Sechs Monate nach der Infektion

Benachteiligt das Gesundheitsministerium Corona-Genesene? Problem bei Einlass und Reisen

  • Christina Denk
    VonChristina Denk
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Für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete gelten seit Mai weniger Einschränkungen. Doch wer seine Infektion bereits länger als sechs Monate überstanden hat, steht häufig vor ungeahnten Problemen.

Berlin - Seit knapp einem Monat gibt es sie nun: Die Lockerungen für Genesene, Geimpfte und negativ Getestete. Aktuell sind diese vor allem noch bei den Kontaktbeschränkungen und Reisen relevant. Doch auch viele Fitnesscenter und Sporteinrichtungen verlangen noch einen Nachweis oder Test. Eine Gruppe fällt dabei wohl häufig unter den Tisch. Denn als Genesen gilt laut dem Gesundheitsministerium nur, bei wem die Infektion „mindestens 28 Tage und maximal sechs Monate zurückliegt“.

Menschen, die die Ansteckung mit dem Coronavirus bereits länger als sechs Monate überstanden haben, fallen nicht in diese Gruppe. Sie können sich nun allerdings impfen lassen. „Aufgrund der bestehenden Immunität nach durchgemachter Infektion kommt es durch die 1-malige Boosterung durch die Impfung zu einer sehr guten Immunantwort“, informiert das RKI. Eine einzige Impfung mit einem der zugelassenen Impfstoffe ist hier also ausreichend. Doch daraus besteht das Problem.

Genesen, Geimpft, Getestet: Nur ein Aufkleber im Impfpass sorgt häufig für Komplikationen

Wollen besagte Personen - genesen und geimpft - nun Reisen oder im Hotel übernachten, wird das Personal an der Rezeption wohl stutzen. Nur ein Aufkleber im Impfpass. Das reicht nicht, um als vollständig Geimpft im eigentlichen Sinne zu gelten. Doch wie weist man die Berechtigung zum Eintritt und die überstandene Infektion stattdessen nach? Brauchen Genesen-erstgeimpfte also weiterhin einen Covid-19-Test?

Auf Anfrage des Spiegel schrieb das Gesundheitsministerium: „Es ist dem Bundesministerium für Gesundheit bewusst, dass es mit den zurzeit bestehenden Regelungen im Einzelfall schwierig sein kann, eine Erkrankung mit Covid-19 nachzuweisen.“ Bundesweit dürfte das aktuell 984.000 Menschen betreffen - Tendenz steigend. Dies ist die Zahl derer, bei denen eine Infektion bereits länger als sechs Monate zurückliegt, so der Lagebericht des RKI. Was also tun?

Der Gesundheitsminster ist selbst betroffen: Er hat einen Tipp für den Alltag

Der Gesundheitsminister Jens Spahn persönlich hat einen Tipp für die Betroffenen. Denn auch er ist ein Fall von „genesen, dann einmal geimpft“. Er rät den Nachweis über einen positiven PCR-Test zur Hand zu haben, zusätzlich zum Impfpass. Bei Bedarf habe er immer beides dabei, sagte er auf einer Pressekonferenz im Mai.

Sollte der Nachweis über einen positiven PCR-Test nicht mehr vorliegen, kann man ihn sich neu ausstellen lassen. Zudem gebe es die Möglichkeit sich die überstandene Infektion vom Hausarzt bei der Impfung im Impfpass vermerken zu lassen, so Spahn. So kann man sich wohl auch die ein oder andere Diskussion an der Hotelrezeption sparen.

Genese, Geimpfte oder negativ Getestete dürfen wieder reisen oder in Hotels übernachten. Eine Gruppe hat es dabei jedoch schwer.

Eine zusätzliche Erleichterung könnte der digitale Impfpass bringen, den es nun schrittweise nicht nur in Deutschland gibt. Wie die Europäische Union mitteilte soll auch ein EU-weiter Pass Abhilfe schaffen. In ihm können dann sowohl eine vollständige Impfung, als auch ein negativer Test oder eine überstandene Infektion hinterlegt werden, berichtet dpa. Weltweit wird es mit dem Reisen jedoch schwieriger. „Da gibt‘s tatsächlich auf der ganzen Welt noch keine einheitliche Regelung“, so Spahn. Innerhalb der EU sei eine einzige Impfung nach Genesung akzeptiert, heißt es vom Gesundheitsministerium gegenüber ZDFheute. Außerhalb der EU liefen jedoch noch die Gespräche. (chd)

Rubriklistenbild: © Ronald Krumbholz/Imago

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