Ist es in 87 Tagen soweit?

Herdenimmunität schon im Juli oder sogar früher? Impf-Rechner macht Hoffnung - doch Experten zweifeln an Modell

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Die Herdenimmunität könnte in Deutschland früher erreicht werden als gedacht. Doch Experten liefern nun Gründe gegen die Annahme. Was steckt dahinter?

Berlin - Herdenimmunität: Das ist der Punkt, den wohl alle Länder in der Corona-Pandemie erreichen wollen. Denn wenn Herdenimmunität herrscht, ist bereits ein großer Teil der Bevölkerung, aktuell werden 80 Prozent angenommen, immun und die Ausbreitung eines Erregers eingeschränkt. In Deutschland könnte die Herdenimmunität früher eintreten als gedacht.

Herdenimmunität in Deutschland bereits im Juli oder früher? - Der Impf-Rechner lässt hoffen

Der Impf-Rechner berechnet aufgrund aktueller Impfquoten, wie lange es noch bis zur Herdenimmunität dauert. Aktuell (Stand 14. April) steht auf dem Barometer: 87 Tage. Also eine Herdenimmunität am oder um den 10.07.2021? So oder so ähnlich. Der Impf-Rechner kann natürlich keine exakten Vorhersagen liefern. Er kalkuliert mit dem aktuellen Durchschnitt der letzten sieben Tage. In Deutschland waren das 412.213 Impfungen im Schnitt.

Doch die Deutschen dürfen hoffen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Punkt, auf den so viele hinfiebern, bereits früher erreicht wird. Wie Politiker derzeit betonen, steigen die Impf-Quoten stetig. Während beispielsweise zu Beginn der Impfkampagne in den Arztpraxen am 06. April an einem Tag 166.954 Erstimpfungen verabreicht wurden, meldete das RKI am 14. April bereits 464.701. Und auch im zweiten Quartal, das im April begann, wird die Zahl der Geimpften wohl auch aufgrund höherer Liefermengen bei Biontech/Pfizer steigen. Großbritannien will bereits Herdenimmunität erreicht haben, wurde für diese Annahme jedoch kritisiert.

Herdenimmunität in Deutschland: Experten zweifeln an Modell - Wird der Zeitpunkt nie eintreten?

Gibt es die Herdenimmunität? Experten verabschieden sich aktuell langsam von der Vorstellung einer Immunisierung der Bevölkerung. Die ungleiche Verteilung der Impfstoffe, die Ungewissheit einer Weiterverbreitung nach den Impfungen und die Mutanten könnten den Schutz herabsetzen. Wissenschaftler wie Youyang Gu, bekannt für sein Covid-19-Prognosemodell, verschieben das Modell aktuell daher Richtung „Weg zur Normalität“, statt „Weg zur Herdenimmunität“.

Denn auch trotz Impfungen müssten die AHAL-Regelungen eingehalten werden. „Würden wir nach Impfung aller Impfwilligen alle AHAL-Regeln fallen lassen, sterben viele“, schrieb Lauterbach kürzlich. Stand 14. April sind in Deutschland laut RKI 14.058.329 (16,9 Prozent der Bevölkerung) erstgeimpft und 5.186.135 (6,2 Prozent der Bevölkerung) zweitgeimpft. (chd)

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