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Delta-Sorge in Großbritannien: Neuinfektions-Zahlen in schwindelnder Höhe - trotz Impf-Erfolgen

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Von: Kathrin Reikowski

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Großbritanniens Premierminister Johnson blickt durch ein Mikroskop
Boris Johnson, Großbritanniens Premierminister, besuchte das Nationalen Institut für Biologische Standards. Er wird wegen Zögerns in Bezug auf die Delta-Variante kritisiert. © Jeremy Selwyn/Evening Standard/dpa picture alliance

Trotz Lockdown und Impfkampagne: Großbritannien verzeichnet Rekord-Infektionszahlen. Sorgen bereiten auch Zahlen zu Delta-Variante und Impfstoffen.

London - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Großbritannien ist so hoch wie seit Februar nicht mehr. Am Samstag meldeten die Behörden 18.270 neue Fälle, was einen sprunghaften Anstieg von 2400 Fällen im Vergleich zum Vortag bedeutet.

Zuletzt waren am 5. Februar mehr Fälle festgestellt worden, als sich Großbritannien noch am Anfang der Impfkampagne und im Lockdown befand. Auffällig auch: Im Vergleich zum letzten Samstag hat sich die Zahl der Neuinfektionen fast verdoppelt.

Delta-Variante in Großbritannien: Lockerungen um vier Wochen verschoben

Noch vor wenigen Wochen hatte man aus dem europäischen Festland mit Bewunderung auf die Insel geblickt: Die rasch voranschreitende Impfkampagne führte dazu, dass in Großbritannien ein Leben nach der Pandemie scheinbar wieder in greifbare Nähe rückte. Doch das war eben nur scheinbar der Fall. Der monatelange Lockdown und die Impfungen hatten die Zahlen der Neuinfektionen und der Krankenhauspatienten zwar deutlich nach unten gedrückt. Doch dann verbreitete sich die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante im Land. Und die Behörden verschoben die für 21. Juni lange angekündigten und lange ersehnte Aufhebung aller Corona-Maßnahmen um vier Wochen nach hinten.

Jetzt wird weiter aufs Impftempo gedrückt: Bisher haben schon etwa 82 Prozent der Menschen beide Impfdosen erhalten. Den vollen Impfschutz, der mindestens zwei Wochen nach der zweiten Impfung (je nach Impfstoff) erreicht wird, haben bereits 60 Prozent. Doch Sorge bereiten vor allem viele ärmere Viertel, in denen sich die Menschen - wegen Vorbehalten oder anderer Umstände - noch nicht impfen haben lassen. Jetzt kann man sich in Großbritannien ohne Terminvereinbarungen impfen lassen. Das könnte die Lage etwas entspannen.

Ein weiterer Wermutstropfen: Wie die FAZ berichtete, waren von den etwa 120 Verstorbenen, die mit der Delta-Variante infiziert waren, knapp die Hälfte bereits geimpft. Einmal mehr waren vor allem Hochbetagte und Vorerkrankte überproportional stark betroffen.

Delta-Variante in Großbritannien: Kritik an Boris Johnson wegen geplanter Indienreise

Für Empörung hatte gesorgt, dass etwa 2500 Menschen, die zwischen Februar und Mai eingereist waren, positiv auf das Coronavirus getestet wurden - dann aber von den Behörden nicht kontaktiert werden konnten. Sie hatten bei der Einreise falsche oder fehlerhafte Angaben zum Aufenthaltsort gemacht.

Auch Boris Johnson wird vorgeworfen, dass er noch lange nach Bekanntwerden der gefährlichen Delta-Variante eine geplante Indienreise nicht absagte. Erst Ende April stufte man Indien zur „roten Zone“ mit Hotelquarantäne nach Einreise ein. Wenige Stunden zuvor hatte Johnson seine Reise abgesagt - über drei Wochen lang waren laut Redaktionsnetzwerk Deutschland Menschen praktisch ohne strenge Kontrollen eingereist. (dpa/kat)

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