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Hausärzte stehen wegen Boostern vor massiven Problemen – und äußern zwei große Sorgen

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Von: Franziska Schwarz

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Allen über 18.Jährigen jetzt eine Booster-Impfung gegen Corona anbieten? Gar nicht so leicht. Ärztevertreter kritisieren eine „desolate Krisenkommunikation“ von Stiko und Gesundheitsministerium.

Berlin - Jetzt soll es offenbar ganz schnell gehen mit dem Boostern gegen Corona. Zu schnell, als dass es überhaupt geordnet in die Tat umgesetzt werden kann? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfiehlt offenbar, sie allen Volljährigen schon vor der Sechsmonatsfrist anzubieten. Stiko-Chef Thomas Mertens sprach bei „Lanz“ (ZDF) über eine Booster-Empfehlung für alle ab 18 Jahren in Deutschland.

Patientenschützer und Ärztevertreter warnen bei der Idee indes vor zwei Dingen:

Der Hausärzteverbandschef Ulrich Weigeldt lehnt Auffrischungsimpfungen für alle Interessierten zum jetzigen Zeitpunkt ab. Zuerst müssten die vulnerablen Gruppen wie Menschen über 70 Jahre und chronisch Kranke die Booster-Impfung erhalten, sagte er der Rheinischen Post vom Mittwoch.

Hausärzteverbandschef warnt beim Boosterimpfungen vor „desolater Krisenkommunikation“

„Diskussionen darüber, die ganze Bevölkerung quasi gleichzeitig ein drittes Mal zu impfen, helfen in der Impfkampagne nicht weiter.“ Denn jüngere und gesündere Menschen seien in der Regel auch sechs Monate nach der zweiten Impfung gut geschützt und könnten gegebenenfalls auch ohne Probleme etwas später die Booster-Impfung bekommen.

„Die Hektik durch eine desolate Krisenkommunikation, die auch durch die geschäftsführende Bundesregierung fortgesetzt wurde, führt nur zu unnötigem Stress in den hausärztlichen Praxen und trägt zumindest nicht zu Beschleunigung der Impfkampagne bei“, sagte Weigeldt.

Auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte, dass bei den Booster-Impfungen der Vorrang bestimmter Gruppen geprüft werden sollte - ähnlich wie zu Beginn der Impfkampagne.

Booster-Impfung gegen Corona: Drei konkrete Vorschläge der Bundesärztekammer

Brysch warnte angesichts Millionen notwendiger Booster-Impfungen vor einem „Impfansturm“ auf Arztpraxen, den diese auf „breiter Front“ nicht bewältigen könnten. „Jetzt, bei einem knappen Impfangebot und wenig Impfstellen ist es Auftrag der Ministerpräsidentenkonferenz, für ein geordnetes Booster-Verfahren zu sorgen“, sagte Brysch den Funke-Zeitungen vom Mittwoch.

Einen klaren Fahrplan für die Millionen Erst-, Zweit- und Drittimpfungen in diesem Herbst und Winter forderte auch die Bundesärztekammer, und zwar in einem Schreiben von Ärztepräsident Klaus Reinhardt an die Ministerpräsidenten, das Kanzleramt und den Bundesgesundheitsminister, aus dem die Funke-Zeitungen zitieren.

Zur Entlastung der Arztpraxen in der Pandemie forderte Reinhardt unter anderem:

(dpa/AFP/frs)

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