Virologe Christian Drosten
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Virologe Christian Drosten sieht Nachholbedarf in Deutschland.

Entwicklung unterschiedlich

Drosten-Klartext: Einige EU-Länder erreichen wohl bald nächste Corona-Phase – Deutschland „eher nicht“

  • Kai Hartwig
    VonKai Hartwig
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Das Ende der Corona-Pandemie sehnen viele Deutsche herbei. Virologe Christian Drosten ist skeptisch. Und sieht ein Land in der Entwicklung deutlich weiter.

Berlin – Das Coronavirus beschäftigt weiterhin die Welt. Immerhin sorgen Corona-Impfungen seit einigen Monaten für Licht am Ende des Tunnels. Eine hohe Impfquote könnte dazu führen, dass einige Länder heraus aus der Corona-Pandemie in den Zustand der Endemie gelangen.

Erreicht eine Krankheit die endemische Phase, gehört sie sozusagen zum Alltag dazu. Die Corona-Erkrankung wäre dann ein wiederkehrendes Krankheitsbild, vergleichbar mit der Grippe. Sowohl die Häufigkeit der Krankheitsfälle als auch die Zahl der Neuerkrankungen bewegen sich in einer Endemie auf einem gleichmäßigen Niveau. Dagegen treten während der Pandemie erhebliche Schwankungen dieser Faktoren auf.

Corona: Drosten erwartet baldige Endemie-Phase in Großbritannien, in Deutschland „eher nicht“

Virologe Christian Drosten glaubt, dass mehrere Länder schon vor dem kommenden Winter in den Corona-Status der Endemie kommen können. „Großbritannien gehört dazu“, sagte der Leiter der Virologie in der Berliner Charité der Zeit. Für die Bundesrepublik hatte Drosten dagegen keine gute Prognose: „Deutschland Stand heute eher nicht.“

Grund ist der stagnierende Verlauf der deutschen Corona-Impfkampagne.  Am Mittwochmorgen (15. September) verkündet Gesundheitsminister Jens Spahn wie gewohnt den aktuellen Stand bei Twitter. „In Deutschland haben 62,4 Prozent (51,9 Mio.) den vollen Impfschutz, 66,7 Prozent (55,5 Mio.) sind mindestens einmal geimpft“, schrieb der CDU-Politiker. Und ergänzte: „Aktuell ist es besonders einfach, sich impfen zu lassen. Überall im Land gibt es niedrigschwellige Angebote.“

Doch von diesen machen offenbar zu wenig Bundesbürger Gebrauch. Auch die Freigabe der Corona-Impfstoffe für die 12- bis 17-Jährigen brachte nur einen kurzen Nachfrageboom. Inzwischen ist auch der abgeflaut. Eine ähnlich niedrige Impfwilligkeit lässt sich in Deutschland auch schon länger in den meisten übrigen Altersgruppen feststellen.

Corona: „Nachdurchseuchung“ laut Drosten Grundvorraussetzung für Übergang zur Endemie

Besser ist die Situation in Großbritannien. Dort ist (Stand: 13. September) einerseits die Impfquote höher (64,7 Prozent vollständig, 71 Prozent mindestens einmal geimpft). Außerdem wurden in Großbritannien bereits mehr als sieben Millionen Coronafälle registriert, in Deutschland über vier Millionen.

Aus der Impfquote und den Infektionen ergibt sich die Immunitätslücke, erklärte Drosten. In Deutschland sei diese derzeit zu groß, daher könne man den Status der Endemie im Winter noch nicht erreichen. Um dorthin zu gelangen, muss zunächst eine sogenannte „Nachdurchseuchung“ erfolgen. Darunter versteht man die Ansteckung mit dem Coronavirus nach vollständiger Impfung. In Großbritannien hält Drosten diese schon im kommenden Winter für möglich.

Vor Deutschland steht also womöglich noch eine unruhige Winterzeit. Doch Hoffnung macht der Viren-Experte dennoch. „Ich gehe davon aus, dass Sars-CoV-2 sich auf Dauer so verhalten wird wie die anderen endemischen Coronaviren“, befand Drosten. „Genauso wenig wie alle anderen Wissenschaftler“ könne er dies nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Doch die vorherigen Varianten der Coronaviren seien zunehmend schwächer geworden. Letztlich hätten diese überwiegend leichte Erkältungen verursacht, so der Virologe. Daher sei er guter Dinge, dass sich auch bei Sars-Cov-2 diese Entwicklung einstelle. (kh)

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