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„Hochgradig alarmiert“: Erstes Bundesland vor höchster Corona-Warnstufe - und auch Berlin will 2G ausweiten

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Von: Patrick Huljina

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Die vierte Welle der Corona-Pandemie rollt, die Zahlen steigen weiter. Virologin Brinkmann mahnt vor zu großen Impflücken in Deutschland und das erste Land zieht Konsequenzen.

Update vom 7. November, 19.58 Uhr: Auch Berlin will nun seine Corona-Maßnahmen verschärfen. Der Senat plant die 2G-Regel auf weitere Orte und Ereignisse auszuweiten. „2G wird vorbereitet“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Sonntag dem Tagesspiegel. Die Senatsmitglieder werden sich demnach in mehren Schalten dazu austauschen, auch eine Sondersitzung sei möglich. Eine turnusmäßige Senatssitzung ist wegen des Gedenktags 9. November erst eine Woche später wieder geplant.

Derzeit gilt in Berlin, dass Betreiber etwa von Restaurants oder Veranstalter selbst entscheiden können, ob sie den Zutritt zu ihren Innenräumen Geimpften, Genesenen und Getesteten (3G) erlauben oder nur noch Geimpften und Genesenen (2G). Im Falle von 2G entfällt die Maskenpflicht. Welche Neuregelungen im Gespräch sind, ließ ein Sprecher Kalaycis am Sonntag offen.

„Hochgradig alarmiert“: Erstes Bundesland vor höchster Corona-Warnstufe

Update vom 7. November, 15.45 Uhr: Angesichts einer sich zunehmend verschärfenden Corona-Lage in Baden-Württemberg rechnet das Sozial- und Gesundheitsministerium schon in Kürze mit der Ausrufung der sogenannten Alarmstufe. Diese würde drastische Einschränkungen für viele ungeimpfte Menschen im Bundesland nach sich ziehen. Mit Blick auf aktuelle Prognosen und Modellrechnungen der Universität Freiburg gehe man davon aus, dass möglicherweise schon Ende der Woche, „in jedem Fall“ aber Mitte November die Alarmstufe ausgerufen werden könnte, teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Sonntag in Stuttgart auf Anfrage der dpa mit.

Corona in Deutschland: Baden-Württemberg vor Ausrufung der Alarmstufe

Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) sagte, auch in Baden-Württemberg rolle die vierte Welle „mit voller Wucht“, die Intensivstationen in den Krankenhäusern füllten sich rasant – „in aller erster Linie mit ungeimpften Patientinnen und Patienten, aber auch immer mehr Menschen über 60 Jahren mit Impfdurchbrüchen kommen ins Krankenhaus“. Man sei „hochgradig alarmiert“.

Menschen in Notzingen in Baden-Württemberg warten vor einem Impfbus.
Menschen in Notzingen in Baden-Württemberg warten vor einem Impfbus. © Marijan Murat/dpa

Die Corona-Verordnung sieht im Fall der Alarmstufe landesweit die 2G-Regel etwa in Restaurants, Museen, bei Ausstellungen sowie den meisten anderen öffentlichen Veranstaltungen vor. Viele ungeimpfte Menschen hätten dann in vielen Bereichen keine Möglichkeit mehr, am öffentlichen Leben teilzunehmen – denn ein Nachweis aktueller PCR- oder Antigentests reicht dann in vielen Fällen nicht mehr. Das wäre beispielsweise auch in vielen Bereichen auf Weihnachtsmärkten der Fall. Ausnahmen von den harten Maßnahmen würden unter anderem für Kinder und Schwangere sowie Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, gelten.

Corona in Deutschland: Bundesärztekammer fordert Rückkehr der kostenlosen Schnelltests

Update vom 7. November, 12.05 Uhr: Die Bundesärztekammer hat eine schnelle Wiedereinführung der kostenlosen Corona-Schnelltests gefordert. „Das Auslaufen der Kostenübernahme für Corona-Bürgertests hat augenscheinlich nicht dazu geführt, Impfunwillige zu einer Impfung zu motivieren“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Bund und Länder sollten den Mut aufbringen, diese Fehlentscheidung schnell und konsequent zu korrigieren.

Gerade in der kalten Jahreszeit mit vielen Freizeitaktivitäten in Innenräumen brauche man wieder niedrigschwellige, kostenlose Testangebote, um die Weiterverbreitung des Virus zu bremsen. „Die Neuregelung muss jetzt schnell kommen, möglichst noch mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes Mitte November“, forderte Reinhardt.

Seit dem 11. Oktober sind Corona-Schnelltests in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen kostenlos. Der Bund hat die Finanzierung eingestellt, viele Teststationen sind inzwischen geschlossen. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass nun jeder die Möglichkeit habe, sich durch eine Impfung zu schützen. Gratis-Schnelltests gibt es seither nur noch für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, darunter Kinder unter 12 Jahren, sowie übergangsweise für 12- bis 17-Jährige und Schwangere.

Corona-Zahlen in Deutschland steigen: Inzidenz knapp unter Rekordwert

Erstmeldung vom 7. November: Berlin - Die Corona-Zahlen steigen weiter an. Am vergangenen Freitag (5. November) wurde mit 37.120 Neuinfektionen ein Rekordwert seit Beginn der Pandemie* erreicht. Am Sonntagmorgen (7. November) meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 23.543 neue Corona-Fälle – das sind 6656 Neuinfektionen mehr als noch vor einer Woche.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz* ist ebenfalls deutlich angestiegen. Das RKI gab den Wert am Sonntagmorgen mit 191,5 an. Am Vortag hatte die Inzidenz bei 183,7 gelegen, vor einer Woche bei 149,4 (Vormonat: 62,6). Damit nähert man sich immer weiter dem Höchstwert der Pandemie. Während der zweiten Welle lag die bundesweite Inzidenz am 22. Dezember 2020 bei 197,6.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten* je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI zuletzt am Freitag mit 3,91 an (Donnerstag: 3,73). Bei dem Indikator muss allerdings berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Virologin Brinkmann: „Impflücken so groß, dass es zu dramatischen Zahlen kommen kann“

Auch wenn die Zahlen ähnlich hoch sind wie vor einem Jahr, ist die Lage dennoch nicht eins zu eins zu vergleichen. Das erklärte auch Virologin Melanie Brinkmann. „Denn wir haben einen Impfstoff. Der Großteil der Bevölkerung ist geimpft“, erklärte sie regionalheute.de.

Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, spricht in der Bundespressekonferenz.
Virologin Melanie Brinkmann spricht von einer großen „Impflücke“. (Archivbild) © Michael Sohn/dpa

„Trotzdem sind die Impflücken noch so groß, dass es tatsächlich zu dramatischen Zahlen kommen kann, was die Belegung der Intensivbetten in den Krankenhäusern angeht“, warnte Brinkmann. „Die Menschen auf der Intensivstation sind vorwiegend Menschen, die nicht geimpft sind“, sagte die Virologin. Das sei eine gute Nachricht. „Wir haben die Mittel in der Hand, uns zu schützen und die Zahl der Kranken und Toten niedrig zu halten“, so Brinkmann.

57,9 Millionen Menschen in Deutschland – also 69,7 Prozent der Gesamtbevölkerung – sind mindestens einmal gegen das Coronavirus* geimpft. Das geht aus Zahlen des RKI vom Samstag (6. November) hervor. 55,8 Millionen (67,1 Prozent) sind vollständig geimpft. Zudem haben 2,7 Millionen Menschen eine sogenannte Booster-Impfung* erhalten. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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