Öffnung der Schulen und Kitas ein Risiko

Corona in Deutschland: Lauterbach warnt vor dritter Welle - „lässt sich nicht mehr aufhalten“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Der Rückgang der Corona-Zahlen in Deutschland stagniert, die 7-Tage-Inzidenz steigt leicht. Laut Experte Karl Lauterbach kommt eine dritte Welle.

  • Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland zeigen: der Lockdown* wirkt nicht stark genug gegen die Virus-Mutationen.
  • Laut Karl Lauterbach lässt sich eine dritte Welle der Corona-Pandemie* nicht mehr aufhalten.
  • Der SPD-Gesundheitsexperte hält die Öffnung der Schulen und Kitas ohne regelmäßiges Testen für ein Risiko.

Berlin/München - In Deutschland sind binnen eines Tages 3883 Corona-Neuinfektionen und weitere 415 Todesfälle registriert worden, wie aus den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Dienstagmorgen hervorgeht. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bundesweit bei einem Wert von 60,5 - noch weit entfernt von der angestrebten Zielmarke 35. Grund genug für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach Alarm zu schlagen.

Corona in Deutschland: „Dritte Welle lässt sich nicht mehr aufhalten“

„Wir sind noch nicht mitten in der dritten Infektionswelle, aber diese hat angefangen und lässt sich auch nicht mehr aufhalten“, stellte Lauterbach in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse klar. Diese Entwicklung sei für ihn nicht überraschend. „Der Lockdown wirkt nicht stark genug gegen die Virus-Mutationen*, und zwar B.1.1.7 und die südafrikanische. Inzwischen ist der Anteil der mutierten Varianten an den Neuinfektionen so hoch, dass aus dem Lockdown heraus die nächste Welle beginnt“, erklärte der Epidemiologe.

Der SPD-Politiker erwartet, dass sich weitere Öffnungsschritte aus dem Lockdown nach hinten verschieben werden. Die Ziel-Inzidenz von 35 sei bei einer dritten Welle der Corona-Pandemie* an vielen Orten nicht mehr zu erreichen. „Immer noch hoffen viele, dass die Mutationen mit ihrer höheren Gefährdung vor allem im Ausland wirken und nicht so sehr bei uns. Auch gibt es Experten, die ich gar nicht kenne, die glauben, dass die Gefährdung aus saisonalen Gründen abnimmt. Das wird alles nicht geschehen“, mahnte Lauterbach.

Corona in Deutschland: Lauterbach verteidigt Ziel-Inzidenz von 35 - aufgrund der Virus-Mutationen

Die britische Virus-Variante B.1.1.7* werde sich nicht durch das bessere Wetter im Frühling zurückdrängen lassen, erklärte Lauterbach weiter. „Die neuen Varianten des Virus werden sich durchsetzen.“ Die Orientierung an einer 7-Tage-Inzidenz von 35 für Lockerungen, hält er daher weiterhin für sinnvoll. „Der Wert von 35 ist ausgerichtet auf die Mutation B.1.1.7 mit ihrer größeren Gefährlichkeit. Wenn man bei 50 geblieben wäre, hätte man der erheblich höheren Sterberate nicht Rechnung getragen.“

Für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist eine dritte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland nicht mehr zu vermeiden. (Archivbild)

Corona in Deutschland: Lauterbach rechnet mit „einer Vielzahl von Ausbrüchen in den Schulen und Kitas“

Die Öffnungen von Schulen und Kitas, wie es sie seit Montag in zehn weiteren Bundesländern gibt, hält der SPD-Gesundheitsexperte für ein Risiko. Er sei zwar auch für eine Öffnung gewesen, allerdings unter der Voraussetzung, dass für die Kinder zweimal wöchentlich ein Antigen-Test bereitgestellt wird. Das ist aktuell nicht der Fall. „Ich rechne angesichts dessen mit einer Vielzahl von Ausbrüchen in den Schulen und Kitas in nächster Zeit“, prognostiziert Lauterbach im PNP-Interview.

Eine Empfehlung liefert er gleich mit: „Mein Rat wäre, nachzuarbeiten mit den Tests und nicht zu versuchen, allein mit Masken und Lüften zu operieren.“ Die Schnelltestung an Schulen könne rasch vorbereitet werden, die Tests müssten nur zugelassen werden. „Ausbrüche der Krankheit in Schulen ließen sich mit der Kombination aus Wechsel-Unterricht und Testen zweimal pro Woche laut Studien um mindestens 75 Prozent senken“, so Lauterbach.

Der SPD-Gesundheitsexperte äußerte sich auch zu einer bevorzugten Corona-Impfung* von Lehrkräften und Erzieher:innen. Lauterbach schlug vor, die Priorisierungsstufen 1, 2 und 3 für alle unter 65-Jährigen in diesen Gruppen zu öffnen. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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