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Corona-Zahlen eigentlich viel höher? RKI-Chef Wieler erklärt Faktor und ist in großer Sorge vor Omikron

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Von: Bettina Menzel, Jennifer Lanzinger

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Mehr als 74.000 Neuinfektionen hatte das Robert Koch-Institut am Freitag gemeldet, doch könnten die Zahlen tatsächlich noch viel höher sein? RKI-Chef Wieler und Bundesgesundheitsminister Spahn informieren.

Update vom 3. Dezember, 14.00 Uhr: Jens Spahn bezog in seiner letzten Pressekonferenz als Gesundheitsminister auch Stellung zur Impfpflicht. Er habe eine „grundsätzlich sehr skeptische Haltung, was eine allgemeine Impfpflicht angeht“. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass er bei diesem Thema sein Wort gegeben habe. „Das wird auch mein Abstimmungsverhalten bestimmen“, sagte er weiter. Es ist demnach davon auszugehen, dass Spahn gegen eine Impfpflicht stimmen wird.

Der Bundestag soll Anfang 2022 ohne Fraktionszwang für Abgeordnete über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht abstimmen, so der Plan der Bundesregierung. Zudem soll der Ethikrat bis Ende dieses Jahres eine Empfehlung zur Impfpflicht-Frage vorlegen.

Update vom 3. Dezember, 11.10 Uhr: „Wir werden die Pandemie nicht beenden, bevor nicht jeder einen Immunschutz hat“, sagte Lothar Wieler in der Pressekonferenz am Freitagmorgen. Besser man hole sich den Immunschutz durch eine Impfung. Die Pandemiebekämpfung sei ein Baukasten verschiedener Maßnahmen, die man parallel fahren müsse.

Die Entwicklung in Ländern wie Portugal und Spanien, die eine höhere Impfquote haben, zeige deutlich, dass die Pandemieentwicklung nicht monokausal sei, sagte Jens Spahn. „Ich kann immer nur sagen, die Pandemie als das zu nehmen, was sie ist, nämlich: eine ziemlich komplexe Herausforderung. Es ist Teil der Strategie sich immer wieder an die dynamische Lage anzupassen. Nicht einfach zu sagen, das und das ist für die nächsten sechs Monate fix“, erklärte Spahn die Strategie. Er nannte zudem einen konkreten Punkt, der in der Vergangenheit einen Unterschied hätte machen können - angesichts von etwa zwölf Millionen ungeimpften Erwachsenen: „Wir hätten mit größerer Konsequenz früher den Unterschied zwischen ungeimpft und geimpft machen müssen“, so Spahn.

Update vom 3. Dezember, 11.00 Uhr: Auf die persönliche Meinungsäußerung des STIKO-Mitglieds Thomas Mertens angesprochen, dass er seine Tochter nicht impfen wolle, sagte Lothar Wieler, dass die STIKO aus 18 Mitgliedern bestünde, die auf Basis von wissenschaftlichen Daten entscheiden. In der Begründung der Entscheidung stünden dann alle relevanten Aspekte. „Die STIKO macht das in dieser Arbeitsbelastung seit einem Jahr und ich bin der STIKO mehr als dankbar, für das was sie leisten“, so Wieler. Jens Spahn äußerte die Vermutung, dass Mertens missverstanden worden sei.

„Medikamente können wichtige Rolle bei Pandemie-Bekämpfung spielen“

Update vom 3. Dezember, 10.45 Uhr: Medikamente können in Zukunft bei der Corona-Bekämpfung eine große Rolle spielen, erklärte der geschäftsführende Gesundheitsminister auf der Pressekonferenz am Freitag. „Wir haben ein großes Interesse an Therapeutika. Immer wenn wir einen aussichtsreichen Kandidaten hatten, haben wir uns diesen gesichert“, so Spahn.

RKI-Chef: „Gehen von Untererfassung der Inzidenzen mit Faktor zwei oder drei aus“

Update vom 3. Dezember, 10.20 Uhr: Der RKI-Chef Lothar Wieler wies ebenfalls daraufhin, dass das Plateau der Zahlen in den vergangenen Tagen auf eine Untererfassung in manchen Bundesländern zurückzuführen sein könnte. Von einer Entspannung der Lage könne nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil. „Etwas mehr als ein Prozent der Bevölkerung ist aktuell infiziert, wir gehen von einer Untererfassung mit dem Faktor zwei oder drei aus“, erklärt Wieler die momentane Corona-Lage und ergänzt: „In diese Notlage platzt jetzt auch noch Omikron. Klar ist, dass Omikron in Deutschland angekommen ist“.

Omikron könne möglicherweise ansteckender sein und auch Geimpfte und Genesene leichter infizieren als die bisher dominante Delta-Variante. „Omikron könnte zu noch mehr Fällen führen als Delta und das in einem Moment, in dem das Gesundheitssystem bereits überlastet ist. Wir haben keine Zeit zu verlieren“, so Wieler. Er lobte auch jene, die die Maßnahmen mittragen würden: „Ich bin sehr dankbar, dass viele Menschen sich verantwortungsvoll verhalten.“

Spahn: „Lage auf Intensivstationen wird rund um Weihnachten traurigen Höhepunkt erreichen“

Update vom 3. Dezember, 10.18 Uhr: „Selbst dann, wenn die Beschlüsse von gestern schon morgen Wirkung zeigten: Ein Teil der Infizierten von gestern, von vorgestern, von heute wird sich sicher auf den Covid-19-Intensivstationen wiederfinden“, so Spahn. Deutschland werde die Zahl von über 5.000 Covid-Intensivpatienten deutlich übersteigen. „Die Lage auf den Intensivstationen wird – sofern die Maßnahmen greifen – rund um Weihnachten ihren traurigen Höhepunkt erreichen.“

Update vom 3. Dezember, 10.15 Uhr: Die Maßnahmen kamen spät, aber immerhin sei die Entscheidung jetzt getroffen worden, sagte Jens Spahn in der Pressekonferenz am Freitag. Jetzt müssen die Länder die am Donnerstag vereinbarten strengeren Corona-Regeln konsequent anwenden, so Spahn: „Jetzt geht es darum, die Vorgaben umzusetzen, zu kontrollieren und sie auch, so schwer es manch einem in seinem Alltag fällt, zu akzeptieren.“ Am Donnerstag hatte der Bund-Länder-Gipfel weitere Einschränkungen vor allem für Ungeimpfte beschlossen.

„Wären alle Erwachsenen geimpft, steckten wir nicht in dieser Lage“, machte Spahn deutlich. „Wir hätten viel früher diese Konsequenz mit Ungeimpften an den Tag legen müssen, denn sie treffen diese Entscheidung nicht nur mit Folgen für sich selbst, sondern auch für alle anderen. Das haben die letzten Wochen schmerzhaft gezeigt.“

Jens Spahn: „30 Millionen Impfungen bis zum Jahresende geplant: Genügend Impfstoff ist vorhanden!“

Update vom 3. Dezember, 10.10 Uhr: Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnt, dass die Corona-Inzidenzen noch nicht ihre Höchststände erreicht haben. Doch er bringt bei der Pressekonferenz am Freitag auch gute Nachrichten mit. Die Impfkampagne gewinne wieder an Fahrt. Erstmals seit Langem habe es wieder eine Million Impfungen pro Tag gegeben, so Spahn am Freitagmorgen bei der Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage. Das sei das letzte Mal am 7. Juli der Fall gewesen. Von 55 Millionen vollständig geimpften Erwachsenen in Deutschland haben etwa zwölf Millionen die Booster-Impfung* bereits erhalten. „Das Ziel von 30 Millionen Impfungen werden wir bis zum Ende des Jahres erreichen.“ Am Impfstoff werde es nicht scheitern, genügend Vakzine seien vorhanden, so Spahn.

Sind die Corona-Zahlen eigentlich viel höher? Auf die Untererfassung der aktuellen Inzidenzen angesprochen, wies der geschäftsführende Gesundheitsminister darauf hin, dass es von Beginn der Pandemie an eine Untererfassung gegeben habe, da nicht alle Menschen, die positiv waren, getestet wurden. Aktuell sei die Laborkapazität am Limit, der begrenzende Faktor sei auch hier das Personal. Die Gesundheitsämter könnten ebenso nicht immer taggleich die Fälle melden, deshalb komme es häufig zu Nachmeldungen. Die Infektionszahlen zu senken sei eine gute Methode, um diese Untererfassung zu bekämpfen, so Spahn. Hier könne jeder einzelne etwas beitragen.

RKI: Inzidenzen könnten aufgrund einer Untererfassung höher liegen

Erstmeldung: Berlin - Die Corona*-Zahlen steigen seit Wochen unaufhörlich und auch am Freitag, 3. Dezember 2021, meldet das Robert Koch-Institut mehr als 74.000 Neuinfektionen. Doch könnten die Zahlen tatsächlich bereits viel höher als bislang angenommen sein, das Robert Koch-Institut äußert erste Bedenken. Am Freitag informieren RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einer Pressekonferenz.

Corona-Lage spitzt sich weiter zu: Zahlen eigentlich viel höher? RKI-Chef Wieler und Spahn kündigen PK an

Wie das RKI bereits am Donnerstagabend in seinem Wochenbericht deutlich gemacht hatte, fällt die Beurteilung der in den vergangenen Tagen gesunkenen Corona-Zahlen schwer. Der starke Anstieg der 7-Tage-Inzidenz in den letzten Wochen hat sich in der vergangenen Woche nicht fortgesetzt“, erklärt das RKI. Drei Tage in Folge war die Sieben-Tage-Inzidenz leicht abgefallen. Doch Gründe für den Inzidenz-Abfall könnte es gleich mehrere geben.

Dies könne „einerseits ein erster Hinweis auf eine sich leicht abschwächende Dynamik im Transmissionsgeschehen aufgrund der deutlich intensivierten Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sein“. Doch wie das RKI weiter verdeutlicht, könnte auch die Überlastung der Kontaktnachverfolgung Schuld an der Entwicklung der Zahlen sein. So könne die Entwicklung „regional auch auf die zunehmend überlasteten Kapazitäten im Öffentlichen Gesundheitsdienst und die erschöpften Laborkapazitäten zurückzuführen sein“. Einige Fachleute gehen davon aus, dass die Gesundheitsämter wegen der vielen Corona-Fälle derzeit nicht mit dem Melden von Nachweisen nachkommen. Dadurch könne es zu einer merklichen Untererfassung an Fällen kommen.

Am Freitag ab 10 Uhr informieren RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz über die aktuelle Entwicklung in Deutschland. Am Donnerstag wurden beim Corona-Gipfel zahlreiche Maßnahmen und Verschärfungen beschlossen*. Doch was genau bedeutet das für den Einzelhandel und für das Einkaufen in Supermärkten?* *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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