Mediziner alarmiert

Forscher entdecken gefährliches Syndrom bei Kindern - es entwickelt sich Wochen nach einer Corona-Infektion

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Eine Coronavirus-Infektion kann für Kinder schwerer verlaufen als bisher angenommen. Wochen nach einer Infektion können plötzlich schwere Symptome auftreten.

  • Corona und Kinder* sind ein ganz besonderes Thema. In der Wissenschaft wird viel über Infektiösität und ungewöhnliche Symptome diskutiert.
  • Eine neue US-Studie hat sich mit schweren Symptomen Wochen nach einer Corona-Infektion bei Kindern und Jugendlichen befasst.
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San Antonio/Texas - Bei Kindern verläuft eine Corona-Infektion* anders als bei Erwachsenen. Hatten sich Kinder mit Sars-CoV-2 angesteckt, waren die Krankheitsverläufe in den meisten Fällen eher mild. Die typischen Corona-Symptome wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen oder Störung des Geruchssinns traten kaum auf. Trotz allem berichten Mediziner seit Anfang der Corona-Pandemie* über rätselhafte Symptome bei einigen Kindern. Anfangs wurde in diesem Zusammenhang über das sogenannte Kawasaki-Syndrom diskutiert.

Die Erkrankung ist durch ein plötzlich einsetzendes hohes Fieber* gekennzeichnet. Bei Säuglingen und Kleinkindern treten Entzündungsreaktionen an Blutgefäßen und mitunter Herzprobleme auf. Jetzt haben US-Forscher sich mit einer ähnlichen schweren Krankheit bei älteren Kindern und Jugendlichen befasst. Es heißt abgekürzt MIC-S und bezeichnet das sogenannte pädiatrische entzündliche Multisystem-Syndrom. Diese Krankheit kann nach Einschätzung der Experten zu schweren Schäden am Herzmuskel und an den Koronargefäßen führen.

Corona-Symptom: Kinder erkranken plötzlich schwer an MIS-C

Die Mediziner werteten die häufigsten Anzeichen und Symptome in Krankenakten von 662 Kindern systematisch aus und veröffentlichten jetzt das Ergebnis ihrer Studie im US-Fachmagazin The Lancet. Die Entzündungsreaktionen beim MIS-C traten bei den Kindern erst nach einer Corona-Infektion auf. Auffällig sei gewesen, dass bei vielen Patienten die Sars-CoV-2-Infektion asymptomatisch - also ohne Krankheitssymptome - verlaufen sei. Dann seien die Kinder drei bis vier Wochen später an einer schweren MIS-C erkrankt.

Corona: Zusammenhang mit einer Infektion? Die Symptome einer MIS-C

Bei MIS-C zeigten die Kinder hohes Fieber, Hautausschlag, Bindehautentzündung und periphere Erkrankungen mit Ödemen und Magen-Darm-Symptome. Schwere Herzschäden können auftreten. Besonders betroffen waren Kinder mit Vorerkrankungen und übergewichtige Kinder. Warum jedoch einige Kinder anfälliger für eine MIS-C sind, müssten nach Ansicht der Forscher weitere Untersuchungen zeigen.

Zugleich weisen die Wissenschaftler daraufhin, dass MIS-C selten ist und Langzeitfolgen dieser Krankheit derzeit nicht bekannt sind. Die Ursachen von MIS-C sind noch unklar. Es wird vermutet, dass sich dahinter eine Überreaktion des Immunsystems verbirgt. Schon im Juni haben sich US-Forscher in Studien mit MIS-C bei Kindern und Jugendlichen befasst und auf die Symptome sowie die Seltenheit der Erkrankung hingewiesen. Weltweit seien rund 1000 Fälle des Syndroms registriert worden, wie Michael Levin vom Londoner Imperial College in einem Kommentar zu den US-Studien im Juni schrieb. Das Europäische Zentrum für Seuchenprävention und -kontrolle (ECDC) meldete bis zum 15. Mai 230 Fälle in Europa. Jeweils ein Kind in Frankreich und Großbritannien starb demnach an dem Syndrom. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Mysteriöse blaue Flecken an den Zehen: Bei jüngeren Corona-Patienten haben Mediziner auf ein besonderes Symptom aufmerksam gemacht. Wie infektiös Kinder sind, ist umstritten. Eine neue Studie aus den USA liefert überraschende Erkenntnisse.

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