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Corona: RKI vermeldet Beginn der vierten Welle - eine Altersgruppe besonders im Fokus

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Deutschland impft weiter gegen das Coronavirus, auch über Auffrischungsimpfungen wird diskutiert. Derweil erklärt das RKI die vierte Welle als angekommen. Der News-Ticker.

Update vom 19. August, 21.30 Uhr: In seinem Wochenbericht zur epidemiologischen Lage in Deutschland verkündet das Robert-Koch-Institut (RKI) den Beginn der Vierten Welle. Die Fallzahlen steigen demnach wesentlich früher und schneller als im vergangenen Jahr. Damals wurden vergleichbare Inzidenzen erst im Oktober erreicht.

Die Vierte Welle nehme insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt auf, heißt es im RKI-Wochenbericht weiter. „Es sind vor allem jüngere Altersgruppen von Infektionen betroffen. In diesen Altersgruppen sind auch die Positivenanteile mit Abstand am höchsten.“ Die Gesundheitsämter können laut RKI nicht mehr alle Infektionsketten nachvollziehen. Auch, weil der Anteil der Fälle mit einer wahrscheinlichen Infektion im Ausland bei knapp einem Viertel aller gemeldeten Fälle mit Angaben zum Infektionsland liegt. Die meisten Infektionen kommen derzeit aus der Türkei.

Corona: Inzidenz-Trend geht weiter - Impfstoff-Studie mit überraschendem Ergebnis zur Wirksamkeit

Update vom 19. August, 15.50 Uhr: Experten und Politiker setzten ihre Hoffnungen aktuell auf die Corona-Impfungen, schließlich sinkt die Wahrscheinlichkeit, sich nach einer Impfung mit dem tückischen Virus zu infizieren. Doch mittlerweile ist klar: Eine Auffrischung der Impfung wird nach einem bestimmten Zeitraum notwendig. Und: Die Wirksamkeit nimmt bei einem Wirkstoff offenbar schneller ab, als bei einem anderen.

Die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer nimmt laut einer neuen Studie schneller ab als die des Impfstoffs von Astrazeneca*. Zwar hätten zwei Dosen des Biontech-Vakzins anfangs eine höhere Wirksamkeit gegen eine Infektion mit dem Virus, doch gehe diese schneller zurück als bei zwei Dosen Astrazeneca, heißt es in der am Donnerstag von Forschern der Universität Oxford veröffentlichten Studie.

Corona in Deutschland: Studie legt nahe, dass die Biontech-Schutzwirkung schneller abnimmt

Für die Studie untersuchten Forscher Universität von Oxford, die das Astrazeneca-Vakzin mitentwickelt hat, zwischen Dezember 2020 und August 2021 die Proben von mehr als 700.000 Teilnehmern. Ihre Auswertung ergab, dass Betroffene, deren zweite Biontech-Dosis einen Monat zurücklag, bei Infektionen mit hoher Viruslast zu 90 Prozent besser gegen die Delta-Variante geschützt waren als Ungeimpfte. Diese Zahl sank nach zwei Monaten auf 85 Prozent und nach drei Monaten auf 78 Prozent.

Bei zweimal mit dem Astrazeneca-Vakzin Geimpften lag der Schutz nach einem Monat bei 67 Prozent, nach zwei Monaten bei 65 Prozent und nach drei Monaten bei 61 Prozent. Nach vier bis fünf Monaten sei das Schutzniveau der beiden Impfstoffe ähnlich, heißt es in der Studie, die allerdings noch nicht von unabhängigen Experten geprüft wurde.

Diese Zahlen zeigten, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer tatsächlich nachlasse, erklärte einer der Studienautoren, Koen Pouwels. Dagegen könnte der über die Monate geringe Rückgang bei Astrazeneca „dem Zufall geschuldet“ sein. Nun müsse noch die langfristige Wirkung der beiden Vakzine untersucht werden.

Corona in Deutschland: Inzidenz-Trend geht weiter - Drosten äußert klare Meinung zu Auffrischungsimpfung

Ursprungsmeldung vom 19. August 2021: Berlin - Virologe Christan Drosten verbreitet gute Nachrichten für Geimpfte: „Die Schutzwirkung der Corona-Vakzinen ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Für den Großteil der Geimpften ist deshalb seiner Meinung nach im Herbst keine Auffrischungsimpfung nötig. Und noch etwas erfreut: Auch das baldige Aufkommen einer neuen Virusvariante, die gegen die verfügbaren Impfstoffe resistent ist, erwartet Drosten nicht.

Sinnvoll hält Drosten die Auffrischung in den kommenden Monaten bei alten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten. „Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter.“ In Sondersituationen wie Seniorenheimen sei eine Auffrischung daher denkbar. Dies stünde zahlenmäßig kaum im Konflikt mit der internationalen Knappheit von Impfstoff - denn dieser Punkt wird derzeit munter diskutiert: Reiche Länder impfen ihre Bevölkerung teils schon ein drittes Mal, während andere noch gar nichts von den Wirkstoffen abgekommen haben.

Corona in Deutschland: Auffrischungsimpfungen nötig? Einige Länder starten, während andere gar keinen Impfstoff haben

Für die übrige Bevölkerung werde irgendwann vielleicht ein Altersniveau definiert werden, ab dem eine Auffrischungsimpfung sinnvoll werde, so Drosten. „In diesem Herbst kommt es aber darauf an, überhaupt erst einmal die Impflücken bei den über 60 Jährigen zu schließen.“

Virologe Christian Drosten bei einer Veranstaltung
Virologe Drosten glaubt, Auffrischungsimpfung im Herbst sind für die meisten unnötig (Archivbild) © Jörg Carstensen/dpa

Die US-Regierung hatte am Mittwoch angekündigt, die gesamte amerikanische Bevölkerung voraussichtlich ab September mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus versorgen zu wollen. Bürgern sollen rund acht Monate nach Abschluss ihrer ersten beiden Impfungen mit den Präparaten von Moderna oder Biontech*/Pfizer eine dritte Dosis bekommen, wie hochrangige Gesundheitsbeamte mitteilten. Hintergrund seien die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante sowie Datenauswertungen, wonach der Schutz durch die Impfstoffe mit der Zeit abnehme. Auch in weiteren Ländern und vereinzelt auch Deutschland werden für bestimmte Gruppen bereits Auffrischungsimpfungen vorgenommen oder sind geplant.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert dabei solche Pläne für Auffrischimpfungen bei gesunden Menschen. Bislang sei nicht einmal klar, ob sie nötig seien, sagte die Chef-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan am Mittwoch. Der WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan meinte, Menschen eine Auffrischimpfung anzubieten sei so, als gebe man Menschen mit Rettungswesten noch eine weitere Weste dazu, während viele Millionen Menschen ohne jeglichen Schutz bleiben müssten.

Corona-Zahlen am Donnerstag: Sieben-Tage-Inzidenz steigt

In Deutschland steigt die Sieben-Tage-Inzidenz derweil weiter an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts* vom Donnerstagmorgen lag sie bei 44,2 - am Vortag hatte der Wert 40,8 betragen, vor einer Woche 27,6. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 8400 Corona-Neuinfektionen (Stand: 19. August, 3.14 Uhr). Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 22 Todesfälle verzeichnet.

Trotz Corona-Impfung in stationärer Behandlung: Beispielsweise Patienten mit eingeschränkter Immunantwort

Mittlerweile zeigt sich: Die meisten Covid-Kranken in deutschen Kliniken haben nach Angaben eines Intensivmediziners keine Corona-Impfung. Der Kölner Intensivmediziner Christian Karagiannidis sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es gebe aber auch Fälle von geimpften Corona-Patienten in stationärer Behandlung. „Aktuell haben wir in Nordrhein-Westfalen 12 bis 13 Prozent der Covid-Patienten in den Kliniken mit Impfschutz. Diese Quote dürfte auch der bundesweiten Quote entsprechen“, sagte Karagiannidis. Die Mehrzahl werde auf den Normalstationen behandelt, einzelne Fälle gebe es aber auch auf den Intensivstationen.

Bei den stationär behandelten Menschen mit Impfdurchbrüchen handele es sich nach seiner Erfahrung etwa um Patienten mit eingeschränkter Immunantwort, etwa als Folge einer medikamentösen Dämpfung des Immunsystems. Wichtig sei, dass jetzt insbesondere den Patienten, die ein gedämpftes Immunsystem hätten, eine dritte Impfung als Booster angeboten werde, findet er wiederum. Karagiannidis sagte, dass das Divi-Intensivregister künftig auch Angaben über den Impfstatus der Covid-Patienten auf den Intensivstationen erheben und veröffentlichen werde. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). In diesem Register wird unter anderem erfasst, wie viele Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen liegen und wie viele Intensivbetten frei sind. (dpa/cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: picture alliance/dpa | Sven Hoppe

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