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Lauterbach warnt vor schwerer Covid-Folge: Wird über Jahre hinweg Auswirkungen haben

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Von: Michelle Brey

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Die Corona-Lage in Deutschland entspannt sich weitgehend. Die Langzeit-Folgen einer Infektion bereiten Sorgen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nennt Details.

Berlin / München - Neuinfektionen, Sieben-Tage-Inzidenz, R-Wert: Die Kennzahlen geben einen Überblick über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Und der positive Trend der vergangenen Wochen setzt sich auch am Montag fort. Die Fallzahlen sinken. Bundesweit winken etliche Lockerungen, die auf eine Rückkehr in die Normalität hoffen lassen. Dennoch bereiten einige Aspekte der Pandemie sorgen. Während sich immer wieder neue Virus-Mutationen entwickeln, sind auch die Corona-Langzeitfolgen ein Thema.

Long Covid: Zahl der Patienten mit schwerwiegendem Syndrom könnte sich verdoppeln

„Es gibt zahlreiche Formen von Long Covid“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und zählte dabei unter anderem Atemnot oder Herzrhythmusstörungen auf. „Es gibt zusätzlich das besonders schwerwiegende Chronic-Fatigue-Syndrom“, so Lauterbach weiter. Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) bedeutet im Deutschen chronisches Erschöpfungssyndrom. Dieses äußere sich durch Schmerzen, Schwäche, extreme Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.

„Es handelt sich um eine völlig unnormale physische und psychische Erschöpfung schon nach kleinsten körperlichen Anstrengungen“, erklärte Lauterbach. Menschen, die darunter litten, könnten oft nur wenige Stunden am Tag funktionieren. „Gleich, wie viel man schläft - die oft quälende totale Erschöpfung geht nicht weg.“ Betroffene seien so verzweifelt, dass oft sogar Suizidgefahr bestehe, gab er zu bedenken. Wichtig sei, „dass Ärzte die richtige Diagnose stellen und unterscheiden, ob jemand depressiv ist, vor dem Burn-out steht, altersmüde und von der Arbeit erschöpft ist – oder eben CFS hat“.

Die Zahl der Patienten mit diesem Krankheitsbild könnte sich der Einschätzung von Lauterbach nach verdoppeln. Vor Corona lag die Zahl der CFS-Erkrankten bei 250.000. Mitunter blieben die Beschwerden viele Jahre bestehen. "Die Betroffenen werden womöglich lange nicht so leistungsfähig wie früher sein, sie werden mehrfach im Jahr ausfallen. Manche werden ganz ausscheiden." Das werde über Jahre hinweg Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben, so der Politiker.

Corona: „Schweres Versäumnis“ - Lauterbach kritisiert Forschung

Erkenntnisse über Long Covid gibt es hierzulande zunächst nicht. „Wir haben in Deutschland leider keine Langzeitstudie aufgebaut, die Long Covid erforscht“, sagte Lauterbach und führt im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland fort: „Das ist ein schweres Versäumnis.“ Man brauche eine Langzeitbeobachtung und gute Versorgungskonzepte für diese Patienten und auch Prognosen für die Volkswirtschaft, forderte der Politiker. Noch müsse man sich auf Studien aus den USA und Großbritannien stützen. Eine dieser Studien besagt beispielsweise, dass das Sterberisiko nach einer Infektion noch Monate später erhöht sei.

Corona-Spätfolgen: Rund 350.000 Long-Covid-Patienten in Deutschland

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) geht indes davon aus, dass in Deutschland rund 350.000 Menschen an Spätfolgen einer Covid-19-Infektion leiden. Mittlerweile hätten rund 3,5 Millionen Menschen eine Infektion hinter sich. Schätzungsweise kämpfe jeder Zehnte mit Spätfolgen, sagte sie am Montag in Berlin. Für die weitere Erforschung stellt das Bundesforschungsministerium nach Karliczeks Angaben nun zunächst fünf Millionen Euro zur Verfügung. Das sei nur der erste Schritt, sagte sie. „Long Covid wird für unser Gesundheitswesen enorme Folgen haben. Wir stehen in der Gesellschaft vor einer großen Herausforderung und auch vor einem ernstzunehmenden Kostenpunkt.“ (mbr/afp/dpa)

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