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Corona-Vorbild mutiert zum Hotspot - doch es gibt eine Erklärung: Warum Bremen vieles richtig macht

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Von: Andreas Schmid

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Der Dom in der Bremer Innenstadt wird beleuchtet. Bei der Kunstaktion „Lichter der City“ werden architektonisch relevante Gebäude der Stadt mit Bild- und Videoprojektionen in Kunstwerke verwandelt
Der Bremer Dom: Der Stadtstadt im Norden Deutschlands weist derzeit die höchste Corona-Inzidenz auf. © Sina Schuldt/picture alliance

Bremen hat derzeit die höchste Inzidenz Deutschlands. Läuft so vieles schief im Norden? In Wahrheit ist die Hansestadt dem Rest des Landes einen Schritt voraus.

Bremen - Im nach Einwohnerzahlen kleinsten deutschen Bundesland sind die Corona-Zahlen derzeit am höchsten. Bremen kommt überraschend auf die höchste Sieben-Tages-Inzidenz des Landes, dabei galt die Hansestadt lange als Vorzeigeort deutscher Pandemiebekämpfung. Was passiert derzeit im Norden? Macht Bremen plötzlich alles falsch?

418,7 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen zeigte das Dashboard des Robert-Koch-Instituts am Sonntagabend (2. Januar) für Bremen an. Das ist der höchste Stand seit Pandemiebeginn. Der Bundesschnitt liegt bei 222,7. Zudem sind die Intensivbetten in Bremen zu 96 Prozent ausgelastet, bundesweit liegt die Quote bei 84 Prozent.

Corona-Vorbild Bremen: Nirgends ist die Impfquote höher

Bisher war Bremen stets als Positivbeispiel der Pandemiebekämpfung angeführt worden. Der Senat aus SPD, Grünen und Linkspartei manövrierte den 680.000-Seelen-Stadtstaat, zu dem neben Bremen auch Bremerhaven gehört, weitgehend unaufgeregt durch die Pandemie. Bei Infektionszahlen lag man unter dem Bundesschnitt, größere Fehler der Regierung um Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) blieben aus.

Deutschlandweite Anerkennung gab es für die positive Impfkampagne in Bremen. Nirgends sind prozentual gesehen mehr Menschen geimpft. Bremen hat sowohl die höchste Quote an Einfach-Geimpften (87,1 Prozent) als auch an Menschen mit zweifacher Impfung (83,0).

Bremen: Vom Corona-Musterbeispiel zum Hotspot? Der Schein trügt

Warum aber sind die Infektionszahlen in Bremen dann so hoch? Entwickelt sich Bremen vom Vorzeigeort zum Hotspotgebiet? Nein, vermutlich nicht. In Bremen kennt das Virus schlicht keine Feiertage. Während in nahezu allen Gesundheitsbehörden in Deutschland zwischen Weihnachten und Neujahr reduziert gearbeitet wird, hat Bremen das Personal aufgestockt. „Im Bereich der Kontaktnachverfolgung und Meldungen an das RKI führen wir weiteres Personal zu, damit wir gerüstet sind für die Welle, die uns im Januar erwartet“, sagte Jörn Moock, Leiter des Bremer Gesundheitsamtes, dem Sender Radio Bremen. So habe das Gesundheitsamt etwa für Silvester und Neujahr die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt.

Die Bremer Strategie sorge für „ein gleichbleibendes Testniveau über die Weihnachtsfeiertage“. Die Folge: ein „relativ klares Bild“ zur Infektionslage - das bundesweit komplett zu fehlen scheint. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ging zuletzt gar davon aus, dass „die tatsächliche Inzidenz derzeit vermutlich zwei bis drei Mal so hoch ist wie die Inzidenz, die wir erfassen“.

Im Video: Corona-Proteste in Bremen

Die Ampel-Koalition rechnet erst zum Corona-Gipfel am 7. Januar mit validen Zahlen. Auch das Robert Koch-Institut teilt mit, dass die aktuellen Meldezahlen „mit großen Ungenauigkeiten behaftet sind“. Und Bremen? „Wir waren über Weihnachten da und sind auch über Neujahr da“, sagt Moock. Weil das nun aber nicht für den Rest der Bundesrepublik gilt, steht Bremen nun als Corona-Hotspot da. Tatsächlich scheinen die Hanseaten jedoch einmal mehr ein Vorbild zu sein. (as)

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