Eine medizinische Mitarbeiterin zieht in einem dänischen Impfzentrum eine Dosis Impfstoff in eine Spritze auf.
+
Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums in Bronderslev präpariert eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff.

Weitere Lockerungen geplant

Corona-Erfolg in Nachbarland: Hohe Inzidenz, aber kaum Tote - Lehren für Deutschland?

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
    schließen

Während die Neuinfektionen europaweit ansteigen, blickt Dänemark den Entwicklungen der Corona-Pandemie recht entspannt entgegen - und plant weitere Lockerungen.

Kopenhagen - Die Delta-Variante des Coronavirus ist bereits seit längerer Zeit in Europa auf dem Vormarsch und könnte trotz derzeit vergleichsweise niedriger Neuinfektionszahlen vielerorts für eine neue Welle der Pandemie sorgen. Während Deutschland sich schon jetzt gegen eine mögliche Verschärfung der Infektionslage im Herbst ausrichtet und eine generelle Testpflicht für nicht geimpfte Reiserückkehrer beschlossen hat, zeigt sich vor allem ein deutsches Nachbarland zuversichtlich im Kampf gegen das Virus.

Coronavirus in Dänemark: Positive Stimmung trotz hoher Inzidenz

In Dänemark wird zwar auch seit Wochen eine steigende Anzahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert, jedoch zeigt sich mit Blick auf die Intensivstationen des Landes ein gänzlich anderes Bild. Am Freitag registriert die US-amerikanische Johns Hopkins Universität landesweit 1085 Neuinfektionen. Noch einen Monat zuvor wurden lediglich 340 Fälle innerhalb eines Tages registriert. Die 7-Tage-Inzidenz steigt somit auf einen Wert von 97. Zum Vergleich: In Deutschland lag die Inzidenz am Samstag bei 16,9.

Doch trotz deutlich steigender Fallzahlen ist die Lage auf den Intensivstationen ruhig. Wie das Gesundheitsministerium von Dänemark vermeldet, befinden sich momentan landesweit gerade einmal 57 Personen wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus. Davon müssen wiederum nur zehn Personen auf der Intensivstation behandelt werden – fünf Patienten werden künstlich beatmet. Hinzu kommt eine weiterhin sehr niedrige Anzahl von tödlichen Covid-Verläufen in Dänemark. Bereits seit März befindet sich der 7-Tages-Mittelwert auf einem konstant niedrigen Niveau und liegt aktuell bei 1.

Coronavirus in Dänemark: Erfolge bei der Impfkampagne als Schlüssel?

Der Grund für die vergleichsweise entspannte Lage in Dänemark dürfte neben der Tatsache, dass das Land eher dünn besiedelt ist, auch die Impfkampagne der Regierung sein, die beachtliche Erfolge einfahren konnte. 60 Prozent der über 16-Jährigen sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits vollständig geimpft. Über 72 Prozent haben nach dem Statistikportal Our World in Data mindestens eine Impfung erhalten. In beiden Fällen liegt Dänemark vor Deutschland, wo 61 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten haben.

Eine Entwarnung stellen diese Quoten für Dänemark jedoch noch nicht dar. „Wir müssen sicherstellen, dass 85 Prozent der Bevölkerung vor dem Herbst vollständig gegen Corona geimpft sind“, mahnt der Epidemiologe Viggo Andreasen von der Universität Roskilde gegenüber dem Portal The Local. „Es kann keine vollständige Herdenimmunität gegen die Delta-Variante geben - sie ist so ansteckend. Aber wir werden in der Lage sein, größere Epidemien zu verhindern“, prognostiziert der Wissenschaftler beim Erreichen der geforderten Impfquote.

Coronavirus in Dänemark: Trotz steigender Inzidenz - Maskenpflicht soll endgültig fallen

Die dänische Regierung plant derweil weitere Lockerungen für die kommenden Monate. Nachdem Dänemark wie ein Großteil der europäischen Länder im vergangenen Winter in einen Lockdown gegangen war, zählte das Land zu den ersten Nationen, welches die Beschränkungen wieder aufgehoben hatte. Trotz Delta-Variante will die Regierung nun weiter lockern. Die Maskenpflicht, die ohnehin nur noch im ÖPNV gilt, soll im September abgeschafft werden. Im Oktober soll dann der Nachweis im Sinne der 3G-Regel (geimpft, getestet, genesen) für Restaurants, Kinos und Theater wegfallen - vorausgesetzt die Lage in Dänemark bleibt weiterhin vergleichsweise entspannt. (fd)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare