Variante B.1.1.7

Sorge um eine rasante Ausbreitung der Corona-Mutation in Deutschland wächst: „Das Impftempo ist viel zu gering“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Die Corona-Mutation B.1.1.7 ist auch in Deutschland angekommen. Kann eine flächendeckende Ausbreitung verhindert werden? Experten kritisieren das Impftempo.

  • Eine flächendeckende Ausbreitung der Virus-Mutation B.1.1.7 aus Großbritannien soll in Deutschland verhindert werden.
  • Es gibt Kritik am holprigen Start der Impfkampagne im Kampf gegen die Corona-Mutation.
  • Experten und Politiker nehmen die drohende Gefahr ernst.

Mainz - In Großbritannien hat die Corona-Mutation B.1.1.7 für einen extremen Anstieg der Infektions- und Todeszahlen gesorgt. Auch in Irland sind die Corona-Zahlen im vergangenen Monat nach der Ausbreitung der Virus-Variante regelrecht explodiert. Die Mutation ist auch in Deutschland längst angekommen. Um eine flächendeckende Verbreitung zu verhindern, beraten Bund und Länder beim Corona-Gipfel am Dienstag über eine Verlängerung des Lockdown.

Corona-Mutation in Deutschland: Kein Grund zur Entwarnung

„Über die britische Variante des Coronavirus weiß man bislang, dass sie Menschen besser infizieren kann“, erklärte Prof. Bodo Plachter, Virologe von der Universitätsmedizin Mainz, in einem Gespräch mit der Bild. Auch wenn bislang nichts auf einen schwereren Krankheitsverlauf hindeute, gebe es keinen Grund zur Entwarnung. „Wenn die Variante tatsächlich ansteckender ist, bedeutet das aber mehr Infizierte und somit auch mehr Kranke und Tote“, so der Experte.

Da bislang nicht geklärt ist, wie weit verbreitet die Corona-Mutation B.1.1.7 in Deutschland ist, soll künftig bei einem Teil der positiven Corona-Tests eine Sequenzierung durchgeführt werden. Das besagt eine neue Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Dabei wird auch das Genom des Coronavirus untersucht.

Corona-Mutation in Deutschland: „Das aktuelle Impftempo ist bei weitem zu gering“

Prof. Christian Hesse, Leiter der Abteilung für Mathematische Statistik an der Universität Stuttgart, übte Kritik an der bisherigen Impfstrategie des Gesundheitsministeriums um Minister Jens Spahn (CDU). „Das aktuelle Impftempo ist bei weitem zu gering, um der Ausbreitung der Virus-Mutation etwas entgegenzusetzen“, mahnte er gegenüber Bild. Rechne man die Geschwindigkeit der ersten Wochen der Impfkampagne hoch, wären Ende 2021 nur 12 Prozent der Bevölkerung immunisiert, erklärte Hesse.

Aktuell bestehe bezüglich der Corona-Mutation in Deutschland allerdings noch kein Grund zur Panik. „Es gibt bislang keine Hinweise, dass die üblichen Hygiene-Maßnahmen nicht schützen“, erklärte Plachter. Experten gehen derzeit zudem davon aus, dass die zugelassenen Corona-Impfstoffe auch gegen die verschiedenen Virus-Varianten wirksam sind.

Corona-Mutationen: Politiker und Experten nehmen Situation ernst

Dennoch nehmen die Politiker und Experten die Situation ernst. „Die Angst ist groß, dass es ziemlich bald zu einer Explosion des Coronavirus kommen wird“, erklärte ein hoher EU-Beamter gegenüber der Welt. Neben der Virus-Variante B.1.1.7 aus Großbritannien sind inzwischen auch die Corona-Mutation P.1 aus Brasilien sowie die Corona-Variante 501.V2 aus Südafrika bekannt. Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen wurde zuletzt ebenfalls eine bislang unbekannte Variante entdeckt. Insgesamt haben sich die Coronavirus-Mutationen bislang in mindestens 50 Ländern weltweit verbreitet. (ph)

Rubriklistenbild: © Sean Gallup

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