„Das Feuer wütet“

Delta-Zahlen explodieren in Tokio - Schuld offenbar nicht bei Olympia

  • Martina Lippl
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In Japan steigen die Corona-Infektionen ungebremst - ausgerechnet während Olympia. Noch nie gab es so viele Fälle seit Beginn der Pandemie.

Tokio - Schon vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio verzeichnete die japanische Regierung einen rasanten Anstieg bei den Corona-Fällen. Der vierte Gesundheitsnotstand wurde für die Hauptstadt Tokio ausgerufen. Die Delta-Variante hatte eine fünfte Infektionswelle ausgelöst. Und so starteten die Wettbewerbe erstmals in der Geschichte der Olympische Spiele ohne Zuschauer.

Abgeschirmt von Zuschauern kämpfen jetzt Athleten aus aller Welt um olympische Medaillen. Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen wurden mehrere Sportlerinnen und Sportler positiv auf Corona getestet. Die Zahl der Infektionen unter den olympischen Gästen ist jedoch relativ gering. Tokio meldet derweil weiterhin Rekordwerte - sie betreffen zumeist Japaner.

Olympia: Japan weitet Corona-Notstand aus

Über 4000 Corona-Fälle pro Tag wurden inzwischen in Tokio vermeldet. So viele wie nie zuvor. Im Januar war der höchste Wert mit 2520 Fällen verzeichnet worden. Nun zieht die japanische Regierung erneut die Notbremse.

Eine Woche nach Olympia-Beginn hat Japan den Notstand für Tokio und Okinawa bis zum 31. August verlängert. Zudem wurde der Gesundheitsnotstand auf vier weitere Präfekturen ausgeweitet.

Der Gesundheitsnotstand in Japan ist weniger streng als in anderen Ländern. Ausgangsbeschränkungen gibt es keine. Bars und Restaurants dürfen keinen Alkohol mehr ausschenken und müssen um 20 Uhr schließen. Bei Veranstaltungen wird die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen beschränkt.

Corona-Fallzahlen in Japan explodieren, wie auf der Grafik Our World in Data zu erkennen ist.

Corona in Japan: Olympische Spiele ein Risikofaktor?

Die Regierung fordert die Bürger immer wieder auf, zu Hause zu bleiben und sich die Olympischen Spiele im Fernsehen anzuschauen. Viele Bürger sind es leid, dass der Notstand immer wieder verlängert wird, berichtet tageschau.de. Und: Die Olympischen Spiele und der Erfolg der japanischen Sportler und Sportlerinnen haben die viele Japaner in Bewegung versetzt.

Das olympische Feuer und das neue Olympia-Stadion ziehen täglich viele Menschen an, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Erinnerungsfotos würden dort geknipst.

Kritiker beklagen, dass die in Japan auf allen TV-Kanälen pausenlos übertragenen Spiele, bei denen die japanischen Athleten große Erfolge einfahren, dazu beitrügen, dass jüngere Japaner das Coronavirus nicht mehr so ernst nehmen. Fachleute halten laut FAZ diese indirekten Wirkungen für das größte Corona-Risiko der Olympischen Spiele.

IOC-Präsident Thomas Bach sieht die Spiele allerdings nicht als Pandemietreiber - im Gegenteil. „Mit Verlaub, es ist sehr, sehr weit hergeholt, eine Corona-Infektionszahl damit zu erklären, dass die Leute so begeistert sind, dass sie dafür eine Infektion in Kauf nehmen“, sagte das Oberhaupt des Internationalen Olympischen Komitees, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Corona-Krise in Japan: „Das Feuer wütet“

„Das Feuer wütet“, sagte Shigeru Omi, ein hochrangiger Berater der japanischen Regierung: „Wir müssen uns darauf konzentrieren, es so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen.“ Japan stehe vor der „größten Krise“ der Pandemie, ergänzte der ehemalige Beamte der Weltgesundheitsorganisation (WHO). (ml)

Rubriklistenbild: © kyodo/dpa

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