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Wettlauf gegen Corona-Mutanten „längst verloren“: Virologin warnt vor Lockerungen

  • Marc Dimitriu
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Die Virologin Brinkmann warnt vor Lockerungen im Februar und zeichnet ein Horror-Szenario für das restliche Jahr. Außerdem erklärt sie den Kampf gegen die Corona-Mutationen als gescheitert.

Braunschweig - Die Corona-Zahlen sinken stetig. Sowohl die Neuinfektionen, Inzidenzen, Anzahl der Toten und die Belastung in den Krankenhäusern gehen runter. Bei vielen Menschen regt sich die Hoffnung auf Besserung und somit auch die Hoffnung auf Lockerungen. Doch Experten warnen vor vorzeitigen Öffnungen und auch die Politiker mahnen zur Geduld.

Corona in Deutschland: „Fatal“ - Virologin Brinkmann warnt vor Lockerungen im Februar

Auch die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum hält nichts von einer Lockerung der Corona-Maßnahmen Mitte Februar. Die Hoffnung, man könne „mit einer Inzidenz von knapp unter 50 Maßnahmen lockern und dabei das Virus im Zaum halten“, sei „fatal“, sagte sie dem Spiegel laut Vorabmeldung vom Freitag. „Mit diesem Kurs haben wir keine Chance. Die Zahlen würden sofort wieder steigen.“

Das wiederum werde zu ständig neuen Lockdowns noch „bis ins Jahr 2022 hinein“ führen, warnte die Expertin. Die derzeitigen Corona-Maßnahmen gelten noch bis 14. Februar. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Bundesländer wollen am kommenden Mittwoch besprechen, wie es weiter geht. Brinkmann gehört zum Team von Experten, die die Kanzlerin und die Landesregierung in der Pandemie beraten. Merkel hörte in der Vergangenheit oft auf die Empfehlungen der Experten, die von anderen Politikern als zu radikal angesehen wurden.

Corona in Deutschland: Virologin spricht von Niederlage gegen Mutation - „Wettlauf ist längst verloren“

Brinkmann verwies auf die Kombination aus langwieriger Impfkampagne und mutierten Varianten des Coronavirus. „Bis September ist vielleicht die Hälfte der Bevölkerung geimpft, wenn alles top läuft“, sagte sie. Ohne harten Lockdown werde das unweigerlich dazu führen, dass sich die neuen, ansteckenderen Mutanten vorher durchsetzen. „Wir kriegen niemals genügend Menschen geimpft, bevor die Mutanten durchschlagen“, sagte die Virologin. „Dieser Wettlauf ist längst verloren.“

Eine Aussage die so deutlich noch nicht kundgetan wurde. RKI-Chef Lothar Wieler äußerte sich bei der Bundespressekonferenz am 5. Februar nicht zu einem so langen Lockdown und sprach sogar von vorsichtigen Lockerungen mit Konzepten. Jedoch warnte Wieler ebenfalls vor den Mutationen: „Diese Varianten haben dem Virus einen Boost gegeben. Deshalb ist es wichtig, dass Lockerungen - etwa in Kitas und Schulen - nur mit Konzepten geschehen.“ Auch Gesundheitsminister Spahn will keine Beschränkungen, die über den ganzen Winter gehen: „Man muss regional unterschiedlich agieren und reagieren können. Wir können nicht den ganzen Winter in diesem harten Lockdown bleiben.“

Corona in Deutschland: Virologin wirbt für harten Lockdown bis Ostern - Söder ebenfalls vorsichtig

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnt jedoch auch mit Blick auf die Debatte um Lockerungen vor überhasteten Festlegungen. Aufgabe sei jetzt, die Kraft aufzubringen, um die Therapie ohne einen erneuten Rückfall beenden zu können. „Keiner, der jetzt für Lockerungen eintritt, handelt falsch. Aber wir müssen den Zeitpunkt richtig definieren.“

Das Impfen werde „uns erst aus der Pandemie befreien, wenn sie weltweit abflaut“, führte Brinkmann aus. „Und das wird uns 2022 noch beschäftigen - und wahrscheinlich noch darüber hinaus.“ Die Virologin ist Teil der Forscherinnen- und Forscherinitiative „No Covid“. Die Virologin plädierte im Spiegel für einen harten und konsequent kontrollierten Lockdown, um die Sieben-Tage-Inzidenz unter zehn zu drücken. Das sei bis Ostern zu schaffen; erst danach solle mit Öffnungen begonnen werden, sagte sie. (md mit AFP)

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