Pandemie in Deutschland

RKI-Panne: Neue Corona-Zahlen falsch - deutlich weniger Infektionen, aber mehr als doppelt so viele Tote

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Das RKI hat seine Angaben zu den Corona-Zahlen vom Donnerstagmorgen revidiert. Die Zahl der Neuinfektionen ist deutlich niedriger, die Zahl der Todesfälle mehr als doppelt so hoch.

  • Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt seit ein paar Wochen kontinuierlich an.
  • Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble fordert Corona*-Einschränkungen nur für Nicht-Geimpfte.
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zieht die Inzident als Hauptrichtwert in Zweifel.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 29. Juli, 12.10 Uhr: Das RKI hat seine Angaben von Donnerstagmorgen revidiert. Das Institut korrigierte die Zahl der Neuinfektionen von 3520 auf 3142 nach unten - also um rund 400 Corona-Fälle. Die Zahl der neuen Todesfälle hat sich hingegen mehr als verdoppelt. Statt der 10 neuen Todesfälle meldet das RKI inzwischen 21 neue Todesfälle.

Corona: Diskussion um sinkende Impf-Bereitschaft – CDU-Politiker Schäuble zeigt sich enttäuscht

Erstmeldung vom 29. Juli: Berlin – Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist in rund drei Wochen auf mehr als das Dreifache gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen lag sie bei 16,0 - am Vortag betrug der Wert 15,0 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 3520 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus den Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.19 Uhr wiedergeben. Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 10 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 42 Todesfälle gewesen.

Währenddessen geht die Diskussion um eine Impfpflicht hoch her. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) forderte Corona-Einschränkungen bald nur noch für Nichtgeimpfte. Die Impfpflicht-Debatte gehe „in die falsche Richtung“, sagte Schäuble gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Dabei sprach er sich für eine Aufhebung von Auflagen nur für Geimpfte aus – um Impf-Unwillige zur Immunisierung zu bewegen.

Der CDU-Politiker zeigte sich enttäuscht über die gesunkene Impfquote. „Ich kann die mangelnde Impfbereitschaft nicht nachvollziehen, das macht mich maßlos traurig“, gab er an. Darin zeige sich „die tiefe Widersprüchlichkeit“ der Gesellschaft. Zu Beginn des Jahres hätten die Menschen es nicht erwarten können. „Und jetzt verzweifeln Hausärzte, weil Impfdosen massenhaft bei ihnen liegen bleiben“, sagte Schäuble.

Corona in Deutschland: Spahn widerspricht RKI-Chef Wieler

In der Debatte um die Inzidenz* als Hauptrichtwert in der Pandemie hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dem Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, nun widersprochen. „Mit steigender Impfrate verliert die Inzidenz an Aussagekraft“, sagte Spahn der Bild-Zeitung. Daher brauche es „zwingend weitere Kennzahlen, um die Lage zu bewerten“, etwa die Zahl der neu aufgenommenen Covid-Patienten im Krankenhaus.

Ganz auf die Inzidenz verzichten will Spahn* jedoch nicht: Bei weitem seien nicht ausreichend Menschen in Deutschland geimpft, „um ganz auf den Blick auf die Inzidenz verzichten zu können“. RKI-Chef Wieler hatte am Montag in einer Bund-Länder-Schalte eine Niedrig-Inzidenz-Strategie gefordert und vor einer vierten Welle gewarnt. (dpa/AFP/aka) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka

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