„Wir haben nichts“

Keine Einschränkungen, kaum Geimpfte: Corona-Lage in EU-Land spitzt sich zu - dramatische Klinik-Berichte

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Eine geringe Impfquote zusammen mit einer hohen Inzidenz bringt Krankenhäuser in Rumänien gerade an ihr Limit. Die Schilderungen des Personals sind drastisch.

Bukarest/Wien - Rumänien gehört EU-weit zu den Ländern mit der dramatischsten Corona-Lage. Vergangene Woche war keines der landesweit rund 1600 Intensivbetten mehr frei. Sogar in der Hauptstadt Bukarest warten Patienten oft tagelang in Krankenhaus-Korridoren – und werden dort laut Medienberichten nur notdürftig versorgt. Ein aktueller „Tagesschau“-Bericht zur Pandemie in dem Land ist erschütternd.

Wegen überfüllter Intensivstationen schickt Rumänien schwer kranke Covid-19-Patienten zur Behandlung ins Nachbarland Ungarn. Die 14-Tage-Inzidenz steigt seit Wochen steil an und lag zuletzt bei rund 860. Nur knapp 35 Prozent der Rumänen haben den vollen Impfschutz. Kritiker werfen der Regierung vor, zu wenig für das Impfen geworben zu haben. Die Regierung wiederum macht aggressive Medienkampagnen der Impfgegner für den mangelnden Impfwillen verantwortlich.

Die Corona-Lage in Rumänien ist dramatisch.

Corona in EU-Land Rumänien: „Viele glauben nicht an den Impfstoff“

ARD-Korrespondent Clemens Verenkotte berichtet, dass vor der Notaufnahme der Uniklinik in Bukarest die Ambulanzen kaum mehr Platz haben. Viele der ungeimpften Eingewiesenen hätten eine Erklärung, sich nicht gegen Corona impfen zu lassen, zitiert er einen Sanitäter: „Viele glauben nicht an den Impfstoff.“ Eine Internistin erzählt, sie habe hier im Klinikum Bukarest schon lange nicht mehr so viel Tod gesehen – im Grunde noch nie.

Sechs von zehn Rumänen lehnen laut einer Anfang Oktober veröffentlichten Umfrage die Impfung ab, heißt es in dem Bericht. Hinzu komme, dass es keine Corona-Einschränkungen mehr gebe. „Seit Beginn der vierten Corona-Welle hatte ich nur einen einzigen geimpften Patienten, alle anderen waren nicht geimpft“, so ein Klinikmitarbeiter.

Kliniken kollabieren unter Corona-Patienten: „Wir haben nichts“

Die Bukarester Ärztekammer alarmierte kürzlich in einem offenen Brief: Die Ärzte seien verzweifelt und das medizinische Personal erschöpft. „Jetzt sehen Sie selbst, was hier passiert, was sollen wir noch mit Worten sagen?“, sagte ein Arzt zu Verenkotte.

„Wir hatten hier sogar 20 Infizierte auf Stühlen“, ergänzte eine Kollegin. Die ärmeren Patienten hätten auf ihnen gewartet – tagelang: „Wir wissen einfach nicht mehr, was wir mit ihnen machen sollen, denn niemand glaubt uns. Man sagt uns nur, dass es überall genauso ist.“

Alle Ressourcen seien erschöpft, sagte das Medizinpersonal der ARD. Man habe Patienten, die dringend beatmet werden müssten, aber: „Wir haben keine Sauerstoffgeräte mehr, wir haben keine freien Betten mehr, wir haben nichts.“ (frs)

Rubriklistenbild: © Vadim Ghirda/dpa

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