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„Seien Sie im Zweifel sauer auf mich“: Spahn und RKI-Chef Wieler warnen vor Radikal-Lockerungen

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Von: Luisa Billmayer, Cindy Boden

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Weil die Sieben-Tage-Inzidenzen sinken, lockern viele Bundesländer. Jens Spahn, Lothar Wieler und Henriette Reker haben über die aktuelle Corona-Lage informiert.

Die Pressekonferenz ist damit beendet.

Update vom 21. Mai, 11.39 Uhr: Hinsichtlich der notwendigen Herdenimmunität erklärte Lothar Wieler, dass diese anhand des R-Werts definiert wird. Deshalb sei der benötigte Anteil an Immunen, also Geimpften und Genesenen, im Laufe der Pandemie von 60 Prozent auf 80 Prozent angepasst worden. Der hohe Wert von 80 Prozent kommt durch den erhöhten R-Wert zustanden, der sich durch ansteckendere Virusvarianten ergibt.

Update vom 21. Mai, 11.34 Uhr: Bezüglich möglicher Lockerungen erklärte Jens Spahn eine Faustregel: Aktivitäten im Freien und viele Tests seien weniger bedenklich als Aufenthalte in Innenräumen ohne Maskenschutz. Insgesamt zeigte sich der Bundesgesundheitsminister zuversichtlich. „Wer hätte vor vier Wochen, bei Einführung der Bundesnotbremse, gedacht, dass wir heute schon eine Situation haben, wo deutlich unter 100 Landkreise und Städte noch betroffen sind“, so der CDU-Politiker. Wir seien auf einem guten Weg. Mit Lockerungen müsse vorsichtig umgegangen werden, weil sonst erneut strengere Maßnahmen drohen.

„Die Maßnahmen haben zusammen eine große Wirkung“, erklärte Lothar Wieler angesichts der sinkenden Zahlen. Deshalb können einzelne Lockerungen große negative Folgen haben.

Corona: Lothar Wieler (RKI) hält an der Maskenpflicht fest

Update vom 21. Mai, 10.45 Uhr: Niedersachsen plant, die Maskenpflicht im Einzelhandel abzuschaffen. Lothar Wieler vom RKI erklärte auf Nachfrage: „Ich werde meine Maske noch lange tragen. Ich hoffe, dass diese Erkenntnis noch weiter hält.“ Die Wirksamkeit der Masken sei wissenschaftlich bestätigt, das Festhalten an den AHA-Regeln daher elementar. Jens Spahn betonte, dass die Masken im Vergleich zu anderen Maßnahmen relativ leicht umsetzbar seien. Daher will auch er trotz Lockerungen an den Munde-Nasen-Bedeckungen festhalten.

Update vom 21. Mai, 10.39 Uhr: Hinsichtlich des digitalen Impfnachweises erklärte Jens Spahn, dass es in Deutschland kein zentrales Impfregister gebe, die Daten also nicht bundesweit einheitlich gespeichert sind. Daher müssten alle, die jetzt schon geimpft wurden, sich nachträglich bei der entsprechenden Stelle nach einem digitalen Nachweis bemühen. Das kann je nach Struktur vor Ort die Stadt, der Landkreis oder das Bundesland sein. Teilweise gebe es auch Pläne, geimpfte Personen per Post zu erreichen und einen digitalen Nachweis in Form eines QR-Codes zuzusenden. Wenn dadurch für Hausarztpraxen und Apotheken ein Mehraufwand entsteht, werde das entsprechend vergütet.

„Auch mit dem Papierausweis ist das Reisen möglich“, stellte Jens Spahn auf Nachfrage klar. Mit einem digitalen Nachweis sei es vielleicht einfacher, doch auch das WHO-Dokument sei internationaler Standard und diene als Impf-Beleg. Einen europaweiten Nachweis zu schaffen, sei keine leichte Aufgabe, und wenn es gelinge eine weltweit einzigartige Leistung.

Corona: Reker über Impfstrategien in „vulnerablen Sozialräumen“

Update vom 21. Mai, 10.21 Uhr: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat erklärt, die Stadt habe zusammen mit dem Fraunhofer-Institut herausgefunden, dass soziale Umstände und Wohnsituationen Einfluss auf das Infektionsrisiko haben. In sogenannten „vulnerablen Sozialräumen“ breite sich das Coronavirus stärker aus. Daher wolle die Stadt Köln reagieren und in betroffenen Stadtvierteln vermehrt impfen. Reker betonte: „Die Impfungen schützen nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch alle anderen.“

Update vom 21. Mai, 10.16 Uhr: Lothar Wieler lobte die aktuelle Entwicklung. Dank rücksichtsvollem Verhalten und einer hohen Impfbereitschaft gingen die Zahlen der Neuinfektionen zurück. „Wir befinden uns noch immer mitten in der Pandemie. Die Fallzahlen sind immer noch zu hoch“, stellte der RKI-Präsident jedoch klar. Angesichts vorschneller Lockerungen mahnte Wieler: „Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder die Oberhand gewinnt.“ Er verglich die Situation mit einem Luftballon, der mit aller Kraft unter Wasser gedrückt werden muss. Es sei wichtig zu verhindern, dass der Ballon an die Wasseroberfläche drängt - das Virus sich also wieder unkontrolliert ausbreitet.

Corona: News-Ticker zur PK von Jens Spahn und Lothar Wieler

Update vom 21. Mai, 10.09 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn, RKI-Präsident Lothar Wieler und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker nehmen in dieser Woche an der Bundespressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage teil. „Die Zahlen machen uns zuversichtlich“, sagte Jens Spahn zum Einstieg angesichts der sinkenden Neuinfektionszahlen und der zunehmenden Impfzahlen.

„Wir sind auf einem guten Weg“, so der Bundesgesundheitsminister. Außerdem hält Spahn daran fest, bis September 2021 allen Impfwilligen ein Impfangebot machen zu können. Bei den kommenden Herausforderungen der Impfungen müsse man „pragmatisch und geduldig“ sein. Das Motto für die nächste Zeit solle sein: „Gelegenheit macht Impfung“. Spahn mahnte, Ärzt:innen und medizinische Fachangestellte nicht zu sehr zu strapazieren und Ärger an ihnen auszulassen, wenn nicht so schnell wie erhofft ein Impftermin möglich ist. „Wenn Sie sauer sein wollen, dann seien Sie im Zweifel sauer auf mich“, sagte der Minister.

Corona in Deutschland: Pressekonferenz mit Jens Spahn und RKI-Präsident

Erstmeldung vom 21. Mai, 08.20 Uhr:

Berlin - In diesen Tagen ist Corona-Lockerungszeit. Immer mehr Bundesländer öffnen verschiedene Bereiche, denn die Neuinfektionszahlen sinken und die Impfquote steigt. In Bayern beispielsweise gelten seit diesem Freitag (21. Mai) neue Regeln, etwa für Sport, Tourismus und Freizeitangebote. Auch anderswo stechen Vorhaben hervor, denn der ein oder andere Ministerpräsident traut sich bereits, einen Schritt weiter zu gehen als andere.

Im Saarland könnten ab 31. Mai etwa Restaurants und Cafés Gäste auch wieder im Innenbereich empfangen, kündigte Landeschef Tobias Hans (CDU) am Donnerstag an. Auch Übernachtungen in Hotels und Pensionen sowie auf Campingplätzen seien dann mit Hygienekonzept und unter Auflagen wieder möglich. Bus- und Schiffsreisen dürften unter anderem wieder loslegen. Bei allen Schritten sei Voraussetzung, dass die landesweite Inzidenz stabil unter 100 liege.

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), stehen nebeneinander mit Maske (Archivbild)
Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) (Archivbild) © Florian Gaertner/photothek/Imago

Niedersachsen will Maskenpflicht im Handel bei Corona-Inzidenz unter 35 aufheben

In Niedersachsen wächst die Hoffnung, bald wieder ohne Maske einkaufen gehen zu können. Die Landesregierung will die Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 nach Pfingsten aufheben. Das geht aus dem Entwurf für eine kurzfristige Lockerung der Corona-Regeln hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Regelung soll schon an diesem Freitag beschlossen werden. Wie es aus der Regierung in Hannover hieß, folgt man damit der Forderung des Handels, weil dieser nach Experteneinschätzung kein Treiber des Infektionsgeschehens sei.

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren müssen derweil künftig in Deutschland im öffentlichen Personennahverkehr oder bei medizinischen Terminen zumindest keine FFP2-Maske mehr tragen, für sie reicht eine OP-Maske. Das hat am Donnerstagabend der Bundestag beschlossen. Der Bundesrat muss dem noch zustimmen.

Corona-Lage: PK mit Gesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler am Freitag

Am Freitagvormittag werden auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Präsident des Robert Koch-Instituts* (RKI), Lothar Wieler, wieder eine Pressekonferenz geben. Dieses Mal sitzt auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit am Tisch. Los geht es um 10 Uhr. Thema wird die aktuelle Corona-Lage sein.

Am Freitag sank die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz* erneut leicht. Laut RKI (Stand: 21. Mai, 5.08 Uhr) liegt der Wert nun bei 67,3 (Vortag: 68,0; Vorwoche: 96,5). Wieler wird vermutlich in der Pressekonferenz weitere Angaben dazu machen, wie verlässlich diese Zahlen aktuell sind. Aufgrund von Feier- und Brückentagen wie in der vergangenen Woche wies das RKI in den letzten Tagen darauf hin, dass möglicherweise weniger Personen einen Arzt aufsuchen, wodurch weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Dies könne dazu führen, dass weniger Erregernachweise an die Gesundheitsämter gemeldet werden. Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 226 neue Todesfälle verzeichnet.

Corona in Deutschland: Schleswig-Holstein mit geringster Sieben-Tage-Inzidenz, Thüringen mit höchstem Wert

Im Vergleich der Bundesländer weist Thüringen weiterhin die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf: Laut RKI-Dashboard am Freitagmorgen liegt das Land als einziges noch über 100 (genauer Wert: 106,4). Dahinter folgen Sachsen (86,6) und Baden-Württemberg (80,2). Die besten Zahlen in diesem Vergleich kann aktuell Schleswig-Holstein vorzeigen: Das Land im Norden liegt bei 30,3. Hamburg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35,3 liegt auf Platz zwei, Mecklenburg-Vorpommern mit 42,3 auf Platz drei. (cibo/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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