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Bei „Maischberger“: Fauci und Montgomery erklären Chinas Corona-Strategie für „gescheitert“

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Von: Sven Hauberg

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Frank Ulrich Montgomery (links) und Anthony Fauci in der Talkshow von Sandra Maischberger.
Frank Ulrich Montgomery (links) und Anthony Fauci sprachen in der Talkshow von Sandra Maischberger auch über Chinas Corona-Strategie. © Screenshot/ARD

China oder die USA - welches Land verfolgt die richtige Corona-Strategie? In der Talkshow von Sandra Maischberger bezog US-Virologe Anthony Fauci Position.

München - Die Frage, wie die richtige Antwort auf die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus aussieht, ist längst zu einer Art Kulturkampf zwischen China und den USA geworden. Fast täglich berichten Pekings Staatsmedien über die Verheerungen, die der Umgang der USA mit der Pandemie angerichtet hat. „200.000 durch COVID-19 verwaiste US-Kinder belasten Washingtons Gewissen“, titelte etwa unlängst die staatlich kontrollierte Global Times. Die „unverantwortliche“ Politik der USA und anderer westlicher Länder führe zu Millionen von Toten, während Chinas „Null-Covid-Strategie“ Leben rette, so der Tenor.

Weil aber die Omikron-Variante extrem ansteckend ist und gleichzeitig zu vergleichsweise wenigen Todesfällen führt, gerät Chinas Regierung mit ihrem Ansatz, keinerlei Infektionen zuzulassen, zunehmend in Erklärungsnot. Seit Monaten lässt Peking eine Stadt nach der anderen abriegeln und Millionen Menschen in ihren Wohnungen einsperren. Massentests sollen auch noch die allerletzte infizierte Person aufspüren. Besonders hart getroffen hat es Shanghai. Seit Anfang April steht die Wirtschaftsmetropole mit ihren rund 25 Millionen Einwohnern unter einem Lockdown, der erst vor Kurzem ein Stück weit gelockert wurde.

Anthony Fauci bei Sandra Maischberger: China hat „keinen guten Impfstoff“

Widerstand gegen die Knallhart-Politik regt sich unter Chinas Bevölkerung seit Längerem. Die sozialen Netzwerke sind voll mit Videos, die Schlägereien zwischen Bürgern und Sicherheitskräften zeigen Menschen, die aus Protest gegen die Maßnahmen aus ihren Wohnungsfenstern auf Töpfe schlagen. Es sind Bilder, die auch im Westen für Entsetzen sorgen und die - Stichwort Kulturkampf - nun auch den US-Virologen Anthony Fauci dazu bewogen haben dürften, der chinesischen Strategie eine Absage zu erteilen.

„Einen Lockdown zu verhängen und nichts anderes zu machen, ist überhaupt nicht sinnvoll. Man muss die Zeit des Lockdowns nutzen, um die Bevölkerung zu impfen und zu boostern“, sagte der 81-jährige Immunologe am Mittwoch in der Talkshow von Sandra Maischberger. Der medizinische Chefberater der US-Präsidenten erklärte in der Sendung Chinas „Null-Covid-Strategie“ für gescheitert. Fauci beklagte, China habe „keinen guten Impfstoff – verglichen mit den Impfstoffen in der EU und in den USA“.

Frank Ulrich Montgomery bei Maischberger: „Die Null-Covid-Strategie ist gescheitert“

Tatsächlich werden in China vor allem zwei im eigenen Land entwickelte Totimpfstoffe eingesetzt, die sich als wenig wirksam gegen Omikron erwiesen haben. Das mRNA-Vakzin von Biontech wurde hingegen noch immer nicht zugelassen, obwohl das Mainzer Unternehmen bereits vor mehr als zwei Jahren einen Vertrag mit einem chinesischen Unternehmen über die Produktion des Impfstoffes geschlossen hatte. Derzeit sind in China mindestens vier eigene mRNA-Impfstoffe in der Entwicklung, außerdem wurde vor wenigen Tagen erstmals ein neuer Totimpfstoff, der speziell gegen die Omikron-Variante entwickelt wurde, an einem Freiwilligen getestet.

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Bei „maischberger. die woche“ kritisierte Fauci nun nicht nur das Fehlen eines guten Impfstoffes in China, sondern machte auch die Impfquote unter älteren Menschen für die Probleme des Landes verantwortlich. Diese sei viel zu niedrig, so der US-Immunologe. Zustimmung für seine Analyse der chinesischen Corona-Politik erhielt Fauci in der Sendung von Frank Ulrich Montgomery, dem Vorsitzenden des Weltärztebundes. „Die ‚Null-Covid-Strategie‘ ist gescheitert. Immer wieder Lockdown, das geht nicht“, sagte Montgomery bei Maischberger.

Corona in China: Experte fordert Ende der Massentests

Während Kritik an der „Null-Covid“-Politik in den sozialen Netzwerken Chinas in der Regel binnen kürzester Zeit zensiert wird, konnte sich zuletzt allerdings ein Artikel online verbreiten, der ein Umdenken forderte. Wie die in Hongkong ansässige South China Morning Post am Donnerstag berichtete, stammt der Text von Zhang Zuofeng, einem chinesisch-amerikanischen Professor für Öffentliche Gesundheit, der an der University of California in Los Angeles lehrt.

Zhang schreibt in dem Text, dass die öffentlichen Massentests, die derzeit in vielen chinesischen Städten durchgeführt werden, das Infektionsrisiko nur noch steigern würden. Schließlich würden viele Menschen an einem Ort zusammenkommen; zudem gehe von dem Testpersonal eine Ansteckungsgefahr aus. Außerdem fordert er den Einsatz des Biontech-Impfstoffs und die Behandlung älterer Menschen mit einem Corona-Medikament von Pfizer. Wie die Post weiter schreibt, wurde der Text bislang noch kein Opfer der Zensur - möglicherweise ein leises Anzeichen für eine leichte Kurskorrektur in Peking.

Unterdessen meldete der US-Sender NBC News am Mittwoch unter Berufung auf selbst zusammengestellte Daten, dass in den USA seit Beginn der Pandemie bereits eine Million Menschen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben seien. Eine Zahl, die den Verfechtern von Chinas Null-Toleranz-Politik Aufwind geben dürfte. (sh)

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