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Corona-Experten mit flammendem Appell an die Politik: „Jeder Tag des Abwartens kostet Menschenleben“

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Von: Yasina Hipp

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In einem offenen Brandbrief zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland richten sich führende Mediziner an die Politik. Sie finden deutliche Worte und stellen eindringliche Forderungen.

Köln - Jeden Tag vermeldet das Robert-Koch-Institut (RKI) neue Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen. Die Ereignisse in den einzelnen Bundesländer überschlagen sich - 2G-Regelungen, Ausrufung des Katastrophenfalls und Verlegungen von Patienten - alles wird versucht, um die vierte Welle in den Griff zu bekommen.

Das was die Politik derzeit macht, reiche allerdings nicht aus. In einem offenen Brief richten sich 35 deutsche Topmediziner unter der Federführung des Kölner Internisten Prof. Dr. Michael Hallek und der Braunschweiger Virologin Prof. Dr. Melanie Brinkmann an die Verantwortlichen. So schreiben sie: „Jeder Tag des Abwartens kostet Menschenleben. Zeit für einen Aufruf.“

Corona-Brandbrief: Vierte Welle kann alles „in den Schatten stellen“

Mit deutlichen Worten stellen die Mediziner die Dringlichkeit der aktuellen Situation dar: „Die derzeitige pandemische Situation hat das Potential, die Situation aus dem Frühjahr und vergangene Wellen in den Schatten zu stellen.“ In dem dramatischen Brief, veröffentlicht von dem Kölner Stadt-Anzeiger und dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), drücken die beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihren Unmut und ihre Enttäuschung über das langsame Handeln der Bundesregierung aus: „Wir empfinden eine tiefe Enttäuschung über die Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und über den wiederholt nachlässigen Umgang mit dem Wohlergehen der Menschen, die auf den Schutz des Staates angewiesen sind.“

Eine Vielzahl der von ihnen vorgeschlagenen Empfehlungen seien nur zögerlich oder gar nicht umgesetzt worden. Stattdessen würde die Politik die Verantwortung auf die Privatmenschen abwälzen - in den „Ermessensspielraum jedes einzelnen Menschen“.

Corona in Deutschland: Forderung nach professionaler Kommunikation und globaler Verantwortung

Hallek, Brinkmann und Co. appellieren mit dem Brief nun an die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen. Vor allem fordern sie eine effektive Kommunikation, die den Bürgerinnen und Bürgern „unangenehme Wahrheiten zumutet sowie klare und konsistente Verhaltensrichtlinien vorgibt“. Gleichzeitig solle sich Deutschland seiner europäischen und weltweiten Rolle in der Pandemie-Bekämpfung bewusst werden und helfen globale Impf-Ungleichheiten abzubauen.

Unterzeichnet haben den Brief unter anderem: Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis (Intensivmedizin, Universität Witten/Herdecke), Prof. Dr. Michael M. Kochen (Innere Medizin, Universität Freiburg), Prof. Dr. Carsten Watzl (Immunologie, TU-Dortmund), Prof. Dr. Isabella Eckerle (Virologie, Universität Genf), Prof. Dr. Nicole Fischer (Virologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) und Prof. Dr. Friedemann Weber (Virologie, Justus-Liebig Universität Gießen).

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