Trotz Lockdown

Corona-Inzidenz von 350? RKI-Bericht zeigt versteckte Oster-Prognose - Lauterbach fordert Schul-Schließungen

  • Richard Strobl
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Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich weiter zu. Das RKI malte nun eine düstere Oster-Prognose. Karl Lauterbach fordert Schul-Schließungen.

Update vom 14. März, 15.21 Uhr: Jetzt meldet sich auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu Wort. Er fordert angesichts der enorm steigenden Corona-Zahlen Schul-Schließungen bis Ostern. Zur Rheinischen Post sagt Lauterbach, dass die dritte Welle bereits seit zwei Wochen rolle. Die Schul-Schließungen seien nötig, da sich „Virusmutationen insbesondere bei Jüngeren rasant ausbreiten“, so Lauterbach. Auch Grundschulen müssten bis Ostern schließen, so der SPD-Mann weiter.

Außerdem müssen Bund und Länder seiner Meinung nach sofort die Corona- „Notbremse“ ziehen, sobald die Inzidenz von 100 überschritten wird. Erst am Sonntag hatten zwei Landkreise bekannt gegeben, dass sie sich dieser Regelung widersetzen wollen.

Update vom 14. März, 12.33 Uhr: Der RKI-Lagebericht vom Freitag schlägt große Wellen. Etwas versteckt in der Seitenlangen Daten-Beschreibung sagt das Institut einen exponentiellen Anstieg der 7-Tage-Inzidenz voraus. Deutschland stehen also harte Zeiten bevor (siehe Erstmeldung).

Jetzt stimmen weitere Experten in diese Einschätzung des RKI ein. So auch der Entwickler des Covid-Simulators zur Vorhersage von Infektionszahlen, der Pharamazeut Thorsten Lehr. Er sagte der Bild: „Die Zahlen steigen, wir haben Lockerungen und die Rolle der neuen Virus-Mutanten wird größer. Schon jetzt beträgt ihr Anteil über 50 Prozent. Anfang April wird er um 90 Prozent liegen. Ich rechne damit, dass die Inzidenz spätestens Ende März die 100er-Marke erreichen wird.“ Lehr geht davon aus, dass die Politik bereits vor Ostern die Corona-Notbremse ziehen muss und bisherige Öffnungsschritte zurücknehmen muss.

Corona-Inzidenz von 350? RKI-Bericht zeigt versteckte Oster-Prognose - zwei Details beunruhigend

Erstmeldung vom 13. März: München - Erneut ist die Corona-Inzidenz in Deutschland gestiegen. Das RKI vermeldete am Samstag eine 7-Tage-Inzidenz von 76,1. Zum Vergleich: Am Vortag hatte die Inzidenz noch bei 72,4 gelegen. Dennoch ist der Wert in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern und auch im Vergleich zu Werten im Dezember - also zum Höhepunkt der zweiten Welle - deutlich niedriger. Allerdings könnte sich das nach RKI-Schätzungen bald ändern.

Corona in Deutschland: RKI mit bitterer Prognose - Briten-Mutante auf dem Vormarsch

RKI-Chef Wieler warnte schon in den vergangenen Tagen, dass die dritte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland bereits begonnen habe. Genau diese Einschätzung verdeutlicht das Robert-Koch-Institut auch in seiner aktuellen Prognose.

Besonders „besorgniserregend“ sind für das RKI weiterhin die Virus-Mutationen, die „möglicherweise zu höherer Ansteckungsfähigkeit mit schnellerer Ausbreitung oder zu begrenzter Wirksamkeit einer Komponente der Immunantwort führen können“.

Besonders die sogenannte britische Mutante B.1.1.7 ist demnach weiter auf dem Vormarsch in Deutschland. Sie wurde mittlerweile in allen Bundesländern nachgewiesen. In der vergangenen Woche gingen nach RKI-Angaben knapp 55 Prozent der untersuchten positiven Proben auf die britische Variante zurück. Drei Wochen zuvor lag der Anteil noch bei 22 Prozent.

RKI mit düsterer Oster-Prognose: Inzidenz steigt exponentiell

Diese Ausbreitung der Variante zeigt das RKI auch in seinem Bericht vom Freitag. So steigt die isolierte Inzidenz der Variante B.1.1.7 seit der Kalenderwoche zwei exponentiell an. Etwa alle zwölf Tage habe sich diese Inzidenz verdoppelt. Demgegenüber würden die Inzidenzen aller anderen Varianten sinken. Diese Trends überlagern sich, „was insgesamt zu der nur langsam ansteigenden 7-Tage-Inzidenz der letzten 4 Wochen (Kalenderwoche 06 bis 09) führte“, so das RKI.

Nun beschleunigt sich dieser Trend jedoch: Ab Kalenderwoche 10 (aktuelle Woche) erwartet das RKI nun, dass sich ein „deutlich steilerer Anstieg (der Inzidenz, Anm. d. Red.) zeigen wird“. Und dieser Trend wird der Prognose nach anhalten: Bereits in Kalenderwoche 14 (5. April bis 11. April) rechnet das RKI damit, dass die Fallzahlen über dem Niveau von Weihnachten sind. Der Ostersonntag fällt 2021 auf den 4. April.

Für die Woche ab dem 12. April hält das RKI eine 7-Tage-Inzidenz von um die 350 für möglich - wobei das Institut den Bereich von 220 bis 500 angibt, je nach Verlauf. Laut Spiegel-Berechnung würde dies knapp 41.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag bedeuten.

Bei dieser Prognose sind zwei Dinge zu beachten: Einerseits sind in das düstere Szenario noch keine Lockdown-Lockerungen miteinbezogen. Es handelt sich lediglich um eine mathematische Rechnung auf Basis der bisherigen Zahlen. Zudem scheinen die bisherigen Corona-Maßnahmen der Virus-Mutation B.1.1.7 keinen Einhalt gebieten zu können, da sich die Variante schon seit Anfang Januar exponentiell ausbreitet. (rjs)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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