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Drosten warnt in „Tagesthemen“ vor Omikron und nennt Zeitpunkt für Pandemie-Ende - Zamperonis Seufzer sagt alles

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Von: Luisa Billmayer

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Virologe Christian Drosten hat im Tagesthemen-Interview die Fragen von Ingo Zamperoni beantwortet.
Virologe Christian Drosten hat im Tagesthemen-Interview die Fragen von Ingo Zamperoni beantwortet. © Screenshot/Tagesthemen

Die neue Omikron-Variante des Coronavirus ist noch nicht besonders gut erforscht. Erste Erkenntnisse sind für den Virologen Christian Drosten kein Grund zur Entwarnung.

Berlin - Corona-Experte Christian Drosten hat in den ARD-„Tagesthemen“ darüber gesprochen, was er aus den ersten Studien zur Omikron-Variante des Coronavirus ableitet. „Besorgniserregend“ findet der Wissenschaftler, wie schnell sich die Variante zu verbreiten scheint. Man habe den Eindruck, „dass sich das Geschehen alle drei Tage verdoppelt“. Sehr genaue Daten der Nachverfolgung aus Südafrika, Dänemark und auch England würden das belegen. „Das ist deutlich schneller, als wir es von der Delta-Variante gewohnt sind“, erklärte Drosten.

Virologe Christian Drosten im Interview: Deutschland befindet sich im „Blindflug“

Es gebe zwar Hinweise, dass die Variante mildere Verläufe mit sich bringt, diese Hinweise könnten aber nicht auf die deutsche Lage übertragen werden. „Die Immunsituation ist in jedem Land unterschiedlich“, merkte der Charité-Virologe an. Hinsichtlich der Einschätzung des US-Experten Anthony Fauci sagte Drosten, in den Vereinigten Staaten seien beispielsweise deutlich mehr Menschen infiziert worden, wodurch auch die Dichte der Genesenen höher sei.

Kritisch sieht Drosten die Situation für Personen, die weder genesen noch geimpft sind. „Da machen mir die Informationen aus Südafrika verstärkt Sorgen“, so Drosten. „Was man dort sieht, ist, dass gerade die jüngsten Kinder unter fünf Jahren verstärkt ins Krankenhaus müssen, mit schweren Verläufen.“ Die Immunsituation Südafrikas, mit über den ganzen Verlauf der Pandemie betrachtet relativ vielen Infizierten, lässt Christian Drosten vermuten, dass diese Kinder noch ungeimpft und nicht genesen sind. In der Medizin werden diese Personen als „immunologisch naiv“ bezeichnet.

Drosten schließt aus diesen Erkenntnissen, dass die Omikron-Variante nur bei Geimpften und Genesenen aufgrund deren Grundimmunität milde Verläufe verursachen könnte. Bei „immunologisch naiven“ Personen befürchte er hingegen Infektionen mit schwereren Symptomen. Weil es bisher keine Daten aus Deutschland gebe und die Lage in der Bundesrepublik nicht mit anderen Ländern vergleichbar sei, beschreibt Drosten die Situation als „Blindflug“. Dennoch fordert er von der Politik schnelle Entscheidungen.

Video: Drosten warnt

Christian Drosten im Tagesthemen-Interview: Omikron-Variante wirkt in jedem Land anders

Eine Maßnahme betont der Virologe ganz besonders. „Jeder der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen und alle Ungeimpften müssen sich noch einmal hinsetzten und ganz genau darüber nachdenken, ob sie das aufrechterhalten wollen“, so Drostens eindeutiger Appell.

Wann wird die Pandemie endlich ein Ende finden? „Ich kann nicht versprechen, dass das im nächsten Jahr nicht geschafft ist“, sagte Drosten im Hinblick auf die Zukunft. „Wir sind auf dem Weg in einen endemischen Zustand“, machte Drosten klar. „Dieses Virus wird zu einem normalen Erkältungsvirus werden. Was keine Wahrsagerei ist, ist, dass das aufhören wird – in absehbarer Zeit. Nächstes, übernächstes Jahr, vielleicht in drei Jahren. Aber dann ist es auch vorbei.“ Zamperoni seufzt daraufhin kurz auf und blickt etwas resigniert. Dann ist das Interview zuende. (lb) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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