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RKI-Chef präsentiert intern neue Corona-Daten - Minister ändern Kurs bei Impfzentren

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
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Die Corona-Inzidenz sinkt seit Wochen. Doch die Sorge wegen der Delta-Variante wächst. Wirkt der Astrazeneca-Impstoff gegen die Mutation? Der News-Ticker.

  • Die Corona-Pandemie* in Deutschland flacht weiter ab. Die 7-Tage-Inzidenz sinkt laut RKI auf 5,6.
  • Wegen der Delta-Variante* fordert Lauterbach von der Ständigen Impfkommission (Stiko) die Empfehlung für die Corona-Impfungen von Kindern zu überdenken (siehe Erstmeldung).
  • Die Zahl der in Deutschland geimpften Personen steigt weiter an. Die Impfzentren sollen ab Herbst zurückgefahren werden. (siehe Update vom 28. Juni, 20.23 Uhr).
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 29. Juni finden Sie hier.

Update vom 28. Juni, 20.23 Uhr: Die Gesundheitsminister wollen im Herbst die Impfzentren in Deutschland zurückfahren. Auch über den 30. September hinaus setze man bei der Eindämmung der Corona-Pandemie auf staatliche oder kommunale Impfangebote. Der Schwerpunkt dabei solle zunehmend aber auf mobilen Impfteams liegen, heißt es in einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom Montagabend. 

Die Länder könnten dabei selbst über die künftige Infrastruktur des Impfangebots entscheiden. Im Bedarfsfall sollen die Impfzentren in jedem Fall aber auch schnell wieder aktiviert werden können. Der bayerische Gesundheitsminister und Chef der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek (CSU), sagte: „Wir kommen bald in eine Situation, in der der Großteil der impfwilligen Erwachsenen vollständig gegen Corona geimpft sein wird. Auf dem Weg dahin waren die Impfzentren eine tragende Säule der nationalen Impfstrategie.“

Update vom 28. Juni, 19.10 Uhr: Australien, Israel, Großbritannien, Portugal… die Liste der Länder, die gerade mit der erstmals in Indien entdeckten Delta-Variante* des Coronavirus kämpfen, ist lang. Immer mehr breitet sich die hoch-ansteckende Mutation auch in Deutschland aus. Mittlerweile mache sie einen Anteil von mindestens 35 Prozent an untersuchten Proben aus - das sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler nach Informationen der dpa in einer Schalte der Gesundheitsminister von Bund und Ländern.

Da die Daten bereits einige Tage alt seien, sei der Anteil derzeit tatsächlich sogar auf rund 50 Prozent zu schätzen. Offiziell veröffentlicht das RKI die neuen Angaben zu den Virusvarianten-Anteilen stets am Mittwochabend.

Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts verkündet beunruhigende Zahlen.

Delta-Variante greift um sich: Gefährlich, trotz sinkender 7-Tage-Inzidenz

Wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr hatte RKI*-Chef Wieler bereits in der letzten Woche einen steigenden Delta-Anteil vorhergesagt. Dass die bundesweite 7-Tage-Inzidenz* rückläufig ist, erklärten Experten zuletzt mit dem deutlichen Rückgang der Fallzahlen durch die bisher vorherrschende Alpha-Variante. Laut Experten infizieren sich aktuell vor allem Menschen unter 60 Jahren mit der Delta-Variante.

Corona: Studie sieht neue Chancen für Astrazeneca - bei besonders langen Impfabständen

Update vom 28. Juni, 18.01 Uhr: Eine neue Studie der Universität Oxford hat die Wirksamkeit von Astrazeneca untersucht. Dem am Montag veröffentlichten Bericht zufolge kann ein Zeitabstand von mehreren Monaten zwischen der ersten und zweiten Dosis den Impfschutz von Astrazeneca* verstärken. Wenn bis zu 45 Wochen zwischen Erst- und Zweitimpfung liegen, sei die Immunreaktion deutlich stärker.

Auch eine im Abstand von sechs Monaten verabreichte dritte Dosis soll helfen. Sie könne ebenfalls einen „erheblichen Anstieg“ an Antikörpern fördern. Gegen Virusvarianten könnte sich der Schutz damit verbessern. Die Studie ist vorveröffentlicht und muss von anderen Forschern nun begutachtet werden.

Corona in Deutschland: Vorerst keine zusätzlichen Quarantäne-Regeln für Reise-Rückkehrer

Update vom 28. Juni, 17.35 Uhr: Es wird in Deutschland vorerst keine schärferen Corona-Regeln für Reisende geben. Rückkehrer reisen laut dpa-Informationen wie gehabt ein und können nach einem negativen Corona-Test auf die zweiwöchige Quarantäne verzichten. Bund und Länder berieten sich zum Thema neuer Urlaubsregeln am Montag in Berlin. Die geltende Einreiseverordnung wird also trotz aller Spekulationen nicht kurzfristig geändert. Mehrere Ministerpräsidenten hatten schärfere Bestimmungen gefordert, um eine erneute Verschärfung der Corona-Lage und eine Ausbreitung der Delta-Variante zu verhindern.

Gegen die Delta-Variante des Coronavirus gilt eine vollständige Impfung als nötig - derzeit verfügt lediglich 35,4 Prozent der Bevölkerung über diesen Schutz.

Update vom 28. Juni, 13.10 Uhr: Das Coronavirus bestimmt das Leben vieler Menschen weltweit noch immer, denn obwohl die Infektionszahlen vielerorts sinken, mahnen Experten zu Vorsicht. In Deutschland sinkt die für viele Experten und die Politik wichtige Inzidenz seit Wochen. Mittlerweile hat sogar rund jeder zehnte Landkreis in Deutschland nach RKI-Angaben in den vergangenen sieben Tagen keinen einzigen Corona-Fall verzeichnet.

Demnach lag die 7-Tage-Inzidenz in 40 von 412 erfassten Kreisen und kreisfreien Städten bei 0. In weiteren 45 Kreisen gab es jeweils nur einen Fall. Zu bedenken ist, dass es zu Nachmeldungen kommen kann.

In knapp 50 Kreisen lag die Inzidenz noch höher als 10, Schlusslicht ist der Landkreis Lichtenfels in Bayern mit 46,4. Bei den Bundesländern ist die Inzidenz in Sachsen-Anhalt an niedrigsten (1,9), in Hamburg am höchsten (10,0). Die bundesweite Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche - gab das RKI am Montag mit 5,6 an.

Corona in Deutschland: Zahl der geimpften Personen steigt weiter an

Update vom 28. Juni, 11.50 Uhr: Mehr als 35 Prozent der Menschen in Deutschland sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Montag hervor. Rund 44,6 Millionen Menschen (53,6 Prozent) haben mindestens eine Impfung bekommen, 29,4 Millionen Menschen (35,4 Prozent) sind vollständig geimpft. Allein am Sonntag wurden 275.827 Impfdosen verabreicht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schrieb auf Twitter, damit sei das für Juni gesetzte Ziel, in Deutschland mindestens jeden Zweiten einmalig und mindestens jeden Dritten vollständig geimpft zu haben, übertroffen worden.

Update vom 28. Juni, 8.26 Uhr: Die Delta-Variante breitet sich weiter in Deutschland aus. „Wir werden im Juli die 50 Prozent Marke überschreiten“, sagt Prof. Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie im ZDF- „Morgenmagazin“. Allerdings sei die Inzidenz gerade sehr niedrig, alles spiele sich auf einem sehr niedrigen Niveau ab.

Im Moment den Impfabstand zu verkürzen, davon riet Immunologe Watzl ab. Es sei noch nicht genügend Impfstoff da. Er plädiert dafür, die empfohlenen Abstände beizubehalten und möglichst viele Erstimpfungen zu verabreichen. „Wenn wir mit dem Tempo weitermachen, sind wir im September durch“, betont Watzl. Bei einer größeren Impfstoffmenge sei das natürlich schon früher der Fall. „Bis dahin muss es uns gelingen, dass die Delta-Varianten-Ausbreitung in Deutschland niedrig bliebt.“

Corona in Deutschland: Im Herbst ist mit Ausbrüchen in Schulen zu rechnen

Watzl geht davon aus, dass sich die Delta-Variante im Herbst ausbreiten wird und es in Schulen zu Ausbrüchen und Infektionen kommen wird. Diese Ausbrüche könne man durch die Impfung kontrollieren oder durch andere Lüftungskonzepte. Sein Rat: Jeder sollte sich überlegen seine Kinder impfen zu lassen.

Für Ältere wird es wahrscheinlich eine Auffrischungsimpfung im September geben. „Wir wissen, dass bei den Älteren die Impfung nicht so gut wirkt, wie bei den Jüngeren“, erklärt der Immunologe Watzl. Die Älteren seien auch recht früh geimpft worden. Er geht von einer dritten Impfung im Herbst aus.

Angst vor Delta-Variante: Kritik an zu lascher Corona-Einreiseverordnung

Update vom 28. Juni, 7.31 Uhr: Die Angst vor der Delta-Variante wächst. Es hagelt Kritik an der geltenden Corona-Einreiseverordnung. Derzeit reicht ein einfacher Antigen-Test bei der Einreise aus Risikogebieten aus, um eine Quarantäne zu vermeiden.

„Das ist zu unsicher“, kritisierte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in der Welt. Alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten sollten seiner Auffassung nach grundsätzlich in Quarantäne gehen, die frühestens nach fünf Tagen bei einem negativen PCR-Test* aufgehoben werden dürfe. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte eine zweifache Testpflicht für alle Rückkehrer, die nicht voll geimpft sind. 

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte am Sonntag verlangt, dass Urlauber an den Grenzen engmaschig auf Impfausweise und negative Corona-Tests kontrolliert werden. Berlins Regierungschef Müller forderte gestern Abend im ZDF, die Kontrollen der Tests zu verschärfen.  „Diese Stichproben reichen nicht, die im Moment von der Bundespolizei umgesetzt werden“, so Müller.

Corona in Deutschland: RKI meldet 7-Tage-Inzidenz von 5,6

Erstmeldung vom 28. Juni 2021: Berlin - Das Robert-Koch-Institut* (RKI) meldet 219 Corona-Neuinfektionen (Vortag: 538 Corona-Neuinfektionen) und acht weitere Todesfälle. Die 7-Tage-Inzidenz* liegt bundesweit bei 5,6, wie aus den RKI-Daten am Montagfrüh hervorgeht (Vortag: 5,7; Vorwoche: 8,6).

Corona in Deutschland: Erstes Bundesland wieder bei 10er-Inzidenz

Hamburg weist aktuell eine 7-Tage-Inzidenz von 10 auf. In den vergangenen 24 Stunden wurden laut RKI 35 neue Corona-Fälle gemeldet. Alle anderen Bundesländer liegen unter der 10er-Grenze.

Der 7-Tage-R-Wert* liegt nach dem aktuellen RKI-Lagebericht von Sonntagabend bei 0,82 (Vortag: ebenfalls 0,82). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 82 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht einmal täglich die Fallzahlen zum neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2).

Corona in Deutschland: Die Corona-Fallzahlen laut RKI (Stand: 28. Juni 2021)

  • 3.726.929 Menschen in Deutschland haben sich seit Beginn der Pandemie nachweislich mit Corona infiziert.
  • Bislang sind 90.762 Menschen laut RKI an oder mit Corona verstorben.
  • Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.620.800 an.

Lauterbach Stiko soll Empfehlung für Corona-Impfung für Kinder überdenken

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat die Ständige Impfkommission (Stiko) aufgefordert, ihre eingeschränkte Empfehlung für Corona-Impfungen von Kindern zu überdenken.

„In Großbritannien sind bereits viele Kinder mit Covid in der Klinik. Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante* gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post.

Die Stiko empfiehlt die Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren nur bei bestimmten Vorerkrankungen, wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen. Allerdings können sich alle Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren nach einer ärztlichen Beratung gegen Corona impfen lassen.

„Die Angaben der Stiko beziehen sich immer auf alte Varianten“, sagte Lauterbach. Eine Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante* sei zu riskant. Auch die Fortsetzung des Wechselunterrichts sei keine Lösung.

Kinder und Jugendliche entwickeln im Allgemeinen weniger schwere Formen von Covid-19 als ältere Menschen. Doch auch sie können sich anstecken und können das Virus weitergeben. Ihre Immunisierung trägt somit zur Eindämmung der Pandemie bei. (ml mit Material der AFP) *Merkur.de und Kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil würde sich freuen, wenn auch Kinder und Jugendliche ein Impf-Angebot* bekommen würden*, wie die Kreiszeitung* berichtet.

Rubriklistenbild: © dpa/Bernd von Jutrczenka

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