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OPs, Intensiv, Ärzte: Mediziner prophezeit „Notfallsystem“ in Kliniken - in ganz Deutschland

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Von: Patrick Mayer

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Ein Facharzt versorgt einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik.
Ein Facharzt versorgt einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Sachsens Krankenhäusern droht in der Corona-Pandemie die Triage. Ein Mediziner sieht schon bald ganz Deutschland im Notfall-Modus.

München - Sachsen ist in der Coronavirus-Pandemie im Krisenmodus angekommen. Laut Landesärztekammer-Präsident Erik Bodendieck standen im Freistaat, Stand 22. November, nur noch wenige Intensivbetten zur Verfügung. Schon Ende der Woche könnte es demnach in den Kliniken zur sogenannten Triage kommen.

Intensivstationen in Deutschland: Wegen Corona droht in Sachsen die Triage

„Wir müssen triagieren, und das werde ich diese Woche mit meinen Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken noch mal besprechen“, erklärte Bodendieck dem NDR. Laut Landesärztekammer drohen dann mehr Corona-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, als Intensivbetten bereitstehen. Es könne sein, dass „wir selbst in Großkliniken triagieren müssen, weil wir nicht mehr verlegen können“, erzählte Bodendieck weiter.

Situation auf deutschen IntensivstationenPatienten
Intensivbetten aktuell belegt:19.383
Aktuell betreibbare Intensivbetten:22.086
Corona-Patienten in Behandlung:3.833
Corona-Patienten invasiv beatmet:1.971
Prozentualer Anteil beatmeter Covid-Patienten:51,42 %

Quelle: DIVI-Intensivregister, Stand 22. November, 21.30 Uhr

Mehr noch: Ein anderer Mediziner sieht ganz Deutschland wegen Corona schon bald in einem „Notfallsystem“, was die Kapazitäten der Krankenhäuser und Kliniken betrifft. „Wenn die Entwicklung sich verschärft, wird es wahrscheinlich nicht zu vermeiden sein, dass wir in weiten Teilen Deutschlands das Gesundheitssystem in eine Art Notfallsystem umsetzen müssen. Und das gilt es natürlich zu vermeiden“, erklärte Gernot Marx der „Tagesschau“ der ARD - der Vorsitzende der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Intensivstationen in Deutschland: Mediziner erwartet wegen Corona „Notfallsystem“ im ganzen Land

Was das bedeutet? Operationen, die nicht dringend notwendig sind, werden verschoben, heißt es in der ARD. Und: Personal aus anderen Bereichen müsste in den Kliniken abgezogen werden, um die Vielzahl an Corona-Patienten medizinisch zu behandeln.

Zur Einordnung: Stand Montagabend, 22. November, lagen laut DIVI-Intensivregister 3.833 Corona-Patienten bundesweit in deutschen Krankenhäusern. Besonders ernst war die Corona-Lage neben Sachsen in Bayern. Auch die DIVI-Mediziner hoffen nun auf die Wirkungen der Coronavirus-Booster-Impfungen.

Im Video: Landesärztekammer - Müssen wegen Corona Triage in Sachsen vorbereiten 

„Hätten wir die Impfungen nicht, hätten wir jetzt - bei den Inzidenzen - astronomisch hohe Intensiv-Belegungszahlen. Das muss man einfach klar so sehen“, erklärte der Mediziner Steffen Weber-Carstens vom DIVI-Intensivregister im selben ARD-Bericht. Dennoch: Geht es nach den Medizinern, ist der negative und traurige Höhepunkt auf den Intensivstationen in der Bundesrepublik wohl längst noch nicht erreicht. (pm)

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