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Corona-Impfquote nach oben korrigiert: Scharfe Kritik an RKI-Chef Wieler - „Von Fehlereinsicht keine Spur“

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Prof. Lothar H. Wieler, Praesident Robert-Koch-Institut (RKI)
Politiker der FDP und Grünen zeigen sich unzufrieden mit RKI-Chef Lothar Wieler. © Jens Schicke / Imago

In Deutschland sind wohl mehr Menschen gegen das Coronavirus geschützt als gedacht. Das RKI hat die Impfquote nach oben korrigiert, Kritik an Lothar Wieler wird laut.

Berlin - Politiker der FDP und der Grünen unterstellen „politische Einflussnahme“ auf das Robert-Koch-Institut und kritisieren RKI-Chef Lothar Wieler. Er sei mitverantwortlich für die langen Schulschließungen in Deutschland. Am Donnerstag hatte das RKI mitgeteilt, dass die Impfquote bislang rund fünf Prozentpunkte zu niedrig angegeben wurde. Das Institut erklärte, dass manche Impfstellen nicht alle Impfungen melden würden, wodurch die Verzerrung zustande gekommen sei.

Kritik an RKI-Chef Lothar Wieler: „Zu nah dran an der Linie der Bundesregierung“

Der Politiker der Grünen Dieter Janecek, sieht eine Mitverantwortung des RKI-Chefs für die langen Schulschließungen in Deutschland. „Das RKI hat einen Kurs mitgetragen, der auf Kinder als angebliche Infektionstreiber ein besonderes Augenmerk gelegt hat“, so Janecek gegenüber der Bild. Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus sagte der Bild am Sonntag, Wieler sei „zu nah dran an der Linie der Bundesregierung.“ Außerdem gebe es „von Fehlereinsicht keine Spur“.

Die FDP fordert, dass das Robert-Koch-Institut nicht länger dem Bundesgesundheitsministerium unterstehe. „Wir machen uns dafür stark, dem RKI künftig politische Unabhängigkeit zu garantieren“, so die FDP-Politikerin weiter.

„Wir haben schon vor Monaten geahnt, dass die Impfrate zu niedrig ausgewiesen wird.“ Doch die Bundesregierung habe dies stets bestritten. „Jetzt haben wir Oktober, und Herr Wieler korrigiert die Quote um fünf Prozent nach oben. Und es wird so getan, als wäre das ein Erfolg.“ Tatsächlich hatte das RKI die Impfquote um fünf Prozentpunkte, nicht um fünf Prozent nach oben korrigiert.

Zudem hatte das RKI selbst bereits im August darauf hingewiesen, dass eine „gewisse Unsicherheit“ bei den Impfquoten-Daten bestünde. Das Institut hängt bei seinen Angaben unter anderem von den Meldungen der Gesundheitsämter ab. Die elektronische Datenübermittlung funktioniere nicht immer gut, sagte etwa Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher im August gegenüber dem rbb.

Robert-Koch-Institut (RKI): So kommen die unterschiedlichen Zahlen zustande

Hintergrund der Kritik ist die zu niedrig angegebene Impfquote des Robert-Koch-Instituts. Schon vor knapp zwei Monaten hatte das RKI selbst darauf hingewiesen, dass die tatsächlichen Impfungen über der angegebenen Quote liegen könnten. Dafür gibt es einem Bericht des Instituts zufolge verschiedene Gründe: Manche Impfstellen geben nicht alle Impfungen an das RKI weiter. Bestimmte Impfungen würden in der Statistik zudem nicht erfasst. Die angegebenen Impfquote sei also als „Mindest-Impfquote zu verstehen“.

Um die gemeldeten Impfzahlen mit der Realität abzugleichen, hatte das RKI Meldedaten herangezogen und Umfragen in Auftrag gegeben. Diese sollten die Impfquote in der Bevölkerung abfragen. Die Befragungen hatten um rund fünf Prozentpunkte höhere Impfquoten ergeben. Demnach könnten 80 Prozent der Erwachsenenbevölkerung vollständig und 84 Prozent einmalig geimpft sein. Die gemeldeten Zahlen lagen bei Werten von 75,4 Prozent für vollständig Geimpfte und 79,1 Prozent bei einmalig Geimpften.

Fünf Prozentpunkte Unterschied entspräche rund 3,5 Millionen Menschen. Das RKI gab zu Bedenken, dass in den Befragungen wenig impfbereite Menschen unterrepräsentiert seien, wie die Tagesschau berichtete. Zudem könnten Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen nicht an der Befragung teilnehmen. Es bestehe die Vermutung, dass Sprachbarrieren auch zu einer geringeren Inanspruchnahme der Covid-19-Impfung führen, so das Institut. Zu den Vorwürfen der Grünen und FDP äußerte sich das RKI zunächst nicht.

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