Gutenberg Gesundheitsstudie

Corona-Studie mit überraschendem Ergebnis: Mehr als 42 Prozent wissen nichts von Infektion

  • Julia Hanigk
    VonJulia Hanigk
    schließen

Eine Corona-Studie der Universität Mainz kommt zu dem Ergebnis, dass über 42 Prozent unwissentlich infiziert sind. Kinder seien kein Infektionstreiber.

Mainz - Die Uni Mainz führte eine groß angelegte Covid-Studie durch, in der es unter anderem um die Fragen ging, ob Testen etwas mit dem Alter zu tun hat und welche Rolle Kinder in dem Infektionsgeschehen spielen.

Corona-Studie aus Mainz: Mehr als 42 Prozent der Infizierten ohne Wissen darüber

Eines der überraschenden Ergebnisse der Studie legt nahe, dass mehr als 42 Prozent aller mit dem Coronavirus infizierten Menschen nichts von ihrer Infektion wissen. Dafür hatten die Forscher Infektionen in Mainz und dem angrenzenden Kreis Mainz-Bingen analysiert. Zu zehn Personen, die dort wissentlich infiziert sind, müssten rund acht Personen hinzugerechnet werden, die unwissentlich infiziert sind, sagte der Koordinator der „Gutenberg Gesundheitsstudie“, Philipp Wild. Männer (44,2 Prozent) seien im Vergleich zu Frauen (40,6 Prozent) häufiger unwissentlich mit Sars-CoV-2 infiziert. Das berichtet die dpa. Dadurch bestehe die Gefahr, dass sie den Erreger unbewusst weitergeben - die Pandemie könne sich dadurch weiter ausbreiten.

Corona-Studie aus Mainz: Testverhalten abhängig von sozialem Status und Alter

Das habe auch etwas mit dem sozialen Status der Person zu tun. Wild erklärt gegenüber dem SWR: „Menschen mit einem höheren gesellschaftlichen Status wissen dabei häufiger von ihrer Infektion. Sie führen auch häufiger Tests durch.“ Aber nicht nur das, auch das Alter der Untersuchten macht einen Unterschied. Ältere Menschen seien wesentlich häufiger unwissentlich infiziert. Das zeigt sich auch am Testverhalten: Jüngere Menschen ließen sich deutlich häufiger testen als Personen ab einem Alter von 65 Jahren.

Kinder laut Mainzer Studie kein Corona-Treiber

Auch zu der Rolle von Kindern in der Pandemie gibt die Studie ein Ergebnis. Sie seien demnach kein Infektionstreiber. Wild erklärt die Daten der untersuchten Familien: „Immer wieder wird spekuliert, dass Kinder die Viren stark verteilen. Sie können den Abstand nicht einhalten oder waschen sich nicht so häufig die Hände. Wir sehen aber insgesamt kein höheres Risiko, sich bei Kindern anzustecken.“ Kinder seien auch weniger anfällig für eine Ansteckung - möglicherweise spiele hier auch ein besseres Immunsystem eine Rolle. Viel entscheidender sei die Anzahl der Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben.

Corona-Studie in Bezug auf Oktober 2020

An der Studie haben von Oktober 2020 bis Ende Juni 2021 rund 10.520 Menschen im Alter von 25 bis 88 Jahren aus Mainz und dem Kreis Mainz-Bingen teilgenommen. Für diese Region seien die Ergebnisse repräsentativ. Die Studie, die bisher nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht wurde, baut auf der bereits 2007 begonnenen Gutenberg-Gesundheitsstudie mit 15.000 Menschen auf. Basis waren PCR- und Antikörper-Tests sowie selbstberichtete oder im Studienzentrum nach WHO-Standard gemachte Tests. Bei den Antikörper-Messungen auf Corona-Infektionen habe sich die Nutzung eines Tests als nicht ausreichend erwiesen, sagte Wild. „Der Großteil hatte nicht beide Antikörper, sondern nur einen.“ So seien durch die Verwendung eines weiteren Antikörpertests rund 23 Prozent zusätzliche Proben als positiv identifiziert worden.

Rubriklistenbild: © Zacharie Scheurer/picture-alliance

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare