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Auch immer mehr Geimpfte auf Intensivstationen – was die Zahlen aussagen

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Von: Franziska Schwarz

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Ein Patient liegt im November 2021 auf der Covid-19-Intensivstation in einem Klinikum in Gera in Thüringen.
Auch gegen Corona Geimpfte müssen auf der Intensivstation behandelt werden, aber ihr Anteil ist viel geringer. © Bodo Schackow/dpa

Auch Menschen, die vollständig gegen Corona geimpft sind, können erkranken und müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Es handelt sich dabei aber vor allem um eine Gruppe.

München - Die Zahl der Corona-Toten in Deutschland steigt aktuell wieder. Unter ihnen sind auch vollständig Geimpfte. Im Freistaat Bayern etwa, der bundesweit mit die höchste Inzidenz hat, lag ihre Quote im Oktober bei gut 30 Prozent. Wie ist das zu erklären?

Das Phänomen kommt durch mehrere Faktoren zustande. Die wichtigsten:

Im wöchentlichen Lagebericht (immer Donnerstags) liefert das RKI aktuelle Zahlen für Deutschland. Im jüngsten vom 11. November listet die Behörde die wahrscheinlichen Impfdurchbrüche mit Symptomen nach Altersgruppe auf. Die folgenden Zahlen beziehen sich auf die Kalenderwochen 41 bis 44.

Bei den Über-60-Jährigen unter den Covid-19-Intensivpatienten rechnet das RKI damit, dass 36,0 Prozent von ihnen vermutlich einen Impfdurchbruch erlitten haben. In der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen lag dieser Anteil bei nur 12,9 Prozent. Ältere Menschen erkranken aber auch schwerer. Die höchste Hospitalisierungsrate verzeichne man aktuell bei den Über-80-Jährigen, unter denen auch die Inzidenz aktuell „sprunghaft“ ansteige.

DKG zur Corona-Lage: „Impfdurchbrüche fast ausschließlich bei Älteren“

Dass im Laufe der Zeit mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, stufte das RKI schon früh als „erwartbar“ ein, da generell immer mehr Menschen geimpft sind und sich der Sars-CoV-2-Erreger wieder vermehrt ausbreitet. Die Präsidentin der Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, sagte bei tagesschau24, dass nur 0,3 Prozent der Geimpften offenbar einen Impfdurchbruch hätten. Von der Gesamtanzahl der Impfdurchbrüche müssten nur etwa vier Prozent in eine Klinik.

Und: „Impfdurchbrüche zeigen sich fast ausschließlich nur bei Älteren.“ Darauf weist die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hin. Ursache ist wahrscheinlich die nachlassende Wirkung der Impfung. Die Stiko empfiehlt die Booster-Impfung aktuell vor allem für Über-70-Jährige.

Nur eine Minderheit hat sie bislang erhalten. Deshalb steigt der Altersdurchschnitt der Intensivpatienten wieder an. Im September 2021 waren laut DKG mehr als 90 Prozent der Covid-19-Intensivpatienten ungeimpft, Anfang November dagegen nur noch 74 Prozent.

Die Wichtigkeit der Impfung im Kampf gegen die Pandemie mindern diese Zahlen nicht. Das betonen Experten immer wieder. „Entscheidend für den Winter sind aus meiner Sicht breit angelegte Booster-Impfungen bei Menschen, deren Impfung mehr als sechs Monate zurückliegt“, sagte jüngst der Münchner Infektiologe Christoph Spinner. Dadurch ließen sich Studien zufolge bis zu 95 Prozent symptomatischer Infektionen verhindern.

Corona: Inzidenz für Geimpfte und Ungeimpfte getrennt ausweisen?

Uneinigkeit herrscht noch, ob man die Inzidenz getrennt für Ungeimpfte und Geimpfte ausweisen sollte. Denn diese Berechnung ist mit vielen Unsicherheiten behaftet, berichtet der NDR unter Berufung auf befragte Experten. Fraglich wäre zum Beispiel, welchem Impfstatus man dann einer Person zuordnen müsste, die sich nach der Erstimfpfung, aber vor der Zweitimpfung mit Corona ansteckt.

Die Ampel-Parteien (SPD, Grüne und FDP) fordern nun, das Intensivregister anzupassen, um genauere Daten zu erhalten, wie viele Corona-Intensivpatienten bereits geimpft sind. Betrieben wird das Intensivregister vom RKI und von der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Lockerungen: „Vor einem Jahr waren die Einschränkungen strenger“

Der Statistiker Prof. Christian Hesse ist sich im Gespräch mit „Bild TV“ sicher: „Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften. Auf einen Corona-Fall eines Geimpften kommen zehn Corona-Fälle von Ungeimpften.“ Und ohne Impfung könnten die Zahlen noch viel höher sein: „Wenn man jetzt hypothetisch annimmt, dass nach wie vor niemand geimpft wäre, dann müsste man mit Inzidenzen rechnen, die um die 1000 liegen.“

Zur Quote der ungeimpften Intensivpatienten in der Pandemie trägt vermutlich noch etwas anderes bei. Der Infektiologe Prof. Dr. Peter Kremsner sagte zu bild.de: „Ich schätze, es ist einerseits die Delta-Variante, die wesentlich infektiöser ist. Dann natürlich noch die Lockerungen. Vor einem Jahr waren die Einschränkungen strenger.“ (frs mit Material der dpa)

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