Carola Holzner, leitende Oberärztin am Universitätsklinikum Essen, steht neben einem Rettungswagen.
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Carola Holzner, leitende Oberärztin am Universitätsklinikum Essen, steht neben einem Rettungswagen.

Weihnachtsfeiertage

Corona in Deutschland: Kommt das Schlimmste erst noch? Notärztin äußert dramatische Befürchtung

  • Jennifer Kuhn
    vonJennifer Kuhn
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Deutschland ist im zweiten Lockdown. Derzeit wird empfohlen, sich in Selbst-Quarantäne zu begeben. Eine Notärztin in Essen befürchtet Schlimmes.

  • Notärztin Carola Holzner mit schlimmer Befürchtung um Weihnachten.
  • Auch junge Menschen liegen mit dem Coronavirus auf den Intensivstationen.
  • Nächste Corona-Welle wird nach den Weihnachtsfeiertagen vermutet.

Essen - Seit dem 16. Dezember ist Deutschland im zweiten Lockdown. An überfüllte Städte und Läden ist in der aktuellen Corona-Pandemie nicht mehr zu denken. Dennoch laufen in Krankenhäusern und vor allem auf den Intensivstationen die Arbeiten auf Hochtouren. Die Infektionszahlen steigen. Patienten auf den Intensivstationen brauchen Hilfe, müssen rund um die Uhr versorgt werden. Die Weihnachtsfeiertage rücken immer näher - doch die Vorfreude auf ein besinnliches Fest ist vor allem in Kliniken und Krankenhäuser nicht vorhanden. Notärztin Carola Holzner ist leitende Oberärztin der zentralen Notaufnahme Nord des Uniklinikums in Essen. Sie hat Sorgen und große Befürchtungen, dass es an Weihnachten sogar noch schlimmer werden könnte.

Corona: Notärztin berichtet - Patienten von jung bis alt auf den Intensivstationen

Wer zum Teil denkt, dass sich nur ältere oder vorerkrankte Menschen mit dem Coronavirus infizieren können, liegt falsch. Notärztin Carola Holzner äußert sich zu dieser Aussage: „Was heißt denn: Es trifft nur die Älteren? Wenn mit Treffen gemeint ist, beatmungspflichtig an einer Lungenersatzmaschine auf einer Intensivstation in Bauchlage intubiert zu werden, dann kann es sein, dass – statistisch gesehen – vermehrt Ältere aus der Risikogruppe dort liegen“, erzählt sie im Interview mit Focus. „Nichtsdestotrotz liegen auch junge, nicht vorerkrankte Menschen ebenfalls auf Intensivstationen“, warnt die Oberärztin. Schließlich sieht sie jeden Tag die Patienten, die auf die Intensivstationen kommen und behandelt werden müssen.

Corona: Notärztin verdeutlicht die heftigen Folgeschäden des Coronavirus

Das Coronavirus betrifft uns alle, weltweit. Das Leben und der Alltag sind eingeschränkt. Einfache Treffen mit der Familie und mit den Freunden, Konzerte und Reisen können derzeit nicht mehr so einfach geplant werden. „Ich finde, dass alltägliche Einschränkungen, die dazu führen, dass man ein normales Leben, das man vorher leben konnte, jetzt durch Corona nicht mehr leben kann, ist für mich genauso ein ,Treffen‘“, so Holzner. Die Folgeschäden, die Covid-19 hinterlässt, seien ebenfalls ein Thema, an dem Ärzte und Forscher täglich arbeiten. Denn: pauschale Aussagen und Auswirkungen des Virus können nicht einfach so getroffen werden, sondern müssen durch ständige Neu-Untersuchungen immer wieder erforscht werden. Anfang des Jahres und zum Start der ersten Coronavirus-Welle, konnte man dennoch die ersten Folgeschäden erkennen: „Da sind Herzerkrankungen, Herzmuskelentzündungen, aber auch dauerhafte Atemnot, anhaltende Beschwerden beim Atmen, Brennen beim Atmen, Geschmacksstörungen, Thrombosen oder ähnliches beschrieben worden“, erklärt die Oberärztin.

Corona-Angst an Weihnachten: Feiertage bereiten Notärztin Carola Holzner große Sorgen

„Ich bin gespannt, ob sich da jetzt durch die hohen Infektionszahlen noch andere Dinge herauskristallisieren“, gibt Holzner zu. Doch allein die Aussage, dass es Folgeschäden gibt, sollte uns zu denken geben. Dabei sollten wir mehr auf unser Umfeld und unsere Mitmenschen achten. Große Sorgen macht sich die Notärztin um die Weihnachtsfeiertage - der Grund: nach den Feiertagen könnten die Fallzahlen aus Sicht von der Notärztin jedoch weiter ansteige: „Ich glaube, dass – und da müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen – wir oft die eigenen Interessen über die Allgemeinheit stellen.“ Die größte Sorge und eine Befürchtung von Notärztin Carola Holzner: „Und ich glaube, der Hammer kommt dann erst, so etwa 14 Tage bis drei Wochen nach den Weihnachtsfeiertagen und nach Silvester. Da bin ich wirklich gespannt“, so Holzner. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich 1.454.009 Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert (Stand 18. Dezember). (jkuh)

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