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Drosten nennt Befürchtung zu indischer Corona-Mutante - vor allem für Erstgeimpfte

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Von: Michelle Brey

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Im NDR-Podcast spricht Virologe Christian Drosten über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Neben dem Impf-Fortschritt steht die indische Virus-Mutation im Fokus.

Berlin / München - Impfungen, Corona-Mutationen, Fallzahlen unter dem Einfluss mehrere Feiertage: Das Coronavirus ist weiterhin allgegenwärtig. Wie ist die aktuelle Corona-Lage in Deutschland einzuschätzen? Im NDR-Podcast stand der Virologe Christian Drosten einmal mehr Rede und Antwort, gab sich optimistisch und nannte eine Strategie gegen die indische Virus-Variante B.1.617.

Coronavirus in Deutschland: Fallzahlen „schwach in der Aussagekraft“

Das Infektionsgeschehen hierzulande und den Einfluss der Lockerungen hält Christian Drosten für schwer zu beurteilen. Die Zahlen seien „schwach in der Aussagekraft“. Hintergrund ist die noch unsichere Datenlage nach den Pfingst-Feiertagen, auf die auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hinwies.

„Da muss man glaube ich jetzt einfach mal ein bisschen abwarten“, so der Virologe. Bislange habe er aber nicht den Eindruck, dass mit den Öffnungsschritten nun alle Dämme brechen. „Ich mache mir da im Moment keine Sorgen.“ Die Außengastronomie sei beispielsweise „kein so großes Problem“ - zumal negative Testergebnisse vielerorts dafür Voraussetzung seien.

Corona-Impffortschritt in Deutschland: „Das läuft schon jetzt sehr schnell bei uns“

Zudem dürfe man die Impfquote in Deutschland nicht vergessen, betonte er. „Man muss das vielleicht auch einfach mal sagen, dass jetzt - nach den ganzen Anfangsschwierigkeiten - Deutschland wirklich im europäischen Vergleich ganz vorne liegt“, sagte Drosten. Laut RKI-Dashboard sind 40,4 Prozent der Gesamtbevölkerung (rund 33,6 Millionen Menschen) mindestens einmal geimpft. 14,3 Prozent (rund 11,9 Millionen Menschen) haben den vollen Impfschutz erhalten (Datenstand: 25. Mai).

„Das läuft schon jetzt sehr schnell bei uns“, so der Virologe weiter. Die Impf-Entwicklung werde zu einer abnehmenden Schwere der Krankheit führen, so dass man irgendwann über den Sommer „zu einer anderen Betrachtung der Bedrohungslage“ kommen müsse. Deutschland befinde sich noch „in einem Übergangsprozess“.

Drostens Rat in Bezug auf die indische Corona-Mutante: „So schnell wie möglich durchimpfen“

Indes bereitet die in Indien entdeckte Corona-Variante B.1.617 auch in Deutschland Sorgen. Besonders in Großbritannien verbreitet sich die Mutante schnell. Hinsichtlich der Ausbreitung sagte Drosten, dass es noch viele Unwägbarkeiten gebe. Befürchtet wird eine doppelt so hohe Übertragbarkeit.

Im NDR-Podcast verwies der Virologe jedoch auf eine Reihe von möglicherweise verzerrenden Faktoren. So sei die aktuelle Situation in Großbritannien eine andere als Ende 2020, als die britische Mutante B.1.1.7 aufkam. Damals habe sich die Winterwelle aufgebaut. Im Gegensatz dazu sei die dritte Virus-Welle nun stark abgebremst worden und viele Menschen hätten einen Impfschutz. B.1.617 sei zudem massiv aus Indien eingetragen worden - und man wisse leider, dass der Impffortschritt sozial ungleich verlaufe.

Gleichzeitig soll die Schutzwirkung der ersten Impfdosis der Hersteller Astrazeneca und Biontech gegen B.1.617 reduziert sein. Das würden Daten aus Großbritannien zeigen. Sie liege nur bei rund 33 Prozent, während die erste Impfung bei der britischen Mutation B.1.17 eine Schutzwirkung von 50 Prozent besitze. Das sei besonders in der Übergangsphase von der ersten zur zweiten Impfung „ein bisschen blöd“. Demnach müsse man die Impfung in Hinblick auf die indische Variante „schnell vervollständigen“.

„Man muss einfach so schnell wie möglich durchimpfen. Das ist das Beste, was man machen kann“, so die Schlussfolgerung von Drosten. Dann sei die Schutzwirkung der Impfungen gegen B.1.617 ähnlich hoch wie gegen die britische Variante. In Großbritannien hatte man auf den Effekt möglichst vieler Erstimpfungen gesetzt.

Am Dienstag hat Virologe Drosten eine Corona-Studie im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht. Er belegte damit eine These zu der Infektiösität von Kindern, die bereits 2020 für Aufsehen gesorgt hatte. (mbr/dpa)

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