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Corona in Deutschland: RKI meldet weiter steigende Zahlen – Lehrer fürchten Durchseuchung der Schulen

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Von: Patrick Huljina

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Der Trend der steigenden Corona-Zahlen in Deutschland setzt sich auch am Donnerstag fort. Lehrer warnen vor einer Durchseuchung der Schulen. Der News-Ticker.

Update vom 26. August, 13.20 Uhr: Der bisherige Wert von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz, der noch im Infektionsschutzgesetz als Schwelle für schärfere Maßnahmen genannt ist, soll nach Plänen der Bundesregierung gestrichen werden. Künftig soll die Zahl der Krankenhausaufnahmen entscheidend sein. Allerdings nicht alleine, wie Ärzte nun fordern.

„So wie wir seit Wochen sagen, dass die Inzidenz nicht alleiniger Indikator sein kann, so gilt das jetzt auch für die Hospitalisierung“, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DIVI), Christian Karagiannidis, erklärte der Rheinischen Post: „Das Signal, das vom Streichen des Inzidenzwerts 50 ausgeht, ist kritisch. Natürlich hat sich die Bedeutung verändert, wir sollten den Inzidenzwert aber keinesfalls aufgeben.“

Auf der Covid-19-Station, einem Bereich der Operativen Intensivstation vom Universitätsklinikum Leipzig versorgen Intensivmediziner Patienten.
Mediziner fordern, den Fokus in der Corona-Pandemie künftig nicht ausschließlich auf die Krankenhausbelegung zu legen. (Symbolbild) © Waltraud Grubitzsch/dpa

Er halte einen „Dreiklang“ aus Inzidenzen, Krankenhausfällen und Intensivbettenbelegung für wichtig, so Karagiannidis. Gaß erklärte ebenfalls, dass es notwendig sei, verschiedene Indikatoren nebeneinander qualitativ zu betrachten. Nur so können man sich ein wirkliches Bild von der Infektions- und Gefahrenlage im Gesundheitswesen machen. Man müsse dabei auch die Impfquote und die Dynamik der jeweiligen Parameter berücksichtigen.

In Österreich füllen sich derzeit die Covid-Stationen der Krankenhäuser – ein Trend, der auch in Deutschland zu beobachten ist*.

Corona in Deutschland: Zahlen steigen weiterhin an

Erstmeldung vom 26. August: Berlin - Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen weiterhin an. Am Donnerstagmorgen (26. August) meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 12.626 Neuinfektionen*. Dabei fehlen bislang allerdings noch die Zahlen aus Hamburg. Ob diese im Laufe des Tages nachgereicht werden, ist bislang unklar. Bereits beim aktuellen Stand ist die Zahl der neuen Ansteckungen um 4226 höher als noch am Donnerstag der Vorwoche (19. August).

Die Sieben-Tage-Inzidenz* ist ebenfalls erneut angestiegen. Das RKI meldete am Donnerstag einen bundesweiten Wert von 66,0. Am Mittwoch (25. August) lag die Inzidenz noch bei 61,3. Sollten die Zahlen aus Hamburg noch nachgemeldet werden, dürfte sich auch der Inzidenzwert noch weiter erhöhen. Ebenso wie möglicherweise die Zahl der neuen Todesfälle, die aktuell bei 21 liegt.

Corona in Deutschland: Lehrerverbands-Chef warnt vor „Durchseuchung der Schulen“

Laut Einschätzung des RKI und vieler Experten steht Deutschland am Beginn einer vierten Welle der Corona-Pandemie*. In einigen Bundesländern hat der Schulunterricht bereits wieder begonnen, in anderen dauern die Ferien nur noch wenige Wochen. Schulschließungen und Homeschooling, wie es im vergangenen Schuljahr häufig praktiziert werden musste, sollen vermieden werden. Ein möglichst vollständiger Präsenzunterricht sei das Ziel, allerdings nicht um jeden Preis, wie Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, nun erklärte.

„Auch wenn Kinder seltener schwer erkranken, dürfen wir eine Durchseuchung der Schulen nicht zulassen“, sagte Meidinger der Augsburger Allgemeinen. „Wir wollen es als Lehrerverband auch, dass Präsenzunterricht beim Schulstart möglichst vollständig stattfindet, aber nicht, indem man Gesundheitsschutzmaßnahmen herunterfährt und vor der Infektionsgefahr an Schulen kapituliert“, stellte er klar.

Ein leeres Klassenzimmer.
Schulschließungen sollen vermieden werden, aber nicht um jeden Preis. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa

Corona in Deutschland: Meidinger spricht von bis zu 180.000 Kindern in Krankenhäusern

Neuere Studien hätten herausgefunden, dass zwischen 0,3 bis 1,7 Prozent der mit Corona infizierten Kinder im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Bezogen auf Deutschland bei knapp elf Millionen Schülern hieße das, dass zwischen 30.000 und 180.000 in Krankenhäusern behandelt werden müssten, von eventuellen Long-Covid-Folgen mal völlig abgesehen“, rechnete der Lehrerpräsident vor. „Das, glaube ich, darf kein Politiker verantworten.“

Meidinger warf der Politik auch in der Vorbereitung auf das neue Schuljahr schwere Versäumnisse vor. „Das fängt damit an, dass bis heute nicht klar ist, nach welchen Vorgaben, Kriterien und Regeln der Schulunterricht laufen soll. Es setzt sich fort bei dem Trauerspiel um die Anschaffung von Raumluftfilteranlagen (...). Und es endet damit, dass wir immer noch bei der digitalen Infrastruktur der Schulen große Defizite haben, fast die Hälfte hat nach wie vor kein schnelles Internet“, ließ er seinem Frust freien Lauf. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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