Eine alleinerziehende Mutter hilft ihrer zwölfjährigen Tochter beim Homeschooling und hält dabei ein Smartphone in der Hand.
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Typische Homeschooling-Szene: Apps sind oft Teil des Lernens.

„Schlimme Situation“

Corona-Homeschooling: Lern-App-Panne - selbst Fremde hätten sich als Lehrer ausgeben können

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Im Corona-Alltag gehören Apps zum Lernen dazu. Eine weit verbreitete Anwendung wies nun eine Schwachstelle auf - der Anbieter musste reagieren.

  • Die „Anton“-App ist für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 gedacht und verzeichnet allein für Android mehr als eine Million Downloads.
  • Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU*) hatte die unter anderem in Deutschland*, Österreich* und der Schweiz genutzte Lern-App als „gut“ bezeichnet.
  • Nun deckten BR-Journalisten eine Sicherheitslücke in der Anwendung auf.

München - Im corona*-bedingten Homeschooling spielen Lern-Apps eine große Rolle - in einer von ihnen, der bundesweit verbreiteten Lern-App „Anton“, hat es jetzt jedoch offenbar eine schwere Sicherheitslücke gegeben. Das ergaben Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR). Dem Bericht zufolge hätten sich Außenstehende theoretisch als Lehrkraft ausgeben und einzelne Schüler oder Gruppen kontaktieren können.

Nicht mit einem Passwort oder ähnlichem geschützt waren dem Bericht zufolge etwa folgende Daten:

  • Vor- und Nachname
  • Schule
  • Klassenzugehörigkeit
  • Lernfortschritte

Der Anbieter, der Berliner Entwickler „Solocode“, hat die Sicherheitslücke nach eigenen Aussagen nach dem Hinweis der BR-Journalisten umgehend behoben.

Lernen in der Corona-Krise: Sicherheitslücke in Homeschooling-App

Bayerns Datenschutzbeauftragter, Thomas Petri, bezeichnete den Vorfall gegenüber dem BR als „schlimme Situation“. Kinder seien besonders schutzwürdig. Er sagte weiter, dass derartige Sicherheitslücken in der Vergangenheit bereits missbraucht wurden, „um entweder die Lehrkräfte zu beleidigen oder Schulkinder zu verängstigen oder zu belästigen“ - kriminelle Betrugsversuche kämen hinzu.

Der „Anton“-App-Entwickler räumte die Sicherheitslücke auf BR-Anfrage ein. Nach aktuellem Kenntnisstand sei jedoch „kein Missbrauch potenziell unberechtigt abrufbarer personenbezogener Daten erfolgt“. Derzeit gehe man möglichen Missbrauchsversuchen nach und werde Schulen, Nutzer und die Datenschutzbeauftragten umgehend informieren. „Der Datenschutz und die Sicherheit von Nutzerdaten ist uns ein wichtiges Anliegen“, so das Unternehmen.

Corona in Deutschland: Schulen suchen Lern-Apps selbst aus

Die von der EU und der Berliner Senatsverwaltung finanziell geförderte „Anton“-App erhebt laut Tagesschau wenige Nutzerdaten und gilt als grundsätzlich datenschutzfreundlich.

Warum blieb die Schwachstelle bis jetzt unentdeckt? Das Bundesbildungsministerium* gab dem Bericht zufolge an, bei Apps keine Prüfung auf Sicherheitslücken vornehmen zu können, ähnlich äußerte sich das bayerische Kultusministerium. Die Sicherheit einer App sei Aufgabe des Anbieters, hieß es - die Auswahl der Apps von Drittanbietern treffe jede Schule selbst.

Lehrerverband fordert „scharfes Genehmigungsverfahren“ für Lern-Apps

„Die Verantwortung, was wir da verwenden und ob das datenschutzkonform ist, können wir nicht tragen“, sagte der Tagesschau zufolge indes die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann. Sie fordert deshalb „ein scharfes Genehmigungsverfahren für alle diese im Netz befindlichen Lernplattformen“. Die Kultusministerkonferenz arbeite an einem Prüfverfahren für digitale Bildungsmedien.

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