Corona in Deutschland

RKI ändert Teststrategie: Wer wird jetzt auf Corona getestet?

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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„Testen, Testen, Testen“, lautete das Motto im Kampf gegen Corona in Deutschland - bisher. Doch es gibt Grenzen. Jetzt hat das Robert-Koch-Institut (RKI) die Kriterien für Corona-Tests angepasst.

  • Die Coronavirus*-Pandemie fordert Deutschland seit Monaten heraus.
  • Corona-Tests* sind im Kampf gegen Sars-CoV-2 ein wichtiger Bestandteil der Strategie.
  • Für den Herbst und Winter warnt das Robert-Koch-Institut* (RKI) vor einer Überlastung - die Folgen hat.

Berlin - Corona-Tests waren zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland eher rar, die Kriterien dafür hoch. Doch um eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 nachzuweisen, galt und gilt der sogenannte PCR-Test als Goldstandard.

Inzwischen gehören Corona-Test quasi zum Alltag. Im Sommer konnten sich Reiserückkehrer an der Grenze umsonst auf Sars-CoV-2 testen lassen. Die Labore in Deutschland haben aufgerüstet. Pro Tag können 289.310 Corona-Test in Deutschland laut Robert-Koch-Institut (RKI) durchgeführt werden - in der Woche wären theoretisch 1.900.642 PCR-Tests möglich. Vergangene Woche wurden bereits 1,4 Millionen PCR-Tests gemacht, geht aus dem RKI-Lagebericht (4. November) hervor.

Doch die Labore in Deutschland sind langsam an ihren Grenzen. Schon im August forderten Experten eine neue Corona-Teststrategie. Die Tests sind wichtig, um die Lage in Deutschland und das Infektionsgeschehen sicher und präzise zu erfassen. Doch die Labore klagten damals schon über Materialengpässe, auch Personal fehlte. Inzwischen sind die Labor-Kapazitäten ausgereizt. Dazu gibt es gerade einen Rückstau bei der Auswertung der PCR-Proben, berichtet das RKI.

RKI: Corona-Testkapazitäten sind begrenzt

Es gibt Grenzen bei den Corona-Testmöglichkeiten, betont das RKI. Alle Menschen mit Erkältungssymptomen wie Husten oder Schnupfen und Halsschmerzen auf Sars-CoV2 zu testen, sei angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland schwierig. In den Wintermonaten müssten pro Woche bis zu drei Millionen Erwachsene und Kinder getestet werden, rechnet das RKI vor. Und legt dafür Zahlen der vergangen Jahre aus Arztpraxen zugrunde. Allein bei Kindern zwischen 0 bis 15 Jahren wäre demnach mit einem Testaufkommen von 900.00 und 1,5 Millionen Test pro Woche zu rechnen.

Drei Millionen Tests pro Woche - „das ist weder möglich noch erforderlich“, sagt RKI-Vize Lars Schaade am Dienstag in Berlin, berichtet die Nachrichtenagentur dpa sind nach Ansicht des RKI weder nötig noch erforderlich. Deshalb hat das RKI seine Corona-Testkriterien für den Herbst und Winter 2020/21 angepasst. Weiterhin habe der Schutz von verwundbaren Gruppen und Risikopatienten eine Priorität. Auch gibt es laut RKI „Superspreading“-Ereignisse, die in besonderer Weise in der Lage sind, die Inzidenz rasch zu erhöhen.

Symptome, die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe und die Wahrscheinlichkeit, dem Coronavirus ausgesetzt (Expositionswahrscheinlichkeit) gewesen zu sein, sind nun wichtige Kriterien für einen Corona-Test. Liegt mindestens eins der folgenden Kriterien vor, empfiehlt das RKI einen Test durchzuführen. Die neue RKI-Richtlinie ist eine Empfehlung für Ärzte.

Neue Corona-Test-Kriterien des RKI

  • bei schweren Symptomen ( Bronchitis oder Pneumonie, Atemnot oder Fieber)
  • Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns
  • bei unklaren Symptomen und Kontakt zu nachgewiesenen Covid-19-Fall

Bei leichteren Symptomen von Atemwegserkrankungen sollen Personen in Zukunft nach Empfehlung des RKI nur getestet werden:

  • bei der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe
  • bei einer Tätigkeit in Pflege, Arztpraxen oder Krankenhaus
  • Kontakt zu einem nachgewiesen Covid-19-Fall
  • Kontakt im Haushalt oder zu einem Cluster von Personen mit akuten Symptomen ungeklärter Ursache
  • Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet oder Gebiet mit hoher lokaler Inzidenz (> 35/100.000)
  • Weiterhin enger Kontakt zu vielen Menschen, wie Lehrer, Trainer oder Erzieher oder zu Risikopatienten

„Wir sind noch mitten im Marathon“, sagte Schaade laut dpa. Er appellierte an die Bürger, die Verhaltensregeln einzuhalten. Nähme die Fallzahl weiter so schnell zu wie zuletzt - mit einer Verdoppelung innerhalb von zehn Tagen -, gäbe es nach seinen Worten 400.000 Fälle pro Tag bis Weihnachten.

Coronavirus - Was ist ein PCR-Test?

Ein PCR-Test (engl. Polymerase chain reaction/ Polymerase Kettenreaktion) dient dem Nachweis einer aktuellen Coronavirus-Infektion. Diese in Deutschland entwickelte Methode zum Virusnachweis gilt nach wie vor als der „Goldstandard“.

Für PCR-Tests werden Proben entweder tief im Rachen oder im Nasenraum genommen. Mit einem PCR-Test wird im Labor nachgewiesen, ob Erbmaterial (RNA) des SARS-CoV-2-Erregers im Abstrichmaterial vorhanden und das eine Infektion mit dem Coronavirus vorhanden ist. Vereinzelt werden auch Proben aus Gurgelwasser verwendet. Das Verfahren ist sehr empfindlich und damit genau, aber aufwändig. Der PCR-Test sagt nichts darüber aus, in welchem Stadium der Infektion sich der Patient befindet oder jemand an Covid-19 Symptome aufweist.

Auf Lockdown verzichten und stattdessen nur auf den Schutz von Risikogruppen setzen? In der neuen Folge des NDR Corona-Podcast lehnt Virologin Sandra Ciesek diese Strategie ab. Auch die Gesellschaft für Virologie um Christian Drosten äußerte sich. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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