Corona-Test
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Ein medizinischer Mitarbeiter bereitet in einem Corona-Testzentrum einen Schnelltest vor (Symbolfoto).

Abrechnungsbetrug mit Tests

Razzia in 150 Berliner Corona-Teststellen - Mitglied eines berüchtigten Clans unter Betrugsverdacht

  • Antonio José Riether
    VonAntonio José Riether
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Im Rahmen eines möglichen Abrechnungsbetrugs mit Corona-Schnelltests gab es in Berlin eine Razzia. Unter den 50 Verdächtigen ist auch ein Mitglied eines Clans.

Berlin - Besonders in diesem Frühjahr waren Corona-Schnelltests* ein zentrales Mittel der Bundesregierung, um Lockerungen zu ermöglichen. In ganz Deutschland, so auch in Berlin, wuchsen die Teststellen nur so aus dem Boden. Nun ermittelt die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mit der Polizei gegen 50 mutmaßliche Abrechnungsbetrüger. Es erfolgte eine großflächige Razzia von 150 Teststellen in der Hauptstadt.

Corona: Razzia in 150 Teststellen in Berlin - Mitglied berüchtigter Großfamilie verdächtigt

Seit Mittwoch um 7.15 Uhr sind die Ermittler dabei, ihre Durchsuchungsbeschlüsse in rund 150 Teststandorten in Berlin zu vollstrecken, wie der Tagesspiegel berichtet. Dabei wurden über 200 Beamte des Landeskriminalamts und der Landespolizeidirektion eingesetzt, teilte die Polizei mit. Ob bislang Beweise festgestellt wurden, blieb nach dpa-Informationen offen.

„Ausgangspunkt waren Verdachtsmomente auf einen Abrechnungsbetrug im Zusammenhang mit Corona*-Schnelltests im Bezirk Neukölln“, meinte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Im Juni wurde die Plausibilität der Abrechnungen für die Tests „flächendeckend“ geprüft. „Dabei haben sich weitere Verdachtsmomente ergeben, denen wir nachgehen“, fügte Steltner hinzu. Es bestehe der Verdacht, dass die kriminelle Clanstrukturen im Zusammenhang mit Abrechnungen der Tests stünden.

Unter den 50 Verdächtigen soll dem Tagesspiegel zufolge auch einen besonderen Tatverdächtigen geben, ein Mitglied der berüchtigten Remmo-Familie. Die Großfamilie sorgt nicht nur im Viertel Neukölln seit Jahren für Schlagzeilen, unter anderem mit dem Juwelen-Raub von Dresden*. Der Verdächtige soll vor mehreren Monaten eine Teststelle in Tempelhof eröffnet haben.

Aufgrund der Testpflicht, die im Frühjahr etwa in Geschäften galt, entstanden in Berlin innerhalb weniger Wochen zahlreiche privat betriebene Stationen für Corona-Tests*. Die Zahl lag zwischenzeitlich bei über 1600. Diesen Umstand sollen sich unter anderem auch Clans zu Nutze gemacht haben.

Corona: Abrechnungsbetrüger „erfanden“ wohl Tests - Kassenärztliche Vereinigung hält Millionen-Betrag zurück

Doch wie funktionierte der Betrug? Zu Beginn konnten pro Test 18 Euro über die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) abgerechnet werden. Da der KV von Seiten der Teststellen lediglich die Zahl der Abstriche sowie die Betreibernummer genannt werden musste, war es theoretisch möglich, Fälle zu „erfinden“.

Etwa 100 Millionen Euro flossen alleine in Berlin von März bis Mai an die Anbieter der kostenfreien Corona-Tests. Private Anbieter sollen der KV zufolge bislang 11,5 Millionen Corona-Tests abgerechnet haben. Angesichts des Betrugsverdachts wurde im Mai ein Auszahlbetrag von 3,6 Millionen Euro zurückbehalten.

Für den Juni sogar eine Summe von 78 Millionen Euro. Erst nach einem Austausch mit den Ermittlungsbehörden erfolgen die Juni-Auszahlungen. Auch im Juni gab es 160 Verdachtsfälle. Seit Juli gibt es nur noch 12,50 Euro pro Test, weshalb die Teststellen in Berlin inzwischen auf 1300 zurückgegangen sind. (ajr) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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