Neue Folge des „Coronavirus-Updates“

Delta-Variante in Deutschland: Drosten sieht gute Ausgangslage - „Wir müssen einfach schnell impfen“

  • Patrick Huljina
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Der Virologe Christian Drosten sieht Deutschland mit Blick auf die Ausbreitung der Delta-Variante in einer guten Ausgangslage. Er setzt auf die Corona-Impfung.

Berlin - Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken weiter. Am Mittwoch (23. Juni) lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei 7,2. Doch die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus bereitet Sorgen. Mehrere Bundesländer meldeten zuletzt einen spürbaren Anstieg des Anteils der Variante an den Neuinfektionen, in Hessen macht sie laut Angaben von Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) bereits mehr als ein Fünftel der Neuansteckungen aus. Am Mittwochabend werden neue Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Ausbreitung der Mutation erwartet.

Delta-Variante: Drosten sieht Deutschland in guter Ausgangslage

Zuletzt lag der Anteil der Delta-Variante in Deutschland in einer Zufallsstichprobe bei rund sechs Prozent (Woche vom 31. Mai bis 6. Juni). Das war eine Zunahme im Vergleich zu den Wochen davor, der Trend bei der absoluten Zahl der Nachweise ist jedoch rückläufig. Für den neuen Virusvariantenbericht des RKI ist damit zu rechnen, dass sich die Delta-Variante in vielen Teilen Deutschlands weiter ausgebreitet hat - wenn auch auf insgesamt niedrigem Niveau.

In England ist Delta längst die dominierende Variante. Die Infektionszahlen sind dort zuletzt wieder deutlich angestiegen, geplante Lockerungen mussten verschoben werden. Der Virologe Christian Drosten sieht Deutschland allerdings in einer besseren Ausgangslage. Das erklärte er in der neuen Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“. Die Ausbreitung der Delta-Variante in England habe sich ausgehend von einer Sieben-Tage-Inzidenz von 25 entwickelt. „Man hatte nicht so weit runtergebremst, wie wir das jetzt in Deutschland schon gemacht haben“, erklärte Drosten.

Delta-Variante in Deutschland: Drosten appelliert - „Wir müssen einfach schnell impfen“

Zudem verwies der Charité-Virologe darauf, dass es nach Deutschland wohl keine so hohe Zahl an unabhängigen Eintragungen der Corona-Variante - etwa direkt aus Indien - gegeben habe. „Deswegen kann es auch sein, dass sich das bei uns nicht so einstellt“, prognostizierte Drosten. Ein weiterer großer Vorteil sei, dass hierzulande die Sommerferien bevorstehen. Möglicherweise sei sogar eine Ruhephase erreichbar, „bei der es uns erst einmal relativ egal sein kann, ob das Delta-Virus da ist oder nicht“. Dies dürfe man dann allerdings nicht als selbstverständlich betrachten: „Dann müssen wir aber wissen, geht es natürlich zum Herbst los, wenn wir nicht genügend geimpft haben.“

Virologe Christian Drosten sieht Deutschland mit Blick auf die Delta-Variante in einer guten Ausgangslage.

„Wir müssen einfach schnell impfen“, lautete daher Drostens Appell. Optimal wäre es laut dem Virologen, wenn sich alle Erwachsenen vollständig gegen das Coronavirus impfen ließen. Das sei in der Praxis jedoch nicht erreichbar, räumte er ein. Wichtig sei es, das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Corona-Impfung in der Bevölkerung zu stärken. „Das ist wirklich das, was wir jetzt machen müssen“, so Drosten.

Delta-Variante in Deutschland: Infizierte wohl mit höherer Viruslast - Impfschutz gleichwertig

Der Experte wollte sich in der neuen Podcast-Folge nicht festlegen, ob es durch die Delta-Variante bereits im Sommer oder Herbst zu einer Trendumkehr beim Infektionsgeschehen kommen könnte. Allerdings wäre es laut Drosten ein „sehr schlechtes Signal“, wenn sich in den neuen RKI-Daten eine Verdopplung des Anteils der Delta-Variante im Wochentakt zeigen sollte. Die Werte beziehen sich stets auf einen Zeitpunkt vor zwei Wochen. Im Nachhinein sei das nicht mehr kontrollierbar. Daher drohe eine weitere Verdopplung in der Folgewoche, so Drosten. „Wenn das so wäre, dann müssen wir uns eben darauf einstellen, dass andere Effekte so laufen wie sie in England nun mal gelaufen sind mit der Delta-Variante.“

Der Virologe der Berliner Charité berichtete zudem von eigenen Labordaten. Demnach gebe es erste Hinweise darauf, dass mit der Delta-Variante Infizierte eine noch höhere Viruslast haben als Infizierte mit der Alpha-Variante (B.1.1.7). Zudem gebe es Signale, dass die Verläufe bei der Delta-Variante schwerer seien, erklärte Drosten weiter. Auch der Schutz durch die Erstimpfung gelte als schwächer. Der Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf für vollständig Geimpfte sei im Vergleich zur Alpha-Variante allerdings gleichwertig, versicherte der Experte. (ph/dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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