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Biontech-Boss Sahin spricht Klartext zu Corona-Booster und Impfdurchbrüchen

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Von: Magdalena Fürthauer

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Coronavirus - Unternehmen „Biontech“ in Mainz
Ugur Sahin (l), Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Biontech, gibt während eines Pressetermins ein Interview. © Andreas Arnold/dpa

Ugur Sahin, Chef des Impfstoffproduzenten Biontech, spricht in einem Interview Klartext über Corona-Booster, Impfdurchbrüche und Verunsicherungen gegenüber des Vakzins.

Mainz - Deutschland befindet sich mitten in der vierten Corona-Welle, die Inzidenz steigt auf ein Rekordhoch und mittlerweile sind beinahe 100.000 Menschen mit oder an einer Covid-19-Infektion verstorben. Allen voran die Impfung soll diesen Wert nun nicht mehr drastisch steigen lassen. Doch was ist mit Impfdurchbrüchen und warum ist eine Auffrischung - eine sogenannte Booster-Impfung - überhaupt notwendig? Der Biontech-Vorstandsvorsitzende Ugur Sahin spricht nun im Interview mit Bild am Sonntag Klartext und sieht „zwei deutliche Trends.“

Corono-Booster und Impfdurchbrüche: Biontech-Boss spricht Klartext - „zwei deutliche Trends“

Als die Zulassung der Corona-Impfstoffe Ende 2020 erfolgte, ging man zumindest für Biontech-Pfizer von einer Zweifachimpfung aus. Nun scheint es, als ob der Schutz sehr viel kürzer halten dürfte, als anfangs gedacht. Dies räumt auch Sahin im Interview ein. Demnach zeigten sich durch Biontech-Studien zwei deutliche Trends. Erstens: Der Impfschutz gegen eine Covid-19-Erkrankung beginne etwa ab dem vierten Monat abzunehmen und sinke ab dem sechsten Monat wieder „deutlich“. Zweitens jedoch: Selbst wenn man sich nach einiger Zeit mit dem Virus infiziere, biete das Vakzin einen bedeutend längeren Schutz vor schweren Erkrankungen.

„Wenn Geimpfte an Covid-19 erkranken, dann in den allermeisten Fällen mild bis moderat“, so der 56-Jährige. Dies sei bis zum neunten Monat nach der Impfung der Fall. Wenn Geimpfte einen schweren Covid-Verlauf erleiden, dann vor allem wegen ihrer Risikofaktoren. Diese sind laut Sahin Alter, Vorerkrankungen, Fettleibigkeit und schwaches oder durch Medikamente unterdrücktes Immunsystem.

Corona-Impfung: Biontech-Boss im Interview - Booster als Hilfe gegen Impfdurchbrüche

Sahin stellt in dem Bild-Interview auch klar, dass Menschen durchaus verunsichert seien durch den Fakt, dass beinahe die Hälfte der Hospitalisierten über 60 Jahre geimpft seien. Dafür gebe es jedoch einen einfachen Grund. „Man muss berücksichtigen, dass die Geimpften in dieser Altersgruppe deutlich in der Mehrheit sind“, so der Biontech-Chef. Laut RKI-Daten seien nämlich 85% der doppelt Geimpften in der Altersgruppe ab 60 Jahren vor einer Krankenhausbehandlung geschützt. Da es mehr Geimpfte in dieser Altersgruppe gebe, komme es im Folgeschluss auch zu mehr Impfdurchbrüchen, nicht aber unbedingt zu mehr Corona-Infektionen.

Coronaserum-Flasche von Biontech-Pfizer mit Spritze.
Biontech-Pfizer produziert den Impfstoff, der bis dato in Deutschland für die Corona-Impfung am meisten Verwendung fand. © IMAGO / Martin Wagner

Schutz gegen einen solchen Impfdurchbruch biete allen voran der Booster. Die Auffrischungsimpfung stelle laut Sahin nämlich nicht nur den kompletten Schutz wieder her, „sondern die Immunantwort kann danach noch höher sein.“ Bei Erwachsenen trete nach dem Booster eine Covid-Erkrankung 20 Mal seltener auf, es gebe so gut wie keine Impfdurchbrüche mehr und der Schutz vor schweren Erkrankungen werde auf 97% angehoben, so der Biontech-Boss im Bild-Interview.

Video: Wer braucht die Booster-Impfung - Virologe klärt auf

Biontech-Chef im Interview: Jährliche Corona-Auffrischungsimpfung?

Auf die Frage, ob es künftig jedes Jahr eine Auffrischungsimpfung brauche, hat Sahin noch keine klare Antwort. Wichtig sei es, dass die dritte Impfung den Schutz wieder anhebe und dass er vermutlich länger anhalten werde, als der Schutz nach den ersten beiden Stichen.

Ob und wann eine vierte Impfung sinnvoll sei, dazu habe Biontech noch keine Daten. Dies hänge davon ab, ob es zu weiteren Virus-Mutationen komme oder nicht. Eine jährliche Auffrischungsimpfung wie bei der Influenza halte er jedoch für durchaus wahrscheinlich, so Sahin gegenüber der Bild. (mef)

Anmerkung der Redaktion: Zweiter Absatz am 21. November, 13.40 Uhr ergänzt; „Der Impfschutz gegen eine Covid-19-Erkrankung beginne etwa ab dem vierten Monat abzunehmen und sinke ab dem sechsten Monat wieder ‚deutlich‘.“

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