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Indiens Corona-Zahlen explodieren: Doch Drosten hält Mutante B.1.617 in diesem Fall für „überschätzt“

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Von: Hannes Niemeyer

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Die Fallzahlen in Indien explodieren. Hängt das mit der dort zuerst nachgewiesenen Corona-Mutante B.1.617 zusammen? Virologe Christian Drosten tritt erstmal auf die Bremse - und bleibt gelassen.

Berlin - Die Welt blickt mit großer Sorge nach Indien. Dort explodieren aktuell die Neuinfektionszahlen mit dem Coronavirus mit über 350.000 gemeldeten Fällen pro Tag förmlich. Das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Erschütternde Bilder zeigen, wie teils Leichen auf den Parkplätzen überfüllter Krematorien verbrannt wurden. Mitten im Anstieg der Infektionszahlen wurde dort außerdem eine neue Virusvariante entdeckt. Ist die Doppelmutante B.1.617 am drastischen Verlauf in Indien Schuld? Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hält diese Erklärung für nicht so einfach - und versucht, zu beruhigen.

Die Sorge von einer erhöhten Gefahr durch die Mutation B.1.617 ist durchaus groß. Schließlich ist die Befürchtung da, sie könne ähnlich deutliche Auswirkungen wie die britische Mutation B.1.1.7 haben. Nach Angaben der WHO sei die zuerst in Indien entdeckte Mutation mittlerweile in mindestens 17 Ländern nachgewiesen worden. Die meisten Nachweise stammten demnach aus Indien, Großbritannien, den USA und Singapur. Häufig wird der drastische Anstieg der Zahlen in Indien auch mit der Ausbreitung der Mutation in Verbindung gebracht.

Indische Corona-Mutante B.1.617 schon in 17 Ländern nachgewiesen - Drosten bleibt aber gelassen

Auch vorläufige Studienergebnisse deuteten darauf hin, dass sich B.1.617 schneller ausbreite als andere in Indien zirkulierende Corona-Varianten, teilte die WHO mit. Allerdings gebe es durchaus auch weitere Treiber für die rasche Ausbreitung, Massenveranstaltungen beispielsweise. Auch Virologe Drosten gibt sich erstmal gelassen, anstatt nun große Sorge zu verbreiten.

Anhand der sehr kleinen verfügbaren Datenbasis lasse sich schließen, dass die Mutante nicht allein die heftige Infektionswelle in dem Land verursache, „sondern das ist mehr eine bunt gemischte Virus-Population“, sagte der Drosten im Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info) vom Dienstagabend (27. April). Auch die ansteckendere Variante B.1.1.7, die mittlerweile in Deutschland dominiert, sei stark vertreten.

Virologe Christian Drosten (r.) mit RKI-Chef Lothar Wieler.
Virologe Christian Drosten (r.) mit RKI-Chef Lothar Wieler. © Fabrizio Bensch/dpa

Indische Corona-Mutante B.1.617 laut Drosten „in der Medienbewertung überschätzt“

Laut Drosten kämen in Indien derzeit gleich mehrere Effekte zusammen: Herdenimmunität sei dort einer Studie zufolge bei weitem noch nicht erreicht gewesen. Es werde nun eine Bevölkerung durchseucht, die schon ein bisschen die Anfangsimmunität aus den bisherigen Wellen zu verlieren beginne, sagte der Virologe. Gleichzeitig sei die Variante B.1.617 etwas verbreitungsfähiger und robuster gegen die Immunität. In der Fachsprache ist von Immunescape (Immunflucht) die Rede. Diese Eigenschaft sei bei B.1.617 leicht ausgeprägt. Das sei auch im Vergleich mit anderen Varianten „nichts, was einen wirklich groß beunruhigt“.

Im Moment halte er die Variante B.1.617 „in der Medienbewertung (für) überschätzt“, sagte Drosten. Auch gebe es keine Belege, dass Menschen durch sie schwerer erkrankten. „Wenn viele Leute zur gleichen Zeit infiziert werden, dann hat man auch bei den jüngeren Altersgruppen auf einmal, absolut gesehen, ganz viele Kranke in einem kurzen Zeitfenster.“ In Indien sei zudem die Grundgesundheit der Bevölkerung weniger gut als in Deutschland, was den Effekt der jüngeren Bevölkerung wieder etwas ausgleiche. Drosten machte aber deutlich, dass sich der Sachstand ändern kann: „Es kann sein, dass sich in zwei Monaten herausstellt, dass doch irgendwas ist mit diesem Virus.“ (han/dpa/AFP)

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