Dritte Welle der Pandemie

Corona: „Die Impfungen scheinen zu wirken“ - Intensivmediziner warnt dennoch vor kommenden Wochen

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Mediziner verzeichnen auf den Intensivstationen eine positive Entwicklung - weniger Patienten über 80. Doch die nächsten Wochen könnten kritischer werden - diesmal für eine andere Altersgruppe.

Aachen - Die Corona-Infektionszahlen steigen aktuell bundesweit wieder. Am Mittwoch (24. März) meldete das RKI fast 16.000 neue Fälle. Doch in den Krankenhäusern zeichnet sich scheinbar auch ein positiver Trend ab. Dennoch kein Grund zur Freude?

Corona: Die Impfungen wirken: Weniger Intensivpatienten über 80 - die Bettenbelegung steigt dennoch

„Mit anderen Worten: Die Impfungen scheinen wirklich zu wirken“, so drückt es Gernot Marx, Intensivmediziner am Klinikum Aachen, im Interview mit dem deutschlandfunk aus. Eine gute Nachricht. Denn, „was wir wirklich deutlich sehen ist, dass wir jetzt sehr wenig Patienten über 80 in unseren Notfallaufnahmen sehen“, so der Mediziner. Ein erster Lichtblick, den auch Mediziner in Nürnberg feststellten.

Gleichzeitig wird der Intensivmediziner aber deutlich: „Wir hatten in den letzten sieben Tagen jeden Tag Aufnahmen von Patienten mit Covid-19.“ Zwar seien erst elf Intensivbetten im Aachener Klinikum belegt, doch die steigende Zahl an Corona-Patienten und die Kapazitäten, die bereits in der zweiten Welle immer wieder betont wurden, müssen mit einberechnet werden. „Salopp gesagt: Es geht wieder los“, so Marx.

Corona: Das Alter der Infizierten sinkt - „Es betrifft wirklich quasi jetzt jeden“

Nicht nur auf den Intensivstationen wird die Wirkung der Impfungen deutlich. Ein Unterschied zur zweiten Welle: Das Alter der Infizierten. „Wir sehen jetzt ja auch, dass vermehrt jüngere Menschen unter 30 infiziert sind. Wir sehen ja sogar auch Ausbrüche in Kitas. Das haben wir eigentlich in der ersten und zweiten Welle fast gar nicht gesehen“, so der Intensivmediziner. „Es betrifft wirklich quasi jetzt jeden.“ Dabei gäbe es bei jüngeren Menschen laut dem Mediziner „Gott sei Dank“ weiterhin wesentlich seltener schwere Verläufe zu beobachten.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation mit der Mutante B 1.1.7 entwickelt. Die Daten aus anderen Ländern deuten laut dem Mediziner auf schwerere Verläufe in verschiedenen Altersklassen hin. Das müsse sich erst zeigen. Das Alter wäre zwar allgemein ein wichtiger Faktor beim Verlauf von Krankheiten und in der Intensivmedizin, „aber dennoch sehen wir auch bei über 40-Jährigen und über 50-Jährigen sehr schwere langwierige Verläufe mit Organausfall“, so der Mediziner zu den Corona-Infektionen. Es gibt eben doch nie eine Garantie.

Corona: Keine Lockerungen aus Sicht des Arztes - Mediziner sieht Grenzen - „Es ist schwierig“

Eines steht aus Sicht des Mediziners fest: Lockdown statt Lockerungen. Härtere Maßnahmen, wie sie nun zunächst über Ostern beschlossen wurden, wären wichtig. „Ich glaube, es ist die einzige Möglichkeit, die dritte Welle zu durchbrechen, Neuinfektionszahlen zu reduzieren und auch Zeit für Impferfolge zu ermöglichen“, so Marx. Die dritte Welle starte auf einem höheren Ausgangsniveau als die zweite.

Allerdings macht Marx auch klar: Es ist nicht einfach. „Ich weiß, offen gestanden, auch persönlich, alle sind wir ja sehr angestrengt und es ist schwierig, diese Ausdauer zu fordern.“ Er wäre selbst auch nicht nur Intensivmediziner. Dass es gerade nicht leicht ist, all die Maßnahmen umzusetzen, „ist uns wohl bewusst.“ (chd)

Rubriklistenbild: © Jürgen Heinrich/Imago

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