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Corona: Weltärztechef schießt deutlich gegen Stiko - „Andere Länder führen uns vor“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Frank Ulrich Montgomery, damaliger Präsident der Bundesärztekammer, nimmt am 122. Deutschen Ärztetag teil.
Weltärztebund-Vorsitzender Frank Ulrich Montgomery kritisierte die Stiko für zu lange dauernde Abläufe. © Guido Kirchner/dpa

Bei Corona-Entscheidungen wünscht sich Weltärztechef Montgomery von der Stiko mehr Tempo. Die Kommission leiste zwar gute Arbeit, müsse jedoch schneller handeln.

München - Die Corona-Situation in Deutschland ist außer Kontrolle und spitzt sich mit jedem neuen Tag immer weiter zu. Die Zahl der Neuinfektionen hat mit mehr als 65.000 einen neuen Rekordwert erreicht. Die 7-Tage-Inzidenz gab das Robert-Koch-Institut mit 336,9 an - ebenfalls ein neuer Höchststand.

Angesichts der heiklen Situation prognostizierte RKI-Chef Lothar Wieler ein „fürchterliches Weihnachtsfest“. Heute (18. November) berät sich der Bundestag über den Entwurf der Ampel-Parteien zur Bekämpfung der Pandemie nach Ende der epidemischen Notlage.

Corona-Eskalation: Kritik an der Stiko - „schnelleres Verfahren finden“

Nun kritisierte der Weltärztebund-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery die Abläufe bei der Bekämpfung der Pandemie. Ihm zufolge dauern diese viel zu lange. In diesem Zusammenhang nahm Montgomery die Ständige Impfkommission (Stiko) ins Visier. Der Weltärztechef forderte zügigeres Handeln.

Die Kommission leiste zwar prinzipiell sehr gute Arbeit, „aber sie hätte sich auch ein bisschen mehr beeilen können“. Man müsse manchmal auch „von seinem wissenschaftlichen Pferd heruntersteigen, um schnell der Bevölkerung zu helfen“, so der Weltärzte-Chef im Fernsehsender „phoenix“.

Ständig sei man dabei gegenüber anderen Ländern wie Israel, den USA und England im Hintertreffen und vollziehe die dort getroffenen Entscheidungen mit etlicher Verzögerung. Laut Montgomery sind an dieser Stelle raschere Abläufe nötig: „Darüber muss die Stiko nachdenken, ob sie nicht ein schnelleres Verfahren findet, denn die anderen Länder machen es uns vor - und führen uns vor.“

Corona-Kritik an der Stiko - Montgomery warnt vor „politischem Hickhack“

Dass man aktuell versuche, die dritte Impfung zu organisieren und Zeit verliere, sei auch mit politischen Fehlern zu erklären. Weltärztechef Montgomery übte hier auch Kritik am Bundesgesundheitsminister Spahn, denn er habe die Booster-Impfung den Hausärzten übertragen, ohne sich im Vorfeld mit ihnen abgesprochen zu haben.

„Hier hätte sehr viel mehr Abstimmung notgetan“, meinte Montgomery. Von der Bund-Länder-Runde erhoffe er sich die Vorlage eines logistischen Konzeptes. Zudem warnte er vor politischen Sackgassen: „Ich hoffe, dass das nicht wieder im politischen Hickhack endet, denn ich bin es einfach leid, dass sich die Politiker nicht einigen können bei solch lebenswichtigen Fragen.“

Corona-Impfungen „risikoarm und bestwirkend“ - Weltärztechef ruft zum Impfen auf

Für die geplanten 2Gplus-Regelungen verkündete Montgomery seine Unterstützung. In hoch belasteten Gebieten sah er auch Kontaktbeschränkungen als eine Option. Wer sich nicht impfen lassen wolle, müsse künftig mit den Folgen leben, dies könne bis zum Arbeitsplatzverlust gehen.

Der Weltärztechef warb für die Impfung gegen das Coronavirus. Sie sei ohne Gefahr. „Diese Impfungen sind die risikoärmsten, bestwirkenden, harmlosesten Impfungen, die wir jemals gehabt haben“, war der Weltärztechef überzeugt. Eine Ablehnung der Impfung sei deshalb rational nicht nachvollziehbar. (bb mit Material von dpa)

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