Christian Drosten geht nach einer Pressekonferenz mit Maske aus dem Haus der Bundespressekonferenz.
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Christian Drosten geht nach einer Pressekonferenz mit Maske aus dem Haus der Bundespressekonferenz.

„Vieles falsch verstanden“

Corona-Impfstoff AstraZeneca: Drosten kritisiert Behauptungen als „Unsinn“ - klare Forderung an Merkel

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Christian Drosten spricht sich in einer neuen Podcast-Folge für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca aus. Zuvor hatte Südafrika seine Impf-Kampagne ausgesetzt. Details dazu erklärt der Virologe ausführlich.

  • Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité verteidigt den AstraZeneca-Impfstoff.
  • Im NDR-Podcast bespricht er wichtige Erkenntnisse zweier israelischer Studien.
  • Er betont die Bedeutung des Vakzins von AstraZeneca für die deutsche Impfstrategie.

Hamburg - In der aktuellen NDR-Podcast-Folge zum Coronavirus hat Christian Drosten den AstraZeneca-Impfstoff verteidigt. Ihm zufolge sei in Bezug auf das Vakzin einiges falsch verstanden worden. Der Impfstoff von AstraZeneca war zuletzt in die Kritik geraten. Für den bekannten Virologen der Berliner Charité gibt es dafür jedoch eine Erklärung. Auch auf zwei Studien aus Israel geht er in der neuen Folge ein.

Zunächst beginnt Drosten mit einem Appell zum Thema Impfstoff: „Wir müssen uns eher überlegen, wo wir in Deutschland stehen und nicht immer auf die anderen schauen. Und in Deutschland überlegen, wie man vorwärts kommt und da auf die anderen schauen, wo es inhaltliche Erkenntnisse gibt.“ Eine vorveröffentlichte Studie aus Israel, eine sogenannte Preprint - zeige, dass die Impfkampagne Anlass zur Hoffnung gebe. Und das bereits nach nur einer Impfdosis. „Wenn man die Hälfte der Bevölkerung über 60 mit so einer Dosis versehen hat, dann kommen drei Wochen später erstaunliche Schutzeffekte zutage“, führt Drosten an.

Christian Drosten: Positive Ergebnisse aus Studien aus Israel - Effekte bereits nach erster Corona-Impfung

„Es ist nur die erste Dosis, die man anscheinend braucht, um wieder zu einem deutlichen Absinken der Viruslast zu kommen“, so Drosten. Und zwar knappe drei Wochen später - zwischen 12 bis 28 Tage nach der ersten Dosis. „Und das in einen Bereich, in dem nach unserer Einschätzung die Infektiosität endet.“ Dies gehe aus zwei israelischen Studien hervor, die sich gegenseitig bestätigen würden. Das bedeutet: Personen, die bereits geimpft sind, dürften demnach nicht stark beziehungsweise überhaupt nicht ansteckend für andere sein. Das gelte sowohl für die Corona-Mutation B.1.1.7 als auch für die Nicht-Mutanten, sagt Drosten. In Israel wird nur mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft.

In Bezug auf die Wirkung ergebe sich jedoch hinsichtlich des AstraZeneca-Impfstoffs kein stark anderes Bild, argumentiert Christian Drosten. „Die Daten, die für die Vakzine von Biontech/Pfizer und AstraZeneca vorliegen, sind sehr ermutigend. Man kann vermuten, dass die Übertragbarkeit durch die Impfung insgesamt verhindert wird.“

Update zu Corona von Christian Drosten: AstraZeneca besser als sein Ruf - Verweis auf Südafrika-Mutation

Ist der AstraZeneca-Impfstoff besser als sein Ruf, will die NDR-Moderatorin von Christian Drosten wissen. „Ja, das kann ich ohne Zögern sagen. Wenn ich mir die öffentliche Diskussion in Deutschland anschaue, ist da Vieles falsch verstanden worden.“ Der AstraZeneca-Impfstoff sei ein „halb-akademischer Impfstoff“, da dieser von der Universität Oxford mitentwickelt wurde. Das bedeutet, das Vakzin werde „sehr engmaschig von der akademischen Forschung begleitet“. Informationen würden daher in Häppchen veröffentlicht - und nicht, wie von einem Pharmakonzern ausgehend, als Gesamtlage. Dadurch habe es viele „Wissenschafts-Häppchen“ gegeben. „Obwohl es manchmal sicherlich besser gewesen wäre, das Ganze in einem größere Rahmen zu setzen“, so Drosten.

Ihm zufolge sei der Impfstoff von AstraZeneca sehr gut. Bislang ist das Vakzin in Deutschland nur für die Altersgruppe der 18 bis 64-Jährigen empfohlen. Wie die Ständige Impfkommission dazu mitteilte, reiche die Datenlage für Personen über 65 nicht aus, um die Wirksamkeit in dieser Altersgruppe beurteilen zu können.

Corona-Mutationen: Christian Drosten hält britische Variante für relevanter - AstraZeneca in Südafrika

Vor Kurzem wurde bekannt, dass der Astrazeneca-Impfstoff in Südafrika offenbar geringer vor milden und moderaten Verläufen durch die dort erstmals aufgetretene Corona-Mutation schütze. Eine Impf-Aktion mit dem Vakzin wurde in dem Land daher kurzfristig ausgesetzt. Anhand der Studie, die die Grundlage bildet, könne jedoch nichts über schwere Verläufe gesagt werden, weist Drosten auf. Die Gruppe der Patient:innen sei dafür viel zu klein. Jedoch sei das genau das, was Bürger:innen interessieren würde. Es sei daher nicht korrekt zu sagen, dass das Vakzin nicht gegen die Varianten wirke. Als „Unsinn“, bezeichnet Drosten die Äußerung. Die Studie würde eine solche Aussage nicht belegen.

„Wir haben in Deutschland die Chance, frühzeitig aus dieser Pandemie herauszukommen. Das kann im zweiten Quartal plötzlich Schlag auf Schlag gehen“, sagt Drosten. Die Politik müsse daher bei ihrer Impfstrategie auch auf AstraZeneca bauen. „Wir müssen alles daran setzen, so schnell wie möglich in der Breite zu impfen“, fordert er daher. „Es gibt immer ein Haar in der Suppe, und manche schauen da mit einem Vergrößerungsglas drauf, das sollte man nicht tun. Man sollte eher überlegen, was man selbst beitragen kann im Kampf gegen die Pandemie.“

AstraZeneca: Kein Warten auf Update von Biontech-Impfstoff wegen Corona-Mutanten

„Es wäre eine komplett falsche Überlegung, erst mit einer Impfung abzuwarten, bis ein upgedateter Biontech-Impfstoff vorliegt, bevor ich AstraZeneca nehme“, so der Virologe zu den Corona-Mutanten. „Für Deutschland würde ich im Moment bei der derzeitigen Verteilung von Mutanten gar nicht davon ausgehen, dass man in allzu naher Zukunft so ein Update bei den Impfstoffen bräuchte. Wir werden sehr gut mit den jetzt verfügbaren Impfstoffen klarkommen.“ (aka)

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