auf Berichte zu möglichen ernsthaften Nebenwirkungen reagieren. Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, diese Nachricht sei ärgerlich, da man unheimlich abhängig davon sei, dass alle geimpft würden.

In Dänemark wird vorerst auf das Vakzin von Astrazeneca verzichtet.

Corona: Neue Daten zur Wirksamkeit von Astrazeneca - „Impfstoff beugt der Krankheit sehr gut vor“

Für Astrazeneca sind die Entwicklungen in Dänemark ein Schlag ins Gesicht. Das schwedisch-britische Unternehmen hat derzeit ohnehin mit einem Imageproblem zu kämpfen. Lieferschwierigkeiten, Nebenwirkungen und eine wohl niedrigere Wirksamkeit als andere Impfstoffe lassen Astrazeneca in kein gutes Licht rücken. Die im November bekannt gegebenene Wirksamkeit zu 70 Prozent war eigentlich kein schlechtes Zwischenergebnis, lag aber letztlich vergleichsweise deutlich hinter anderen Vakzinen, die mehr als 90 Prozent vorzuweisen hatten.

In der Folge waren Impfungen mit Astrazeneca in Deutschland nur für Personen unter 65 Jahren zugelassen, was mittlerweile jedoch wieder revidiert wurde. Denn nach aktuellen Studien schütze der Impfstoff sehr wohl ausreichend vor einer Corona-Infektion. „Die Daten zeigen, dass der Impfstoff der Krankheit sehr gut vorbeugt“, sagt Bernd Salzberger, Infektiologe an der Uniklinik Regensburg und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, über den aktuellen Stand der Forschung.

In Österreich war Astrazeneca zuletzt ebenfalls in die Schlagzeilen geraten. Nachdem es zu Komplikationen nach der Impfung gekommen war, wurde über einen Zusammenhang mit dem schwedisch-britischen Vakzin spekuliert. Laut der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gebe es derzeit jedoch keine Hinweise darauf, dass der Tod einer Krankenschwester aus dem Landesklinikum in Zwettl oder die Lungenembolie ihrer Kollegin durch die Astrazeneca-Impfung verursacht wurden.

Corona: Vertrauen in Astrazeneca am geringsten - Biontech/Pfizer vorne

Dennoch hat Astrazeneca nach wie vor mit mangelnder Akzeptanz zu kämpfen. Nach einer YouGov-Umfrage sagen zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent), der Impfstoff von Biontech/Pfizer sei ihrer Meinung nach sicher. Nur 43 Prozent machten diese Angabe beim Vakzin von Astrazeneca und 54 Prozent bei dem von Moderna. 27 Prozent der deutschen Befragten wollen sich nicht mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen und warten, bis ihnen ein anderer Impfstoff angeboten wird. 35 Prozent würden sich damit impfen lassen. Bei Moderna sagen dies 49 und bei Biontech/Pfizer 61 Prozent.

Der Astrazeneca-Impfstoff hat auch in anderen Ländern als Deutschland Akzeptanzprobleme. So geben nur 33 Prozent der Befragten in Frankreich an, das Vakzin als sicher zu empfinden. In den USA sagen dies 42 Prozent, in Italien sind es 54 und in Spaniern 59 Prozent.

Corona: Dänemarks Impfstrategie vorangeschrittener als die von Deutschland

Im rund 5,8-Millionen-Einwohner-Land Dänemark haben bislang rund 560.000 Menschen ihre erste Corona-Impfdosis erhalten, knapp 220.000 auch ihre zweite. Bei rund 142.000 Geimpften sei Astrazeneca angewendet worden. Bei mehr als 70 Prozent der bislang verabreichten Impfungen kam das Vakzin von Pfizer/Biontech zum Einsatz, in vier Prozent das von Moderna. Die Impfkampagne ist in Dänemark zügiger als in Deutschland und den meisten anderen Ländern Europas angelaufen.

In der Bundesrepublik sind laut Angaben des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch (10. März) derzeit rund 5,5 Millionen Menschen erst- und 2,6 Millionen zweitgeimpft. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 6,7 beziehungsweise 3,1 Prozent. In Dänemark liegt der Wert bei 9,6 und 3,8 Prozent. (as/dpa)

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