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Corona-Ausbruch auf Spargelhof: „Werden wie Sklaven behandelt“ - Betreiber bestreitet Vorwürfe

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Von: Christoph Stadtler

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Auf einem der größten Spargelhöfe Deutschlands ist Corona ausgebrochen. Erntehelfer sprechen von Zuständen wie „im Horrorfilm“. Der Besitzer des Hofs beschwichtigt.

Kirchdorf (Niedersachsen) - 131 Erntehelfer haben sich mittlerweile auf einem Spargelhof im niedersächsischen Kirchdorf mit Corona infiziert. Die Betroffenen befinden sich seit Wochen in Arbeitsquarantäne und erheben nun gegenüber der Deutschen Welle schwere Vorwürfe: „Wir werden wie Sklaven behandelt, nur vom Hotel zur Arbeit gebracht und zurück“, sagte eine Betroffene dem Nachrichtensender.

Am 18. April soll es die ersten Fälle bei der Thiermann GmbH gegeben haben. Die Sprecherin des Landkreises bestätigte der Deutschen Welle, dass erste Meldungen in der Woche vom 19. bis 25. April eingingen. Ende des Monats wurde dann eine zweiwöchige Arbeitsquarantäne verhängt, da sich so viele Menschen infiziert hatten, dass eine Kontaktverfolgung nicht mehr möglich war. Über 1.000 Arbeiter sind derzeit auf dem Spargelhof beschäftigt. Die meisten kommen aus Rumänien und Polen.

Corona-Ausbruch auf Spargelhof - „Es war wie im Horrorfilm“

Bevor die Arbeitsquarantäne - Arbeiter und Arbeiterinnen dürfen hier nur zum Zweck der Arbeit ihre Unterkunft verlassen - ausgesprochen wurde, wurden PCR-Reihentests mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes und des Gesundheitsamts des Landkreises Diepholz durchgeführt. Eine Betroffene erinnert sich und äußert sich gegenüber der Deutschen Welle: „Es war wie im Horrorfilm!“ Frauen mit positivem Testergebnis sollen bis 23 Uhr draußen gewartet haben, bis sie in ein anderes Hotel gebracht wurden. „Andere weinten, weil sie nach Hause wollten, aber nicht mehr durften“, erzählt sie.

Diese Schilderung wirft kein gutes Licht auf Henrich Thiermann, einen der größten Spargelproduzenten Deutschlands. Er bestreitet die Vorwürfe und betont, dass der Betrieb ein Hygienekonzept verfüge, mit dem man „zusammen leben und zusammen arbeiten“ dürfe. Der lokalen Kreiszeitung versicherte er: Die Lage ist unter Kontrolle.

Corona bei einem der größten Spargelproduzenten - Fünf Menschen mit schwerem Verlauf

Thiermann sieht sich ebenfalls mit dem Vorwurf konfrontiert, dass Infizierte weiterhin ihre Unterkünfte bezahlen müssten - trotz Krankschreibung. Arbeiterinnen haben der Deutschen Welle erzählt, dass sie in großen Gruppen transportiert werden und nicht auf eine Trennung nach Wohngruppen geachtet werde. Demnach sollen aktuell fünf Menschen mit schweren Corona-Verläufen im Krankenhaus liegen. Auch diesen Vorwurf bestreitet der Spargelproduzent. So werden aktuell beispielsweise weniger Menschen in einem Zimmer untergebracht als üblicherweise.

Für die meisten Mitarbeiter wurde die Quarantäne mittlerweile aufgehoben. Dennoch befinden sich weiterhin 200 Arbeiter und Arbeiterinnen in Isolation - und zwar bis zum 18. Mai. Viele der Betroffenen haben - auf gut Deutsch - die Nase voll. „Nie wieder. Nicht unter diesen Bedingungen, nicht für dieses Geld“, äußert sich eine Arbeiterin deutlich. 9,50 Euro brutto verdienen die Erntehelfer pro Stunde (circa 6,80 Euro netto).

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