Ein Mitarbeiter des Coronavirus-Nachweislabors "Huoyan" arbeitet an Nukleinsäuretests zum Nachweis des neuartigen Coronavirus.
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Zwischen Corona-Verlauf und Darmgesundheit besteht offenbar ein Zusammenhang.

Corona-Erkrankung und Darm

Einfluss von Darmgesundheit auf Corona: Welchen Zusammenhang gibt es?

Eine Studie kommt zu dem Schluss: Eine schlechte Darmgesundheit fördert einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19. Der Autor liefert Ideen für eine Therapie.

  • Neben dem Befall der Lunge, haben viele Patient:innen einer Corona-Erkrankung auch Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt.
  • Eine Studie kommt nun zu dem Ergebnis: Eine schlechte Darmgesundheit fördert einen schwereren Krankheitsverlauf. Es könnte Aufschluss darauf geben, wieso Industrienationen besonders schwer getroffen werden.
  • Der Studien-Autor schließt mit einem Behandlungs-Vorschlag.

Seoul - Die Symptome einer Corona-Erkrankung können sehr unterschiedlich sein. In den meisten Fällen stehen zwar respiratorische Symptome im Vordergrund, doch häufig kommt es auch zu einer Erkrankung des Magen-Darm-Trakts. Zeichen dafür können Erbrechen, Übelkeit oder auch Durchfall sein. Ist der Magen-Darm-Trakt befallen, erhöht das auch den Schweregrad der Erkrankung, wie die American Society for Microbiology bereits mitteilte. Dieser Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Schweregrad einer Corona-Erkrankung ist immer wieder Thema wissenschaftlicher Studien.

Corona: Das Virus hat besonders am Darm Andockmöglichkeiten

So ist der Darm für den Menschen ein wichtiger Teil des Immunsystems, in dem Billionen nützliche Bakterien leben, die die Abwehrkraft stärken. Die zentrale Aufgabe des darm-assoziierten Immunsystems ist es, krankmachende Erreger abzuwehren. Kommt es aber nun zu einer „Fehlbesiedlung“, auch „Dysbiose“ genannt, entsteht ein Ungleichgewicht unter den Bakterien.

Ursachen dafür können beispielsweise Alkoholkonsum, Medikamente wie Antibiotika und Cortison oder Fehlernährung sein. Sie drängen die nützlichen Bakterien zurück und machen den Körper anfälliger für Krankheiten. Die Darmschleimhaut kann dann dünn bis durchlässig werden und so scheinbar auch für das Coronavirus eine geeignete Andockstelle sein. Ein Team des Universitätsklinikums Erlangen fand beispielsweise gemeinsam mit Kolleg:innen der Charité in Berlin heraus, dass sich die Andockstellen des Coronavirus in besonders hoher Dichte auf der Darmoberfläche befinden.

Corona: Studie untersucht Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Krankheitsverlauf

Inwiefern eine schlechte Darmgesundheit aber nun auch einen schwereren Covid-19-Verlauf bedingt, untersucht der Mikrobiologe Dr. Heenam Stanley Kim von der Universität Korea in Seoul in einem Review im Journal mBIO der American Society for Microbiology. „Eine Dysbiose und der damit einhergehende undichte Darm könnten die Schwere der Infektion verschlimmern, weil das Coronavirus an die Oberfläche des Darmepithels und in besonders ernsten Fällen durch den Blutstrom zu den inneren Organen gelangen kann“, so Kim. Er führt auf, dass die Diversität der Darmmikrobiota bei einer Corona-Erkrankung insbesondere um die nützlichen Bakterien reduziert ist. Darunter unter anderen eben jene Arten, die einen Beitrag zur Darmbarriere leisten.

Corona: Schlechte Darmgesundheit besonders in Industrieländern gegeben - sind diese Länder deswegen besonders betroffen?

Für diese Beobachtung sprechen insbesondere auch Befunde aus Industrieländern wie Amerika oder Nationen in Westeuropa. Deren Einwohner:innen ernährten sich oftmals von stark verarbeiteten Lebensmitteln. Kim dazu: „Ein Hauptmerkmal der westlichen Ernährungsweise ist der geringe Anteil an Ballaststoffen.“

Diese Ernährungsweise ist eine der Hauptursachen für ein schlechtes Darmmikrobiom und kann so möglicherweise auch ein Grund sein, weswegen diese Länder besonders stark von der Pandemie betroffen sind. Er betont: „Es scheint einen klaren Zusammenhang zwischen dem veränderten Darmmikrobiom und schwerer COVID-19 zu geben“. Eine Infektion mit dem Coronavirus könne aber auch ihrerseits Veränderungen in der Darmflora bedingen, so Kim. Studien hätten in Darmproben von Infizierten eine geringere Bakterienvielfalt nützlicher Art nachgewiesen.

Corona-Darm-Studie bietet Ansatz für Therapie-Möglichkeiten

Die Erkenntnisse der Studie bieten für Dr. Heenam Stanley Kim aber auch eine Möglichkeit, gezielte Behandlungs-Maßnahmen zu ergreifen. Seine Idee: „Eine fäkale Mikrobiota-Transplantation, Probiotika der nächsten Generation, die sich auf Butyrat-produzierende Darmmikroben konzentrieren, oder einfach eine Erhöhung der täglichen Aufnahme von Ballaststoffen könnten zur Verbesserung der Darmgesundheit von Covid-19-Patient:innen in Betracht gezogen werden“. Sprich: Es könnte helfen, einem schwerstkranken Patienten oder einer schwerstkranken Patientin eine Stuhlprobe einer gesunden Darmflora zu übertragen. Weitere Studien müssen den Zusammenhang zwischen Corona-Verlauf und Darmgesundheit allerdings noch beweisen. Bis dahin hilft es schon einmal, selbst eine gesunde Lebensweise anzustreben.

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