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Statistik-Professor sieht Herdenimmunität nah: „Schritte in Richtung Freedom Day“

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Fußgängerzone München, Menschen dicht an dicht
Erreicht Deutschland doch bald die Herdenimmunität? Ein Statistik-Professor macht Hoffnung. © Sven Hoppe dpa/dpa-Bildfunk

Statistiker Christian Hesse sieht Deutschland auf gutem Weg zur Herdenimmunität. Grund, sich zurückzulehnen, sei das aber nicht.

München - Christian Hesse, Professor für mathematische Statistik, sieht Deutschland auf gutem Weg in Richtung Herdenimmunität. Der Leiter der Statistik-Abteilung an der Uni Stuttgart: „Wenn wir einerseits die korrigierten Daten und andererseits die Studienergebnisse zur Dunkelziffer bei den Immunisierungen betrachten, könnten aktuell schon gut 75 Prozent der gesamten Bevölkerung immunisiert sein.“ Das RKI hatte Anfang Oktober die Impfquote - nur bei Erwachsenen - auf 80 Prozent nach oben korrigiert. „Damit sind wir nicht mehr weit von einer Herdenimmunität entfernt“, sagte Hesse gegenüber focus.de.

Bei der ursprünglichen Sars-CoV2-Variante war man davon ausgegangen, dass eine Impfquote von etwa 70 Prozent erreicht werden muss, damit die Gesamtbevölkerung gut geschützt ist. Varianten - wie die derzeit vorherrschende Delta-Variante - erhöhen diesen Prozentsatz allerdings.

Herdenimmunität durch Impfung erreichbar? „Wenn wir die Impfkampagne aufrechterhalten“

Ob die Impfstoffe auch Fremde schützen, ist teilweise umstritten: Zu Beginn des Sommers hatte der Virologe Hendrik Streek gewarnt: „Mit diesen Impfstoffen werden wir keine Herdenimmunität bekommen.“ Die Impfstoffe seien als Eigenschutz entwickelt worden, Infizierte würden trotz Impfung immer noch eine hohe Viruslast im Rachen tragen.

Hesse ist aber überzeugt: „Wir werden ganz sicher Herdenimmunität erreichen, wenn wir unsere Impfkampagne aufrechterhalten. Und das, obwohl ein gewisser Anteil unserer Mitmenschen entweder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann oder aus anderen Gründen nicht geimpft werden will.“ Impfskeptiker würden sich zunächst - vor Erreichen der Herdenimmunität - selbst infizieren und damit auch zu einer Herdenimmunität beitragen. Bei Kindern ab 12 sollten sich noch etwa 20 Prozent mehr impfen lassen - aktuell geht man hier von einer Impfquote von 35 Prozent aus.

Freedomday möglich - doch Studien aus Israel zeigten Notwendigkeit der Booster-Impfung

Die Dänen hätten bereits bei einer Quote von 75 Prozent gute Erfahrungen mit Lockerungen gemacht. Sollte auch in Deutschland bald die Herdenimmunität erreicht werden, bedeutet das laut Hesse: „Dass wir dann weitergehende Lockerungen und Schritte in Richtung Freedom Day vornehmen können.“

Doch der Statistiker warnt auch: „Es bedeutet aber nicht, dass wir dann die Impfkampagne einstellen können, ganz im Gegenteil.“ So könne man beobachten, dass bei einigen Menschen, die Anfang des Jahres geimpft wurden, der Schutz bereits abnehme. „Herdenimmunität, auch wenn sie erreicht ist, muss aufrechterhalten werden“, mahnt Hesse. „Sonst wird sie wieder eingebüßt.“

Studien zu Booster-Impfungen aus Israel hätten eine klare Aussage: „Die Datenanalyse zeigt die überraschend große Steigerung der Schutzwirkung, den die Biontech-Booster-Impfung besitzt“, so Hesse. In der Altersgruppe der ab 50-Jährigen hätte die Booster-Impfung das Infektionsrisiko um das Zwölffache, bei 16 bis 29-Jährigen um das 18-fache gesenkt.

Bayerns Gesundheitsminister Holetschek hatte erst am Montag dem Freedom Day eine Absage erteilt. (kat)

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