SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schreibt den Herbst schon ab.
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schreibt den Herbst schon ab.

Neuer Lockdown nötig?

Lauterbach schreibt Herbst bereits ab: „Fallzahlen steigen zu früh zu stark“

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
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Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind noch auf niedrigem Niveau. Doch die Infektionen steigen. Lauterbach schreibt den Herbst angesichts der Lage schon ab.

Berlin - Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei - leider. Die Corona-Fälle in Deutschland sind zwar niedrig, doch die Zahlen steigen momentan stetig an. Im Vergleich zur Vorwoche verdoppeln sich die Corona-Neuinfektionen. Am Montag schon schnellten die Zahlen in die Höhe: von 324 Corona-Fälle am vergangenen Montag auf 546 Corona-Fälle an diesem Montag. An diesem Dienstag sind es 1.183 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden (Vorwoche: 646).

Lauterbachs düstere Corona-Prognose für den Herbst

Karl Lauterbach (58) sieht diese dynamische Entwicklung mit Sorge. Die Impfquote in Deutschland ist noch zu niedrig, um das Coronavirus vor allem die Delta-Variante zu stoppen. „Die Fallzahlen steigen zu früh so stark. Das Impftempo reicht nicht, sehr hohe Fallzahlen im Herbst noch zu verhindern“, schreibt der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte auf Twitter.

Dazu postet Lauterbach eine Grafik über die Corona-Dynamik der vergangenen Tage in Deutschland. Die Kurve der sogenannten aktiven Corona-Fälle geht steil nach oben. Im Vergleich zur Vorwoche gibt es 60 Prozent mehr Infizierte. Auch die 7-Tage-Fallzahl prescht nach oben. Das ist dann auch bei der 7-Tage-Inzidenz (10,9, Stand: 20. Juli 2021) abzulesen.

Lauterbach: Long-Covid medizinische Bagatelle?

Eine Debatte wird nach Ansicht von Karl Lauterbach folgen: Ob Long-Covid Einschränkungen begründen darf, oder ob Long-Covid als medizinische Bagatelle gesehen werden sollte.

Corona-Langzeitfolgen treffen auch die Jüngsten. Eine hohe Impfquote bietet ungeimpften Menschen und auch den jüngeren Schutz. Doch dafür bedürfte es angesichts der Delta-Variante laut Robert-Koch-Institut (RKI) eine Impfquote von mindestens 80 Prozent. In Deutschland sind nach Angaben des Impfdashboards 46,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Kinder bis zwölf Jahre sind bei der Impfung gegen Corona zunächst noch außen vor. Der Corona-Impfstoff ist in Europa und damit auch in Deutschland erst für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen. Lauterbach warnte schon im Mai 2021 im ARD-Talk mit Maybrit Illner vor Long-Covid bei Kindern. Die akuten Symptome bei Kinder einer Corona-Infektion sind nach wie vor mild, doch es gibt Kinder und Jugendliche die an Corona-Spätfolgen leiden.

Corona: Long-Covid bei Kindern wird ganz klar unterschätzt

„Aus meiner Sicht wird die [Lage] noch ganz klar unterschätzt“, sagte der Long-Covid-Experte des Universitätsklinikums Jena, Daniel Vilser, bei den ARD-“Tagesthemen“  über die Long-Covid-Folgen bei Kindern„Auch Kinder leiden viel unter dem sogenannten Fatigue-Syndrom, also einer verminderten Belastbarkeit“, erklärte der Experte. Symptome seien Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Konzentrations- und Schlafprobleme.

In Deutschland wird dem RKI zufolge an den Langzeitfolgen von Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen geforscht. Die Studien-Lage scheint bisher uneindeutig. Eine US-Studie konnte keine Langzeitfolgen bei Kindern finden. Laut einer italienischen Studie - mit 129 Kindern - seien mehr als die Hälfte der Kinder vier Monate nach einer Covid-Erkrankung durch Symptome eingeschränkt gewesen. Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren litten laut einer englischen Studie seltener (7 Prozent) unter Langzeitfolgen.

Lauterbachs-Frage zu Long-Covid und Einschränkungen ist Stoff für ausgiebige Diskussionen. Einen weiteren Lockdown will die Politik um jeden Fall vermeiden. Selbst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach sich kürzlich dagegen aus. Doch das Coronavirus lässt sich durch Worte kaum aufhalten. Allerdings ist bis zum Herbst noch etwas Zeit. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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